HT 4 — Schulexperimente zu Radioaktivität und Strahlenschutz
Für Schulexperimente zur Radioaktivität gibt es spezielle Strahlerstifte, bei denen ein radioaktiver Stoff in ein zylinderförmiges Gehäuse eingefasst ist.
In Abbildung 1 in Material 1 ist das Zerfallsschema für die Umwandlung von in
abgebildet.
Berechne anhand von Abbildung 1 (in Material 1) die Maximalenergie der von einem Kern emittierten
Teilchen.
Der Strahlerstift ist entweder offen oder umschlossen (siehe Material 2).
Entscheide begründet, ob der Strahlerstift mit dem in Abbildung 3 (in Material 2) dargestellten Energiespektrum offen oder umschlossen ist.
Ein Atom hat die Masse
Die Halbwertszeit von
beträgt
Leite die Gleichung ausgehend vom Zerfallsgesetz
her.
Bestimme die Masse an mit der Aktivität
In Schulen dürfen Strahlerstifte, die eine Gesamtaktivität von bis zu
haben, ohne Genehmigung verwendet werden.
Begründe mithilfe der Informationen aus Material 3, dass eine Schule bei Verwendung eines Strahlerstiftes, der die in a) bestimmte Masse an enthält, eine Genehmigung benötigt.
Bestimme denjenigen Peak in dem Gammaspektrum in Abbildung 5 (in Material 4), der auf die in Abbildung 1 dargestellte Umwandlung von in
zurückzuführen ist.
In Schulversuchen werden radioaktive Präparate häufig mit Geiger-Müller-Zählrohren untersucht.
Begründe, dass das Spektrum in Abbildung 5 (in Material 4) nicht mit einem Geiger-Müller-Zählrohr aufgenommen wurde.
In einem Experiment wird ein Strahlerstift mit der Gesamtaktivität
mit einem Geiger-Müller-Zählrohr untersucht. Ein Schüler vermutet, dass die gemessene Zählrate dann im Bereich von
liegen müsste. Die gemessene Zählrate beträgt jedoch
Stelle eine Hypothese auf, weshalb keine Zählrate von erreicht wird.
Im Physikunterricht darf mit radioaktiven Stoffen experimentiert werden.
Schätze mithilfe der Informationen in Material 5 und einer Rechnung die effektive Dosis ab, die von der Schülerin während des Experimentierens aufgenommen wird.
Beurteile unter Einbezug der Informationen in Material 5 den Vorschlag, im Hinblick auf den Strahlenschutz in Schulen zukünftig auf Experimente mit radioaktiven Präparaten komplett zu verzichten.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1
Abbildung 1 zeigt ein vereinfachtes Zerfallsschema von in

Abbildung 1: Zerfallsschema von
Material 2
Bei einem umschlossenen Strahlerstift ist die radioaktive Substanz vollständig durch eine sehr dünne Metallfolie abgeschirmt (siehe Abbildung 2 links). Bei einem offenen Strahlerstift fehlt diese vollständige Abschirmung durch eine Metallfolie (siehe Abbildung 2 rechts).

Abbildung 2: Energiespektrum der von einem Strahlerstift emittierten
Strahlung
Beim Durchdringen der sehr dünnen Metallfolie nimmt die Geschwindigkeit der Teilchen etwas ab.
Abbildung 3 zeigt das mit einem Halbleiterdetektor aufgenommene Energiespektrum der von einem Strahlerstift emittierten
Strahlung. Die Messung wurde im Vakuum durchgeführt.

Abbildung 3: Energiespektrum der von einem Strahlerstift emittierten
Strahlung
Material 3
Abbildung 4 zeigt den Zerfall von über mehrere Zwischenprodukte bis hin zum stabilen Endprodukt
Die Halbwertszeiten
sind jeweils angegeben.

Abbildung 4: Darstellung des radioaktiven Zerfalls von in ein stabiles Endprodukt
Material 4
Abbildung 5 zeigt ein gemessenes Wellenlängenspektrum der von einem Strahlerstift emittierten
Strahlung. Die Peaks A, B, C, D und E können dem Zerfall von
bzw. den Zerfällen der Tochternuklide zugeordnet werden.

Abbildung 5: Wellenlängenspektrum der von einem Strahlerstift emittierten
Strahlung
Material 5
Beschreibung eines Schulexperiments mit einem 
-
-Strahlerstift:
Eine Schülerin führt während einer 45-minütigen Unterrichtsstunde ein Experiment mit einem Strahlerstift (Gesamtaktivität
) durch. Dabei hält sie durchschnittlich einen Abstand von
zum Strahlerstift ein.
Informationen des Herstellers zur Strahlenbelastung durch den 
-
-Strahlerstift:
Die effektive Dosis für einen Strahlerstift der Aktivität
(in Kilobecquerel) beim Experimentieren in einem Abstand
(in Meter) während der Zeitdauer
(in Stunden) kann mit der folgenden Formel abgeschätzt werden:
Informationen zur natürlichen und zivilisatorischen Strahlenbelastung:
Abbildung 6 zeigt die durch natürliche Strahlenexposition hervorgerufene mittlere effektive Dosis pro Jahr für eine zufällig ausgewählte Person in Deutschland.

Abbildung 6: Mittlere effektive Dosis für eine Person in Deutschland durch natürliche Strahlenexposition
Für die Bevölkerung in Deutschland gibt es zusätzlich zur natürlichen Strahlenbelastung einen gesetzlich vorgeschriebenen Jahresgrenzwert der durch zivilisatorische Strahlenquellen hervorgerufenen effektiven Dosis. Er liegt bei für den Zeitraum eines Jahres.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Die Energiedifferenz zwischen den beiden eingezeichneten Niveaus entspricht der Energie des ausgesandten
Quants. Für die maximale Energie der
Teilchen gilt daher:
Die direkt in den Grundzustand von führende Zerfallsvariante liefert also
Teilchen mit einer maximalen Energie von etwa
Im Vakuum erfahren die von einer nicht abgeschirmten Quelle emittierten Teilchen praktisch keine Energieverluste. Das zu
gehörende Maximum müsste deshalb bei einer Energie nahe
liegen.
In Abbildung 3 liegt das Maximum der Teilchen jedoch deutlich bei kleineren Energien.
Diese Teilchen müssen vor der Messung Material durchdrungen und dabei Energie abgegeben haben. Das passt zu einer von einer Metallfolie umschlossenen Quelle. Der mit dem Energiespektrum in Abbildung 3 untersuchte Strahlerstift ist daher umschlossen.
Herleiten der Gleichung
Für die Anzahl der noch nicht zerfallenen Kerne gilt das Zerfallsgesetz:
Die Aktivität ist die Anzahl der Zerfälle pro Zeitintervall. Durch Ableiten folgt:
Bestimmen der Masse an
Mit ergibt sich für die Zerfallskonstante:
Für die Aktivität werden damit benötigt:
Die Masse eines Kerns beträgt:
Daraus ergibt sich:
Die benötigte Masse an beträgt damit rund
Die in Abbildung 4 dargestellten Tochterkerne besitzen Halbwertszeiten von wenigen Tagen bis hin zu Millisekunden und zerfallen damit wesentlich schneller als Auf Grund dieser extremen Differenz zwischen Mutternuklid und Tochternuklide stellt sich nach einer ausreichend langen Zeit ein säkulares Gleichgewicht ein: Die Aktivitäten der Tochternuklide sind dann näherungsweise ebenso groß wie die Aktivität des Mutternuklids.
Neben der Aktivität von des
tragen deshalb bereits die zwei in Abbildung 4 unmittelbar folgenden Tochternuklide jeweils näherungsweise
bei. Damit ergibt sich schon ohne die weiteren Zerfälle:
Die Gesamtaktivität liegt somit deutlich über Für den Umgang mit der Quelle in der Schule ist daher eine Genehmigung erforderlich.
Dem Zerfallsschema in Abbildung 1 ist für den Übergang die Energie
zu entnehmen. Die zugehörige Wellenlänge beträgt:
Diese Wellenlänge stimmt mit der Lage des Peaks E überein. Peak E gehört daher zu den beim Zerfall von emittierten
Quanten.
Das dargestellte Spektrum ordnet den registrierten Quanten unterschiedliche Wellenlängen beziehungsweise Energien zu. Ein Geiger-Müller-Zählrohr liefert dagegen für jedes nachgewiesene Quant näherungsweise gleich große Impulse. Es kann daher die Anzahl der Ereignisse, nicht aber deren Energie bestimmen. Mit einem Geiger-Müller-Zählrohr lässt sich das Spektrum somit nicht aufnehmen.
Der Detektor erfasst nur einen begrenzten Raumwinkel. Deshalb trifft bei endlichem Abstand nur ein Teil der ausgesandten Quanten auf seine aktive Fläche. Zusätzlich löst nicht jedes auftreffende Quant ein registriertes Ereignis aus.
Die gemessene Zählrate von kann deshalb deutlich kleiner sein als die aus der Aktivität abgeschätzte Rate von
Für die Aufenthaltsdauer gilt Mit
und
folgt aus der Herstellerangabe:
Die effektive Dosis während des Experiments beträgt somit Sie ist im Vergleich zur jährlichen natürlichen Strahlenexposition von etwa
sehr klein.
Für ein Verbot spricht, dass ionisierende Strahlung grundsätzlich eine zusätzliche, künstlich verursachte Belastung darstellt. Wo sich Lernziele gleichwertig mit ungefährlichen Ersatzversuchen oder Simulationen erreichen lassen, sollte diese Belastung vermieden werden.
Gegen ein generelles Verbot spricht die sehr geringe in Teilaufgabe a) bestimmte Dosis. Auch bei mehreren Versuchen bleibt sie bei sachgerechtem Umgang weit unter der natürlichen Jahresdosis und dem zulässigen Grenzwert für die zusätzliche Exposition von Schülerinnen und Schülern. Darüber hinaus ermöglicht der Umgang mit einer realen Quelle wichtige Erfahrungen zu Schutzmaßnahmen.
Ein pauschales Verbot ist daher nicht angemessen. Sinnvoll sind stattdessen verbindliche Schutzmaßnahmen wie kurze Aufenthaltsdauer, möglichst großer Abstand, sichere Aufbewahrung der Quelle und eine fachkundige Aufsicht.