Vorschlag A2 — Elektromagnetischer Schwingkreis und Radargeräte
Radargeräte werden zur Positions- und Geschwindigkeitsbestimmung von Objekten genutzt. Sie senden elektromagnetische Wellen aus, welche auch Radarwellen genannt werden.
Ursprung einer Radarwelle ist eine elektromagnetische Schwingung. Elektromagnetische Schwingungen können am Beispiel des Schwingkreises (Material 1) genauer untersucht werden. Die Schwingung im Schwingkreis soll stets als ungedämpft angesehen werden.
Zum Zeitpunkt ist der Kondensator eines Schwingkreises mit der Schwingungsdauer
vollständig geladen. Beschreibe für den Zeitraum einer Viertelschwingungsdauer den zeitlichen Verlauf der Größen Stromstärke
Spannung
am Kondensator, magnetische Flussdichte
(*) in der Spule und elektrische Feldstärke
im Kondensator.
(*) Die magnetische Flussdichte wird in manchen Lehrbüchern auch als magnetische Feldstärke bezeichnet
Die Spannung am vollständig geladenen Kondensator beträgt Die Kapazität des Kondensators beträgt
und die Induktivität der Spule
Berechne die Frequenz und bestimme die Amplitude der Stromstärke
der Schwingung.
Erkläre die Rechenschritte (i) bis (iii) in Material 2, welche auf die Differenzialgleichung eines ungedämpften Schwingkreises führen.
Zeige, dass unter der Bedingung
eine Lösung für die Differenzialgleichung in Material 2 darstellt.
Im Straßenverkehr können Radargeräte verwendet werden, die Radarwellen mit einer Frequenz von aussenden. Diese können mit Schwingkreisen erzeugt werden, welche mit der Frequenz
schwingen.
Berechne für einen Schwingkreis mit dieser Frequenz das Produkt Bestätige, dass das Ergebnis in der Größenordnung
liegt.
Um mit Radarwellen die Geschwindigkeit eines Objekts zu bestimmen, wird der Dopplereffekt genutzt. Für elektromagnetische Wellen wird die Frequenz der empfangenen Radarwelle mit der Formel
berechnet.
Dabei ist die Relativgeschwindigkeit zwischen Sender und Empfänger,
die Lichtgeschwindigkeit und
bzw.
die Frequenz der empfangenen bzw. ausgesendeten Radarwelle. Wenn sich Sender und Empfänger annähern, ist
positiv, ansonsten negativ.
Ein Radargerät sendet Radarwellen mit in Richtung eines bewegten Fahrzeugs aus. Zunächst kann dieses Fahrzeug als Empfänger der Radarwelle betrachtet werden. Die ankommende Welle hat am Ort des Fahrzeugs somit aufgrund des Dopplereffekts die Frequenz
Das Fahrzeug reflektiert nun diese Radarwelle, es wird selbst zum Sender. Auch diese am Fahrzeug reflektierte Welle wird dann wieder durch den Dopplereffekt verändert und vom Sensor des Radargeräts wird eine Radarwelle mit der Frequenz
detektiert.
Begründe mithilfe der gegebenen Gleichung für den Dopplereffekt, dass die vom Sensor des Radargeräts empfangene Frequenz
beträgt.
Die vom Radargerät detektierte Radarwelle mit Frequenz wird im Radargerät mit einer Welle der ursprünglichen Frequenz
überlagert. Dabei entsteht eine Schwebung mit der Schwebungsfrequenz
Erläutere, was unter einer Schwebung verstanden wird.
Bestätige mithilfe der Gleichung aus Aufgabe 2.1, dass für die Schwebungsfrequenz
gilt.
In der Radartechnik wird anstelle der Formel aus Aufgabe 2.2 die Näherungsformel
verwendet. Dabei ist die Wellenlänge der vom Radargerät ausgesendeten Radarwelle.
Begründe, dass für Geschwindigkeiten, wie sie im Straßenverkehr auftreten, diese Formel eine plausible Näherung darstellt.
Berechne mit dieser Näherungsformel den Betrag der Relativgeschwindigkeit des Fahrzeugs, wenn
beträgt.
Viele moderne Fahrzeuge verfügen über Radargeräte, um durch Geschwindigkeitsanpassungen den nötigen Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu halten. Dazu ist es notwendig, kontinuierlich den Abstand und die Relativgeschwindigkeit zum vorausfahrenden Fahrzeug zu bestimmen. In der Praxis kann hier ein frequenzmoduliertes Dauerstrichradar Verwendung finden. Dabei wird ein Signal mit linear an- und absteigender Frequenz ausgesendet und vom vorausfahrenden Auto reflektiert. Das reflektierte Signal kommt zeitlich und durch den Dopplereffekt um den Betrag verschoben bei dem hinterherfahrenden Auto an. Hieraus kann mit der Formel
bei bekannter Wellenlänge
des Senders der Betrag der Relativgeschwindigkeit
zwischen den beiden Fahrzeugen bestimmt werden. Material 3 zeigt ein mögliches Zeit-Frequenz-Diagramm für das gesendete und reflektierte Signal.
Bestimme mithilfe von Material 3 den Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen.
Bestimme mithilfe von Material 3 die Relativgeschwindigkeit zwischen den beiden Fahrzeugen und prüfe, ob sich die Fahrzeuge annähern oder voneinander entfernen.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Schwingkreis mit Kapazität C und Induktivität L

Material 2: Herleitung der Differenzialgleichung für den ungedämpften Schwingkreis
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(i) |
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(ii) |
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(iii) |
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Material 3: Zeit-Frequenz-Diagramm des Signals eines frequenzmodulierten Dauerstrichradars

Die Differenz der Frequenzen von Sendesignal und reflektiertem Signal ist von der Frequenz des Sendesignals abhängig und variiert somit mit
Ihre Werte sind klein gegenüber
Zur besseren Sichtbarkeit ist diese Differenz hier bei maximaler Frequenz des Sendesignals nicht maßstabsgerecht eingezeichnet.
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Zu Beginn des Beobachtungszeitraums (
) ist die gesamte Energie des Systems im elektrischen Feld des Kondensators gespeichert. Da der Kondensator vollständig geladen ist, erreichen die elektrische Feldstärke
sowie die Spannung
ihren Maximalwert, während die Stromstärke
im Stromkreis und somit auch die magnetische Flussdichte
noch null sind.
-
Im darauffolgenden Intervall (
) setzt der Entladevorgang ein, die Spannung und die elektrische Feldstärke nehmen ab. Parallel dazu baut sich in der Spule durch den ansteigenden Stromfluss ein Magnetfeld auf, sodass die Stromstärke
und die magnetische Flussdichte
zunehmen. Dadurch wird die elektrische Energie immer mehr in magnetische Energie umgewandelt.
-
Nach einem Viertel der Schwingungsdauer (
) ist der Kondensator vollständig entladen, die elektrische Feldstärke
und die Spannung
sind null, während die Stromstärke
und die magnetische Flussdichte
maximal sind. Die gesamte Energie des Systems ist im Magnetfeld der Spule gespeichert.
Berechnung der Frequenz
Die Eigenfrequenz des idealen
Schwingkreises wird mithilfe der Thomson-Gleichung ermittelt:
Einsetzen der angegebenen Werte:
Bestimmung der maximalen Stromstärke
Die maximale Stromstärke lässt sich über den Energieerhaltungssatz herleiten. Die maximale elektrische Energie im Kondensator
entspricht der maximalen magnetischen Energie in der Spule
Das kann nach der maximalen Stromstärke aufgelöst werden:
Einsetzen der angegebenen Werte:
|
Schritt (i) |
Hier kommt die Maschenregel (Kirchhoff´sche Regel) zur Anwendung. Die Summe aller Teilspannungen in einer geschlossenen Leiterschleife ist null. Somit kompensieren sich die Kondensatorspannung |
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Schritt (ii) |
Für die Spannung am Kondensator gilt Durch das Einsetzen dieser Zusammenhänge in Gleichung (i) ergibt sich Gleichung (ii). |
|
Schritt (iii) |
Es gilt |
Die Gültigkeit des angegebenen Lösungsansatzes ist gegeben, wenn sich nach Einsetzen dieses Lösungsansatzes in die Differenzialgleichung (DGL) und Auflösen nach die angegebene Bedingung
ergibt.
Um den Lösungsansatz in die DGL einsetzen zu können, wird zuerst die zweite Ableitung der Stromstärke nach der Zeit benötigt:
kann jetzt in die DGL eingesetzt werden:
Diese Gleichung soll unabhängig von der Zeit sein.
gilt jedoch nicht für alle
somit muss der Term in der Klammer bereits
sein:
Der angegebene Lösungsansatz ist also genau dann eine korrekte Lösung der Differenzialgleichung, wenn für die Kreisfrequenz gilt. Das entspricht genau der in der Aufgabe angegebenen Bedingung.
Anmerkung:
Da die Bedingung in der Aufgabenstellung angegeben ist, kann diese auch direkt in
eingesetzt werden:
Diese Gleichung ist wahr, wodurch der Lösungsansatz mit der Bedingung stimmen muss.
Gemäß der Thomson-Gleichung gilt für einen idealen Schwingkreis
Umformen der Gleichung nach dem gesuchten Produkt und Einsetzen der gegebenen Werte liefert:
Das Produkt liegt somit in der Größenordnung
Erster Schritt (Hinweg): Das Radargerät sendet eine Welle mit der Frequenz aus. Das Auto bewegt sich mit der relativen Geschwindigkeit
zum Sender und fungiert zunächst als bewegter Empfänger. Dadurch wird die ankommende Welle aus der Sicht des Autos (Empfänger) dopplerverschoben. Die Frequenz
die am Auto ankommt, berechnet sich gemäß der in der Aufgabenstellung angegebenen Formel wie folgt:
Dabei ist die Frequenz des Senders und
die Frequenz der Welle am Auto.
Zweiter Schritt (Rückweg): Das Auto reflektiert die Welle und wirkt dadurch selbst wie ein bewegter Sender. Die bereits verschobene Frequenz wird auf dem Weg zurück zum Sensor somit erneut dopplerverschoben. Für die Frequenz am Sensor
ergibt sich:
Hier lässt sich der Term für einsetzen:
Das entspricht der in der Aufgabenstellung angegebenen Formel.
Erläuterung des Phänomens der Schwebung
Als Schwebung wird die Superposition (Überlagerung) zweier Wellen am selben Ort mit nahezu gleicher Frequenz definiert. Da die Frequenzen der beiden Wellen fast identisch sind, verschiebt sich ihre Phasendifferenz über die Zeit hinweg nur sehr langsam. Somit ändert sich die Amplitude der resultierenden Welle (resultierende Amplitude), die nach dem Superpositionsprinzip durch das Addieren der Amplituden der einzelnen Wellen entsteht, auch nur sehr langsam. Die resultierende Amplitude erreicht ihren Maximalbetrag, wenn die Phasendifferenz null ist, es kommt zu konstruktiver Interferenz. Ihren Minimalbetrag erreicht sie, wenn die Phasendifferenz ist (schwingen in Gegenphase), es kommt zu destruktiver Interferenz.
Die resultierende Amplitude schwillt somit periodisch an und ab. Die Frequenz dieses An- und Abschwellens wird als Schwebungsfrequenz bezeichnet. Wie sich an der angegebenen Formel
erkennen lässt, gilt: Umso größer die Differenz der sich überlagernden Wellen, desto höher die Frequenz der Schwebefrequenz
Bestätigung der Formel für die Schwebungsfrequenz:
Die in Teilaufgabe 2.1 angegebene Formel für die Frequenz am Sensor lässt sich in die Formel für die Schwebungsfrequenz
einsetzen und umformen:
Das entspricht der gesuchten Gleichung.
Begründung der Näherung für den Straßenverkehr
Die exakte Formel für die Schwebungsfrequenz lautet:
Im Straßenverkehr sind die möglichen Relativgeschwindigkeiten verschwindend gering im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit
(
). Somit ist der Quotient
nahezu eins, es macht also nur einen verschwindend geringen relativen Fehler, ob im Nenner der Formel für die Schwebungsfrequenz
ein
oder ein
eingesetzt wird. Unter Verwendung der Beziehung
ergibt sich somit:
Das entspricht der gesuchten Näherungsformel für die Schwebungsfrequenz im Straßenverkehr.
Berechnung der relativen Geschwindigkeit
Zuerst muss die Näherungsformel nach der gesuchten Geschwindigkeit umgestellt werden:
Für gilt
Daraus folgt:
In diese Formel können nun die angegebenen Werte eingesetzt werden:
Somit beträgt die Relativgeschwindigkeit des Fahrzeugs
oder
Das Radarsignal benötigt Zeit, um zum vorausfahrenden Fahrzeug zu gelangen und zurückzukehren. Diese Signallaufzeit äußert sich im Zeit-Frequenz-Diagramm (Material 3) als horizontaler Versatz zwischen der durchgezogenen Sendelinie und der gestrichelten Empfangslinie. Somit ergibt sich für den Abstand
zwischen den beiden Fahrzeugen:
Der horizontale Versatz (Sendelaufzeit) entspricht in etwa Das lässt sich zusammen mit den anderen Werten einsetzen:
Der Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen beträgt somit
Bestimmung des Betrags der Relativgeschwindigkeit
In der Aufgabenstellung ist die Formel angegeben. Das lässt sich nach
umstellen und für
kann die Beziehung
eingesetzt werden. Somit ergibt sich:
ist hierbei die Frequenzverschiebung zwischen dem gesendeten und dem reflektierten Signal und kann im Diagramm aus Material 3 als vertikale Verschiebung abgelesen werden. In Material 3 ist dafür
angegeben. Das kann zusammen mit den anderen Werten eingesetzt werden:
Die Relativgeschwindigkeit der Fahrzeuge beträgt somit oder etwa
Annäherung oder Entfernung?
Ob sich die Fahrzeuge annähern oder entfernen, lässt sich am Vorzeichen der Frequenzänderung erkennen. Das reflektierte Signal besitzt eine kleinere Frequenz als das Sendesignal, das Vorzeichen ist also negativ. Das entspricht dem Doppler-Effekt bei Entfernung, somit entfernen sich die Fahrzeuge voneinander.