HT 1 — Schonende Krebsbehandlung mit Protonentherapie
Seit 2014 werden am Universitätsklinikum Dresden an Krebs erkrankte Patientinnen und Patienten mit einer Therapie durch Protonenstrahlung behandelt (siehe Material 1).
Damit relativistische Effekte vernachlässigt werden können, werden in dieser Aufgabe niedrigere Energien als am Klinikum verwendet.
Nenne zwei Gemeinsamkeiten und zwei Unterschiede von Röntgenstrahlung und Protonenstrahlung.
Berechne die Geschwindigkeit bei der die Protonen eine kinetische Energie von
haben, als Anteil der Lichtgeschwindigkeit
[Kontrollwert: ]
Erläutere, warum bei der Behandlung von (tief) im Körperinneren liegenden Krebszellen die Protonentherapie im Vergleich zur Behandlung mit Röntgenstrahlung deutlich schonender für die Patientin bzw. den Patienten ist (Material 1).
Am Klinikum in Dresden werden die Protonen in einem Zyklotron beschleunigt. Der prinzipielle Aufbau und die Funktionsweise eines Zyklotrons sind in Material 2 und Material 3 beschrieben.
Nenne die Richtung der elektrischen Feldkraft innerhalb des Spalts sowie die der magnetischen Feldkraft innerhalb der Duanten.
Beschreibe jeweils die Wirkung der Kräfte auf die Bewegung des Protons, indem du auf die Änderung der Geschwindigkeit und der Bewegungsrichtung sowie auf den Radius der Halbkreisbahnen eingehst.
Skizziere in beiden Abbildungen in Material 3 die Lorentz-Kräfte, die an den markierten Positionen 1, 2 und 3 auf der Bahnkurve auf das Proton wirken, als Pfeile, deren Länge relativ zueinander jeweils die Größe der Kraft veranschaulicht.
Das elektrische Feld zwischen den Duanten wird durch eine Spannung von erzeugt.
Berechne die Anzahl der Umläufe, die ein Proton zurücklegen muss, bis es die benötigte kinetische Energie von
erreicht hat.
Ermittle die benötigte magnetische Flussdichte in den Duanten, damit die Protonen das Zyklotron mit einer kinetischen Energie von
verlassen (Material 4).
Erläutere ohne Rechnung, wie sich eine Verringerung der Spannung zwischen den Duanten auf die Bahn des Protons und auf seine Endgeschwindigkeit beim Erreichen des Austrittsfensters auswirkt.
Beurteile den Titel des Zeitungsartikels (Material 5) im Hinblick auf die fachliche Korrektheit und bewerte die mögliche Wirkung der Aussage auf die Leserin bzw. den Leser der Zeitung.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Therapie durch Protonenstrahlung
Um krankhaftes Krebsgewebe im Inneren eines Körpers zu zerstören, welches nicht operativ entfernt werden kann, müssen die Zellen dieses Gewebes hinreichend viel Energie aufnehmen. Dies geschieht seit über einem Jahrhundert meist durch die Behandlung mit Röntgenstrahlung. Die Technik ist etabliert und wird an vielen Krankenhäusern in ganz Deutschland angewendet.
Am Universitätsklinikum in Dresden werden seit 2014 Patientinnen und Patienten mit hochenergetischen Protonen bestrahlt. In Abbildung 1 ist die Energieabgabe von Röntgenstrahlung und Protonen in unterschiedlichen Gewebetiefen dargestellt. Während die maximale Energieabgabe von Röntgenstrahlung immer dicht unter der Haut liegt, kann durch die Energie der Protonen die Gewebetiefe, bei der es im Körper zur maximalen Energieabgabe kommt, variiert werden.

Abbildung 1: Energieabgabe verschiedener Strahlungsarten in unterschiedlichen Gewebetiefen
Material 2: Aufbau und Funktionsweise eines Zyklotrons
In einem Zyklotron werden Protonen aus der Ruhe heraus beschleunigt. Sie bewegen sich dabei auf spiralähnlichen Bahnen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Prinzipieller Aufbau eines Zyklotrons
Zwischen den beiden Duanten liegt eine Spannung an, die ein näherungsweise homogenes elektrisches Feld im Spalt zwischen ihnen erzeugt. Innerhalb der Duanten gibt es kein elektrisches Feld, dafür aber ein homogenes Magnetfeld, welches für die Richtungsänderung der Protonen sorgt. Die Auswirkungen des Magnetfelds im Spalt sollen hier vernachlässigt werden.
Das Zyklotron wird mit Wechselspannung betrieben. Immer dann, wenn ein Proton den Spalt wieder erreicht, ist die Spannung zwischen den Duanten umgepolt, so dass die Richtung des elektrischen Feldes jeweils mit der Bewegungsrichtung der Protonen übereinstimmt. Die gesamte Apparatur befindet sich im Vakuum.
Material 3: Bahn eines Protons im Zyklotron
In den beiden Abbildungen 3a und 3b ist die Bahnkurve eines Protons für den ersten halben bzw. ersten Umlauf gezeigt.

Abbildung 3a: Protonenbahn im Zyklotron innerhalb des ersten halben Umlaufs (schematisch)

Abbildung 3b: Protonenbahn im Zyklotron innerhalb des ersten Umlaufs (schematisch)
Material 4: Magnetische Flussdichte im Zyklotron
Innerhalb der Duanten wirkt die Lorentz-Kraft als Zentripetalkraft. Um bei einer Protonengeschwindigkeit einen Kreisbahnradius
zu erreichen, ist die folgende magnetische Flussdichte nötig:
Hierbei bezeichnet
die Ladung des Protons und
seine Masse.
Die Anlage ist so aufgebaut, dass die Protonen das Zyklotron am Austrittsfenster verlassen, sobald sie einen Bahnradius von erreicht haben (siehe Abbildung 2).
Material 5: Zeitungsartikel „Heilende Strahlung der Ionen“
In einem Artikel der österreichischen Wochenzeitung „Die Furche“ wurde am 18. März 2010 über die Planung für ein Zentrum zur Krebsbehandlung mittels Ionentherapie berichtet, in dem die Vorteile der neuen Therapieform dargelegt werden. Der Titel dieses Artikels lautet „Heilende Strahlung der Ionen“.
Quelle: Lang, R. (2010): Heilende Strahlung der Ionen. Die Furche, Wien, 18.03.2010. (Zugriff: 19.08.2026)
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Gemeinsamkeiten:
-
Sowohl Röntgenstrahlung als auch Protonenstrahlung sind ionisierende Strahlung.
-
Beide Strahlungsarten können in den Körper eindringen und werden zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt.
Unterschiede:
-
Röntgenstrahlung besteht aus ungeladenen Photonen. Protonenstrahlung besteht aus positiv geladenen Teilchen mit einer Masse.
-
Röntgenstrahlung gibt bereits kurz unter der Haut besonders viel Energie ab und durchdringt den Körper weiter. Protonen geben den größten Teil ihrer Energie erst kurz vor dem Ende ihrer Bahn in einer einstellbaren Gewebetiefe ab.
Zunächst wird die kinetische Energie in Joule umgerechnet:
Für die kinetische Energie gilt:
Einsetzen der Werte ergibt:
Die Protonen bewegen sich somit mit etwa der Lichtgeschwindigkeit.
Röntgenstrahlung gibt nach Abbildung 1 bereits kurz unter der Haut besonders viel Energie ab. Auf dem Weg zu tief liegenden Krebszellen wird deshalb gesundes Gewebe stark belastet. Auch hinter dem Krebsgewebe gibt die Röntgenstrahlung noch Energie ab und schädigt dort ebenfalls gesundes Gewebe.
Bei Protonen lässt sich über ihre Anfangsenergie einstellen, in welcher Gewebetiefe die maximale Energieabgabe sein soll. Diese kann also so gewählt werden, dass die Protonen den größten Teil ihrer Energie erst in der Tiefe des Krebsgewebes abgeben. Unmittelbar danach fällt die Energieabgabe stark ab, da die Protonen im Gewebe zum Stillstand kommen.
Das gesunde Gewebe vor dem Tumor erhält dadurch eine geringere Strahlungsdosis. Hinter dem Tumor wird nahezu keine Energie mehr abgegeben. Die Protonentherapie ist deshalb bei tief liegenden Krebszellen deutlich schonender.
Nennen der Richtung der Feldkräfte
-
Innerhalb des Spalts wirkt die elektrische Feldkraft in Richtung des elektrischen Feldes.
-
Innerhalb der Duanten steht die Lorentz-Kraft senkrecht zur Bewegungsrichtung des Protons und zeigt zum Mittelpunkt der jeweiligen Kreisbahn.
Beschreiben der Wirkung der Kräfte
-
Die Wechselspannung wird immer so umgepolt, dass die elektrische Feldkraft mit der Bewegungsrichtung des Protons übereinstimmt. Da das Proton positiv geladen ist, wird es dadurch im Spalt beschleunigt. Der Betrag seiner Geschwindigkeit nimmt zu, während die Bewegungsrichtung näherungsweise unverändert bleibt.
-
Die Lorentz-Kraft wirkt als Zentripetalkraft, da sie stets senkrecht zur Bewegungsrichtung des Protons wirkt. Sie verändert daher nur die Bewegungsrichtung des Protons, nicht aber den Betrag der Geschwindigkeit. Das Proton bewegt sich innerhalb eines Duanten auf einer Halbkreisbahn.
Für den Bahnradius gilt
Nach jedem Durchgang durch den Spalt ist der Betrag der Geschwindigkeit größer. Deshalb nimmt auch der Radius nach jedem Durchgang durch den Spalt zu und es entsteht die spiralförmige Bahn.
Lorentz-Kräfte an Position 1 und 2

Lorentz-Kraft an Position 3

Die Protonen werden aus der Ruhe heraus beschleunigt. Bei jedem Durchgang durch den Spalt nimmt die kinetische Energie des Protons um zu. Während eines vollständigen Umlaufs durchquert das Proton den Spalt zweimal. Die Energiezunahme pro Umlauf beträgt daher:
Damit ergibt sich für die Anzahl der Umläufe:
Das Proton muss somit vollständige Umläufe zurücklegen.
Mit der Geschwindigkeit aus Teilaufgabe 1b) und dem Radius sowie der Gleichung aus Material 4 gilt für die magnetische Flussdichte:
In den Duanten wird somit eine magnetische Flussdichte von etwa benötigt.
Bei einer kleineren Spannung erhält das Proton bei jedem Durchgang durch den Spalt weniger kinetische Energie. Seine Geschwindigkeit nimmt bei jedem Spaltdurchgang daher weniger stark zu. Entsprechend wächst auch der Radius der folgenden Halbkreisbahn jeweils weniger stark. Die einzelnen Windungen der spiralförmigen Bahn liegen dichter beieinander und das Proton benötigt mehr Umläufe bis zum Austrittsfenster.
Die Endgeschwindigkeit am Austrittsfenster bleibt jedoch gleich. Das Proton verlässt das Zyklotron immer beim gleichen Bahnradius.
Aus folgt, dass die Geschwindigkeit bei unveränderter magnetischer Flussdichte und unverändertem Austrittsradius unabhängig von der Beschleunigungsspannung ist.
Der Titel „Heilende Strahlung der Ionen“ ist fachlich ungenau und irreführend. Die Ionenstrahlung heilt das Krebsgewebe nicht. Die Ionen geben Energie an das Gewebe ab und schädigen beziehungsweise zerstören dadurch vor allem die Krebszellen. Auch gesundes Gewebe kann dadurch geschädigt werden, selbst wenn es durch die gezielte Energieabgabe der Ionen deutlich besser geschont wird.
Der Titel vermittelt eine sehr positive und beruhigende Wirkung. Das kann die Angst vor der neuen Therapieform nehmen, wodurch mehr Menschen die neue Therapieform wählen könnten. Bei Leserinnen und Lesern kann dadurch jedoch auch der Eindruck entstehen, die Strahlung sei ungefährlich und führe sicher zu einer Heilung. Gleichzeitig ist der auffällige Titel geeignet, Aufmerksamkeit und Interesse für den Artikel zu wecken.