Vorschlag A2 — Fotoeffekt, Photonenimpuls und der Wellencharakter von Teilchen
Nachtsichtgeräte machen Objekte in der Dunkelheit sichtbar, indem sie die von einem Objekt emittierte Infrarotstrahlung (IR-Strahlung) mit Wellenlängen größer als in sichtbares Licht umwandeln. Dazu bildet zunächst eine Optik das Objekt mit der IR-Strahlung auf eine Fotokathode ab. Aus der Fotokathode werden durch den Fotoeffekt Elektronen ausgelöst. Diese werden in Richtung eines Fluoreszenzschirms beschleunigt und erzeugen dort beim Auftreffen ein sichtbares Bild des Objekts (Material 1).
In Material 2 ist die maximale kinetische Energie der durch den Fotoeffekt ausgelösten Elektronen in Abhängigkeit von der Frequenz
der eingestrahlten Photonen für die folgenden Kathodenmaterialien aufgetragen:
-
(Schichtaufbau aus Silber, Cäsiumoxid und Cäsium; Austrittsenergie
)
-
Lithium (
)
-
Cäsium (
)
Ordne unter Angabe einer Begründung die Graphen A, B und C den entsprechenden Kathodenmaterialien zu.
Beschrifte die Achse in Material 2 mit einer geeigneten Skala.
Berechne für die in Aufgabe 1.1 genannten Kathodenmaterialien die Grenzfrequenzen sowie die zugehörigen maximalen Wellenlängen
der Photonen, die den Fotoeffekt auslösen können, in der Einheit Nanometer.
Beschrifte die Achse in Material 2 mit einer geeigneten Skala und begründe, warum sich von den genannten Kathodenmaterialien nur
für ein Nachtsichtgerät eignet.
Für ein Nachtsichtgerät wird als Kathodenmaterial verwendet. Das zu beobachtende Objekt sendet IR-Strahlung mit der Wellenlänge
aus.
Berechne die maximale Geschwindigkeit der Elektronen nach dem Auslösen.
Nach der Beschleunigung treffen die Elektronen auf einen Fluoreszenzschirm, auf dem ein Bild entsteht (Material 1).
Beschreibe den Vorgang der Fluoreszenz.
Beschreibe mithilfe von Material 3, wodurch die Farbe des Bildes bestimmt wird.
Sonnensegel nutzen den Impuls der Photonen des Sonnenlichts zum Antrieb von Raumsonden. Im Folgenden soll ein Sonnensegel mit einer Fläche von in der Nähe der Erde betrachtet werden. Es soll eine Gesamtmasse von
beschleunigen. Das Sonnenlicht fällt senkrecht auf das Segel und wird von ihm vollständig absorbiert. Die Sonne hat in Erdnähe eine Bestrahlungsstärke von
Das Maximum der Bestrahlungsstärke des Sonnenlichts liegt etwa bei der Wellenlänge
Schätze mithilfe der Wellenlänge des Maximums der Bestrahlungsstärke rechnerisch die Anzahl der Photonen ab, die in jeder Sekunde auf das Sonnensegel fallen.
[zur Kontrolle: ]
Material 4 zeigt eine Rechnung im Sachzusammenhang, die an Aufgabe 2.1 anschließt.
Erläutere für jede der drei Rechnungen in Material 4 die einzelnen Schritte der jeweiligen Rechnung.
Beurteile das Endergebnis im Sachzusammenhang.
Im Jahr 1924 postulierte Louis de Broglie, dass auch Teilchen Welleneigenschaften besitzen. In Doppelspaltexperimenten lassen sich sowohl mit Elektronen- als auch mit Laserstrahlen Interferenzerscheinungen beobachten.
Zeige mit einer nichtrelativistischen Rechnung, dass die De-Broglie-Wellenlänge von Elektronen, die aus der Ruhe mit einer Spannung von beschleunigt wurden,
beträgt.
Zeige, dass die Wellenlänge von Photonen mit einer Energie von die ein Argon-Ionen-Laser emittiert, um etwa den Faktor
größer ist als die Wellenlänge der Elektronen in Aufgabe 3.1.
Sowohl mit dem Elektronen- als auch mit dem Laserstrahl soll mithilfe eines Doppelspalts ein Interferenzbild erzeugt werden. Die Geometrie des Versuchsaufbaus ist in beiden Fällen identisch. Das Interferenzbild des Lasers wird hinter dem Doppelspalt mit einem geeigneten optischen Detektor registriert, das Interferenzbild des Elektronenstrahls wird mithilfe eines geeigneten Fluoreszenzschirms mit dem gleichen Detektor registriert.
Erläutere, warum für die Untersuchung von Elektronen- und Laserstrahlen nicht der gleiche Doppelspalt verwendet werden kann.
Beschreibe die Entwicklung des Interferenzbildes, wenn zunächst nur einzelne wenige Elektronen bzw. Photonen über einen langen Zeitraum verwendet werden und die Ergebnisse dauerhaft gespeichert werden.
Deute diese Beobachtung.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Schematische Darstellung eines Nachtsichtgeräts

Material 2: 
in Abhängigkeit von 
für verschiedene Kathodenmaterialien

Der Schnittpunkt der beiden gezeichneten Achsen liegt im Ursprung.
Material 3: Vereinfachtes Energieniveauschema zur Fluoreszenz

Der Übergang von nach
wird durch einen Elektronenstoß verursacht.
Material 4: Rechnung zu Aufgabe 2.2
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Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Zuordnen der Kathodenmaterialien zu den Graphen
Der Betrag des Schnittpunkts der Graphen mit der -Achse des Diagramms aus Material 2 entspricht jeweils der materialspezifischen Austrittsenergie
Durch Ablesen dieser Werte und vergleichen mit den in der Aufgabenstellung gegebenen Werte lassen sich die Graphen wie folgt zuordnen:
-
Graph A:
-
Graph B: Cäsium
-
Graph C: Lithium
Beschriften der vertikalen Achse
In der Aufgabenstellung sind die genauen Werte der Austrittsenergien genannt. Daraus folgt, dass ein Skalenteil an der
-Achse einem Wert von
entspricht.
Berechnen der Grenzfrequenzen und der zugehörigen Wellenlängen
Die Grenzfrequenz ergibt sich aus der Austrittsenergie
über die Beziehung
Die zugehörige Grenzwellenlänge
wird anschließend über die Lichtgeschwindigkeit
mit der Beziehung
berechnet:
-
(
):
Daraus folgt für die zugehörige Grenzwellenlänge
-
Cäsium (
):
Daraus folgt für die zugehörige Grenzwellenlänge
-
Lithium (
):
Daraus folgt für die zugehörige Grenzwellenlänge
Beschriften der horizontalen Achse
Aus den gerade berechneten Werten folgt, dass ein Skalenteil an der -Achse einem Wert von
entspricht.
Begründung der Eignung der Kathodenmaterialien für ein Nachtsichtgerät
Damit mit dem Nachtsichtgerät Infrarotlicht mit Wellenlängen von über sichtbar gemacht werden kann, müssen Wellenlängen oberhalb von
detektiert werden können. Da der Fotoeffekt nur auftritt, wenn die Wellenlänge kleiner als die Grenzwellenlänge
ist und das nur für
erfüllt ist, kommt als Kathodenmaterial lediglich
infrage. Bei Cäsium und Lithium sind die Austrittsenergien so hoch, dass die Photonenenergie bei Wellenlängen über
nicht ausreicht, um Elektronen aus dem Material zu lösen.
Zunächst wird die Energie eines Photons der Wellenlänge bestimmt:
Daraus ergibt sich die kinetische Energie der herausgelösten Elektronen mit als Kathodenmaterial:
Die Geschwindigkeit kann mit der Formel
berechnet werden:
Fluoreszenz beschreibt den Vorgang, bei dem ein Atom durch ein Photon angeregt wird und kurz darauf selbst wieder ein Photon emittiert. In der Regel ist die Wellenlänge des ausgesandten Photons größer als die des anregenden Photons.
Dies geschieht durch einen Sprung vom Grundzustand in ein höheres Energieniveau
nachdem das Atom angeregt wurde. Der Rückweg erfolgt über ein Zwischenniveau
wobei der Übergang von
nach
ohne Strahlung abläuft. Die Energie des schließlich emittierten Photons resultiert aus der Energiedifferenz
Da diese Differenz kleiner ist als die ursprüngliche Anregungsenergie, verändert sich die Farbe des Lichts hin zu einer größeren Wellenlänge.
Um die Anzahl der Photonen zu bestimmen, wird vereinfachend davon ausgegangen, dass alle eintreffenden Photonen eine Wellenlänge von besitzen. Daraus folgt für die Energie eines einzelnen Photons:
Bei einer Bestrahlungsstärke von und einer Segelfläche von
ergibt sich als aufgenommene Gesamtleistung
Die innerhalb einer Sekunde () auftreffende Gesamtenergie
beträgt somit:
Die Anzahl der Photonen pro Sekunde errechnet sich aus dem Quotienten von Gesamtenergie
und Photonenenergie
Dies entspricht etwa Photonen pro Sekunde.
Erläutern der Rechnung
Um die Geschwindigkeitsänderung der Raumsonde pro Stunde zu ermitteln, wird in drei Schritten vorgegangen:
-
Zunächst wird der Impuls eines einzelnen Photons unter Verwendung der Wellenlänge, bei der die Bestrahlungsstärke ihr Maximum aufweist, bestimmt.
-
Dieser Impuls eines einzelnen Photons wird mit der Anzahl der Photonen, die pro Sekunde auf die
große Fläche treffen, sowie mit der Zeitdauer von einer Stunde (
) multipliziert. Daraus ergibt sich die gesamte Impulsänderung der Sonde innerhalb einer Stunde.
-
Abschließend wird die gesamte Impulsänderung durch die zu beschleunigende Masse (Masse der Raumsonde) dividiert, woraus die Geschwindigkeitsänderung innerhalb einer Stunde folgt.
Beurteilen des Ergebnisses
Obwohl eine Geschwindigkeitsänderung von lediglich pro Stunde im Vergleich zu den gewaltigen Distanzen im Weltraum sehr gering erscheint, ist zu berücksichtigen, dass diese Beschleunigung kontinuierlich über extrem lange Zeiträume wirkt. Für unbemannte Missionen stellt das Sonnensegel durchaus eine attraktive Option dar, da kein schwerer Treibstoff mitgeführt werden muss und die längere Reisezeit oft eine untergeordnete Rolle spielt.
Um die Wellenlänge der Elektronen zu bestimmen, wird zunächst deren Geschwindigkeit aus der Beschleunigungsspannung
berechnet. Da die kinetische Energie der Elektronen dem Betrag der elektrischen Energie entspricht, die sie durch die Beschleunigungsspannung erhalten, kann beides gleichgesetzt werden:
Anschließend lässt sich die De-Broglie-Wellenlänge wie folgt ermitteln:
Die Wellenlänge von Photonen mit einer Energie von
wird über die Beziehung
mit Hilfe der Beziehung
berechnet:
Ein Vergleich zeigt, dass die Wellenlänge der Photonen etwa um den Faktor größer ist als die zuvor berechnete De-Broglie-Wellenlänge der Elektronen mit
Erläuterung der verschiedenen Doppelspalte
Unter Verwendung der Bedingung für Beugungsmaxima am Spalt, , lässt sich das Verhalten erklären: Da die De-Broglie-Wellenlänge der Elektronen signifikant kleiner ist als die Wellenlänge des Laserlichts, fallen auch die Beugungswinkel
bei identischem Spaltabstand
wesentlich kleiner aus. Dies führt dazu, dass die Maxima auf dem Schirm so dicht beieinander liegen, dass sie vom verwendeten Detektor nicht mehr einzeln aufgelöst werden können. Somit muss für die Elektronen ein kleinerer Spaltabstand
verwendet werden.
Beschreibung und Deutung der Entwicklung des Interferenzbildes
Wird der Versuch mit einer extrem geringen Anzahl an Quantenobjekten (Photonen oder Elektronen) durchgeführt, werden zunächst scheinbar zufällig verteilte Einschläge auf dem Schirm registriert. Erst mit zunehmender Dauer und steigender Anzahl der registrierten Quantenobjekte wird allmählich das charakteristische Interferenzmuster sichtbar.
Dieses Experiment dient als Beleg für den Quantencharakter von Photonen beziehungsweise Elektronen. Es bestätigt die fundamentale Erkenntnis der Quantenphysik, dass Photonen und Elektronen gleichermaßen sowohl Wellen- als auch Teilcheneigenschaften besitzen (Welle-Teilchen-Dualismus).