Vorschlag A2 — Röntgenstrahlung und die Drehkristallmethode
Vor über hundert Jahren hat Wilhelm C. Röntgen die nach ihm benannte Röntgenstrahlung entdeckt. Sie wird heute vielfältig in Wissenschaft, Technik und Medizin eingesetzt.
Röntgenröhren, in denen beschleunigte Elektronen auf eine Anode beispielsweise aus Kupfer oder Molybdän geschossen werden, dienen der Erzeugung von Röntgenstrahlung. Zur spektralen Untersuchung von Röntgenstrahlung wird im Folgenden die Drehkristallmethode verwendet, die unter anderem von den Physikern William L. Bragg und William H. Bragg entwickelt wurde.
Skizziere und beschrifte den Aufbau einer Röntgenröhre.
Beschreibe die Funktionen der angelegten Spannungen.
Eine Röntgenröhre wird mit einer Beschleunigungsspannung von betrieben.
Berechne unter der Annahme, dass alle Elektronen vor der Beschleunigung eine zu vernachlässigende Geschwindigkeit besitzen, mit einem nichtrelativistischen Ansatz die Geschwindigkeit mit der die Elektronen auf die Anode treffen.
Berechne das Ergebnis auch als prozentualen Anteil der Lichtgeschwindigkeit.
Material 1 zeigt ein idealisiertes Röntgenspektrum einer Kupferanode. Zur Beschreibung eines solchen Spektrums wird zwischen dem kontinuierlichen Anteil und dem charakteristischen Anteil der Röntgenstrahlung unterschieden.
Erläutere die Entstehung dieser beiden Strahlungsanteile und erkläre in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, die Anode zu kühlen.
Beschreibe den Einfluss des verwendeten Anodenmaterials und der Beschleunigungsspannung auf diese beiden Anteile der Strahlung.
Erläutere, welche Auswirkungen auf das Spektrum in Material 1 zu erwarten sind, wenn bei ansonsten gleichen Rahmenbedingungen die Heizspannung erhöht wird.
Das Röntgenspektrum einer Molybdänanode wird mit einem Kristall untersucht. Material 2 zeigt eine Skizze des dafür benötigten Versuchsaufbaus. Zum Nachweis der Röntgenstrahlung wird ein Zählrohr verwendet, das beim Drehen des Kristalls jeweils um den doppelten Glanzwinkel
weitergedreht wird. Der Netzebenenabstand beträgt
Die Bragg-Bedingung mit
stellt einen Zusammenhang zwischen der Wellenlänge
der Röntgenstrahlung, dem Netzebenenabstand
des verwendeten Kristalls und dem
Glanzwinkel her,
gibt die Ordnung des Interferenzmaximums an.
Leite unter Verwendung von Material 3 die Bragg-Bedingung her.
Material 4 zeigt das Röntgenspektrum einer Molybdänanode in zwei Darstellungen.
Ordne die sechs ausgeprägten Maxima (Peaks) in der unteren Darstellung jeweils der - oder
-Linie sowie der jeweiligen Ordnung zu.
Berechne unter Verwendung aller Maxima die Wellenlängen der - und der
-Linie von Molybdän.
Hinweis: Mit „- und
-Linie“ werden die Übergänge vom Energieniveau
auf das Energieniveau
bzw. vom Energieniveau
auf das Energieniveau
bezeichnet.
Zwischen der Grenzwellenlänge des Röntgenspektrums und der Beschleunigungsspannung
gilt der Zusammenhang
Leite diesen Zusammenhang her.
Material 5 stellt für verschiedene Beschleunigungsspannungen einen Ausschnitt des jeweiligen Röntgenspektrums einer Molybdänanode dar.
Zeichne, wie in Material 5 an einem Beispiel gezeigt, durch den steil ansteigenden Teil jeder Kurve jeweils eine Gerade, die den Verlauf näherungsweise beschreibt.
Bestimme mithilfe dieser Geraden die Grenzwellenlängen
Stelle unter Verwendung der Tabelle in Material 5 die Grenzwellenlängen in Abhängigkeit vom Kehrwert der Spannung
in einem Diagramm grafisch dar.
Ermittle aus diesem Diagramm mithilfe einer Ausgleichsgeraden durch den Ursprung einen Wert für das Planck'sche Wirkungsquantum und die prozentuale Abweichung dieses Werts vom Literaturwert.
Henry Moseley fand den folgenden Zusammenhang zwischen der Frequenz der -Linie und der Ordnungszahl
des zugehörigen Elements:
mit der Rydberg-Frequenz
Die dimensionslose Zahl wird Abschirmkonstante genannt. Die
-Linie von Kupfer
besitzt die Frequenz
Bestätige rechnerisch, dass die Abschirmkonstante für die
-Linie von Kupfer ungefähr den Wert
besitzt.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Idealisiertes Röntgenspektrum einer Kupferanode

Material 2: Schematischer Versuchsaufbau zur Aufnahme eines Röntgenspektrums

Material 3: Abbildung zur Herleitung der Bragg-Bedingung

Material 4: Röntgenspektrum einer Molybdänanode

Diagramm mit linearer Skalierung der vertikalen Achse

Diagramm in halblogarithmischer Darstellung zur Verdeutlichung der Maxima
Material 5: Röntgenspektren einer Molybdänanode bei verschiedenen Beschleunigungsspannungen (Ausschnitt)

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Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Skizzieren und Beschriften des Aufbaus einer Röntgenröhre

Beschreiben der Funktionen
Die angelegte Heizspannung bewirkt einen Stromfluss, welcher die Kathode zum Glühen bringt, wodurch Elektronen aus dem Material gelöst werden. Die aus der Kathode austretenden Elektronen werden anschließend durch das elektrische Feld der Beschleunigungsspannung in Richtung der Anode beschleunigt.
Unter der Annahme, dass die Elektronen vor der Beschleunigung eine zu vernachlässigende Geschwindigkeit besitzen, lässt sich die Endgeschwindigkeit über die Gleichsetzung von zugeführter elektrischer Energie und resultierender kinetischer Energie ermitteln:
Einsetzen der Beschleunigungsspannung liefert das folgende Ergebnis:
Um das Ergebnis als prozentualen Anteil der Lichtgeschwindigkeit darzustellen, wird die berechnete Geschwindigkeit
durch die Lichtgeschwindigkeit
dividiert:
Die Elektronen treffen somit mit einer Geschwindigkeit von etwa der Lichtgeschwindigkeit auf die Anode.
Entstehung der Strahlungsanteile und Notwendigkeit der Kühlung
-
Kontinuierlicher Anteil (Bremsstrahlung): Treffen die schnellen Elektronen auf die Anode, werden diese durch die Wechselwirkung mit dem Anodenmaterial stark abgebremst. Dabei findet eine Umwandlung ihrer kinetischen Energie in verschiedene andere Energieformen statt. Bei der Umwandlung in Strahlung entsteht ein kontinuierliches elektromagnetisches Strahlungsspektrum. Dieses reicht bis zu einer maximalen Energie der Strahlung (und damit bis zu einer minimalen Wellenlänge), die genau dann erreicht wird, wenn eine vollständige Umwandlung der kinetischen Energie eines Elektrons in elektromagnetische Strahlung stattfindet. Ein sehr großer Teil der kinetischen Energie der Elektronen wird jedoch als Wärmeenergie an die Anode abgegeben, weshalb diese zwingend gekühlt werden muss, um eine Überhitzung zu vermeiden.
-
Charakteristischer Anteil: Die in die Anode eindringenden energiereichen Elektronen sind in der Lage, aus den Atomen des Anodenmaterials auch innere Elektronen herauszulösen. In die entstandenen Lücken in den inneren Schalen „fallen“ anschließend Elektronen aus einem höheren Energieniveau. Bei diesem Vorgang wird die Energiedifferenz der beiden beteiligten Energieniveaus in Form von charakteristischer elektromagnetischer Strahlung mit ganz bestimmten Wellenlängen ausgesendet.
Einfluss des Anodenmaterials und der Beschleunigungsspannung
-
Jedes Anodenmaterial besitzt andere Energieniveaus. Daraus folgt: Wenn das verwendete Anodenmaterial verändert wird, so verändern sich auch die Wellenlängen des charakteristischen Spektrums. Das kontinuierliche Spektrum bleibt von dieser Maßnahme weitgehend unverändert.
-
Wird die angelegte Beschleunigungsspannung verändert, so ändert sich dadurch die minimale Wellenlänge (und somit die Maximalenergie) des kontinuierlichen Spektrums. Das charakteristische Spektrum bleibt dabei jedoch vollkommen unverändert.
Durch eine Erhöhung der angelegten Heizspannung erhöht sich die Temperatur der Glühkathode, wodurch mehr Elektronen aus dem Material herausgelöst werden. Dadurch treffen bei ansonsten gleichbleibenden Rahmenbedingungen mehr Elektronen pro Sekunde auf die Anode.
Im Spektrum führt dies dazu, dass für alle Wellenlängen eine insgesamt höhere Intensität der Röntgenstrahlung zu erwarten ist. Die Lage der minimalen Wellenlänge sowie die Positionen der charakteristischen Linien verändern sich hierbei nicht.
Für das Zustandekommen konstruktiver Interferenz ist es notwendig, dass der Gangunterschied der reflektierten Röntgenstrahlen ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge
ist.
Es gilt also mit

Unter Verwendung der geometrischen Zusammenhänge aus Material 3 bzw. obiger Abbildung ergibt sich für die ein- und auslaufende Welle an den Netzebenen des Kristalls ein Gangunterschied, der sich aus zwei symmetrischen Teilstrecken zusammensetzt. Über die trigonometrische Beziehung im rechtwinkligen Dreieck lässt sich dieser formulieren als:
Gleichsetzen der beiden Ausdrücke für den Gangunterschied liefert schließlich die Bragg-Bedingung:
Zuordnen der Maxima
In der unteren Darstellung in Material 4 lassen sich von links nach rechts Maximapaare bis zur dritten Ordnung identifizieren. Innerhalb eines solchen Paares wird der Strahlungsanteil mit der kleineren Wellenlänge (und somit der höheren Energie) unter einem kleineren Glanzwinkel konstruktiv interferieren. Folglich ist dem jeweils kleineren Winkel die -Linie und dem größeren Winkel die
-Linie zuzuordnen.
Berechnen der Wellenlängen
Aus dem Diagramm in Material 4 ergeben sich für die jeweiligen Ordnungen die folgenden ungefähren Glanzwinkel:
-
und
-
und
-
und
Berechnung:
Durch Umstellen der Bragg-Bedingung nach der Wellenlänge lässt sich diese berechnen:
Mit dem gegebenen Netzebenenabstand folgt als beispielhafte Rechnung für das erste Maximum der
-Linie (
):
Für alle anderen abgelesenen Winkel ergeben sich analog die folgenden Werte:
-
Ordnung
und
-
Ordnung
und
-
Ordnung
und
Abschließend werden mit den ermittelten Wellenlängen die beiden Mittelwerte gebildet:
-
Mittelwert für die
-Linie:
-
Mittelwert für die
-Linie:
Ein Elektron kann beim Abbremsen in der Anode maximal die gesamte kinetische Energie, die es nach dem Durchlaufen der Beschleunigungsspannung erhalten hat, in Form eines einzigen Photons abgeben. Daraus folgt für die maximale Frequenz
beziehungsweise die minimale Wellenlänge
der abgestrahlten Röntgenstrahlung:
Dies entspricht dem gesuchten Zusammenhang.
Einzeichnen der Geraden und Bestimmen der Grenzwellenlängen

Der Schnittpunkt dieser Geraden mit der -Achse liefert jeweils den Wert für die minimale Wellenlänge
Für die verschiedenen Beschleunigungsspannungen
ergeben sich daraus die folgenden Werte:
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Spannung |
Wellenlänge |
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Darstellen der Grenzwellenlängen in einem Diagramm

Ermitteln eines Wert für das Planck'sche Wirkungsquantum
Der theoretische Zusammenhang entspricht einer Ursprungsgeraden mit der Steigung
Aus der eingezeichneten Ausgleichsgeraden lässt sich die Steigung mithilfe eines Steigungsdreiecks ermitteln (hier exemplarisch an abgelesenen Werten):
Durch Umstellen der Gleichung nach
lässt sich der experimentelle Wert
berechnen:
Abschließend wird dieser Wert ins Verhältnis zum bekannten Literaturwert gesetzt:
Die prozentuale Abweichung des experimentell bestimmten Werts vom Literaturwert beträgt somit etwa
Um den Wert der Abschirmkonstante zu überprüfen, wird das Moseley'sche Gesetz nach dem Term
umgestellt:
Anschließend werden die gegebenen Werte für die Frequenz der -Linie (
) und die Rydberg-Frequenz (
) in die Gleichung eingesetzt:
Da Kupfer die Ordnungszahl besitzt, lässt sich dieser Wert in die hergeleitete Differenz einsetzen:
Daraus folgt direkt der gesuchte Wert für die Abschirmkonstante und es ist rechnerisch bestätigt, dass die Abschirmkonstante für die
-Linie von Kupfer ungefähr den Wert
besitzt.