Vorschlag B — Der Hall-Effekt: Materialeigenschaften und Drehwinkelmessung
Der Hall-Effekt erlaubt neben der Vermessung von Magnetfeldern auch die Untersuchung mikroskopischer Materialeigenschaften wie der Beweglichkeit von Ladungsträgern in Leitern. Eine weitere praktische Anwendung des Hall-Effekts ist die Messung von Drehwinkeln.
Zwischen den beiden in Material 1 grau markierten Stirnseiten eines quaderförmigen Metallplättchens mit dem Widerstand wird eine konstante Spannung
angelegt. Das Plättchen wird von einem homogenen Magnetfeld der Flussdichte (*)
senkrecht durchsetzt. Zwischen den Kontakten an der oberen und unteren Seitenfläche wird die Hall-Spannung
gemessen. Das Plättchen wird gekühlt, um seinen Widerstand konstant zu halten.
(*) Die magnetische Flussdichte wird in manchen Lehrbüchern auch als magnetische Feldstärke bezeichnet
Beschreibe anhand von Material 1 die Vorgänge, die zur Entstehung einer konstanten Hall-Spannung führen.
Zeichne die bei konstanter Hall-Spannung auf das Elektron wirkenden Kräfte als Pfeile und die Polung der Hall-Spannung in Material 1 ein.
Im Folgenden werden die Driftgeschwindigkeit und die Dichte
der Leitungselektronen untersucht.
Leite die Formel für die Driftgeschwindigkeit her.
Wird die Anzahl der Leitungselektronen durch das Volumen dividiert, ergibt sich die Dichte der Leitungselektronen. In Material 2 wird die Formel
hergeleitet.
Erläutere die einzelnen Schritte und physikalischen Überlegungen der Herleitung.
Um die Abhängigkeit der Hall-Spannung von der Spannung
zu untersuchen, wurde die Messreihe in Material 3 aufgenommen und bereits teilweise ausgewertet.
ist die Stärke des als homogen anzunehmenden elektrischen Felds, das aufgrund der Spannung
zwischen den in Material 4 grau markierten Stirnseiten des Metallplättchens entsteht.
Berechne die fehlenden Werte in Material 3 unter Verwendung der Versuchsdaten in Material 4.
Gib anhand von Material 3 an, wie die Dichte der Leitungselektronen von der Feldstärke
abhängt.
[zur Kontrolle:
]
Stelle die Driftgeschwindigkeit als Funktion der Feldstärke
grafisch dar.
Begründe anhand deiner Darstellung, dass zwischen den beiden Größen ein proportionaler Zusammenhang besteht.
Der Proportionalitätsfaktor wird Ladungsträgerbeweglichkeit genannt.
Bestimme die Ladungsträgerbeweglichkeit für das verwendete Plättchen unter Einbeziehung aller Messwerte.
Zwei identische Hall-Sonden und
sind im rechten Winkel zueinander auf eine drehbare Scheibe montiert (Material 5). Die Anordnung befindet sich in einem homogenen Magnetfeld. Wird die Hall-Spannung an beiden Sonden gemessen, so kann der Drehwinkel
der Scheibe bestimmt werden.
Material 6 zeigt die Hall-Spannung an der Sonde
als Funktion des Drehwinkels
Begründe, dass der Betrag der Hall-Spannung für maximal und für
gleich null ist.
Skizziere in Material 6 den Verlauf der an der Hall-Sonde gemessenen Hall-Spannung
und erläutere deine Skizze.
Begründe, dass die zweite Sonde notwendig ist, um den Drehwinkel
im Bereich von
(
) eindeutig bestimmen zu können.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Metallplättchen im Magnetfeld

bezeichnet ein Elektron.
Material 2: Herleitung der Formel für die Dichte 
der Leitungselektronen
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Material 3: Messreihe zur Abhängigkeit der Hall-Spannung 
von der Spannung 
mit teilweiser Auswertung
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1. Messung |
2. Messung |
3. Messung |
4. Messung |
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In den Bezeichnungen der Aufgabe 1.3 wird die Nummer der Messung als Index verwendet, damit ergibt sich z.B.
Material 4: Metallplättchen im Magnetfeld mit elektrischem Feld 


Versuchsdaten:
Material 5: Anordnung zur Messung des Drehwinkels 
mit zwei Hall-Sonden

Die Hall-Spannung wird jeweils zwischen denjenigen Seitenflächen der gezeigten Hall-Sonden und
gemessen, die ober- und unterhalb der Zeichenebene liegen. Die jeweilige Mitte der Hall-Sonden soll sich in der Zeichenebene befinden, die Hall-Sonden sind parallel zur Zeichenebene ausgerichtet.
Material 6: Hall-Spannung 
an der Sonde 
als Funktion des Drehwinkels 


Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Beschreiben der Vorgänge, die zur Entstehung einer konstanten Hall-Spannung führen
Wegen der angelegten Spannung fließt ein elektrischer Strom durch das Metallplättchen. Aufgrund ihrer Bewegung senkrecht zu den Magnetfeldlinien erfahren die Leitungselektronen im Magnetfeld eine Lorentzkraft, die sie zur unteren Seitenfläche des Plättchens ablenkt. Dadurch entsteht an der unteren Seitenfläche ein Elektronenüberschuss und an der oberen Seitenfläche ein Elektronenmangel.
Diese Ladungsverschiebung erzeugt im Plättchen ein elektrisches Feld, sodass auf die Elektronen eine elektrische Kraft entgegengesetzt zur Lorentzkraft wirkt. Die Ladungstrennung erreicht einen Gleichgewichtszustand, wenn die Beträge der elektrischen Kraft und der Lorentzkraft gleich groß sind. In diesem Moment bleibt auch die messbare Hall-Spannung konstant.
Einzeichnen in das Material

Im beschriebenen Gleichgewichtszustand sind die Beträge der Lorentzkraft und der elektrische Kraft identisch (). Mit den Formeln
und
ergibt sich somit:
Die einzelnen Schritte der Herleitung aus Material 2 lassen sich wie folgt begründen:
-
Schritt (1): Die Dichte
der Leitungselektronen ist definiert als ihre Anzahl
pro Volumen
-
Schritt (2): Die Anzahl der Leitungselektronen
lässt sich berechnen, indem die Gesamtladung
der Leitungselektronen durch die Elementarladung
dividiert wird. Dadurch wird
in der Formel ersetzt.
-
Schritt (3): Die Gesamtladung
die in der Zeit
durch das Metallplättchen fließt, entspricht dem Produkt aus der Stromstärke
und der Zeit
-
Schritt (4): Gemäß dem Ohmschen Gesetz wird die Stromstärke
durch den Quotienten
ersetzt.
-
Schritt (5): Das Volumen
des quaderförmigen Plättchens ergibt sich aus dem Produkt seiner drei Kantenlängen
und
-
Schritt (6): Durch eine Termumformung wird die Variable
in den Nenner des Gesamtbruchs gebracht.
-
Schritt (7): Der resultierende Quotient
entspricht der Driftgeschwindigkeit
der Elektronen, wodurch die finale Formel entsteht.
Berechnung der fehlenden Werte
Feldstärke für die 1. Messung:
Berechnung der Elektronendichte für die 2. Messung:
Berechnung der Driftgeschwindigkeit für die 3. Messung:
Angeben der Abhängigkeit
Anhand der Tabelle in Material 3 ist ersichtlich, dass die Elektronendichte unabhängig von der angelegten Spannung nahezu konstant bleibt. Folglich hängt die Dichte
der Leitungselektronen nicht von der elektrischen Feldstärke
ab.
Graphisch Darstellen

Begründen des proportionalen Zusammenhangs
Durch die Messwerte lässt sich eine Ausgleichsgerade legen, die durch den Ursprung geht, auf der die Messwerte in guter Näherung liegen. Daraus folgt, dass zwischen der Driftgeschwindigkeit und der elektrischen Feldstärke ein proportionaler Zusammenhang besteht.
Bestimmen der Ladungsträgerbeweglichkeit
Die Ladungsträgerbeweglichkeit entspricht dem Proportionalitätsfaktor, also der Steigung dieser Ausgleichsgeraden. Durch das Ablesen geeigneter Punkte für ein Steigungsdreieck (beispielsweise bei
und
) ergibt sich folgender Wert:
Bei einem Drehwinkel von verlaufen die Magnetfeldlinien exakt orthogonal zur Bewegungsrichtung der Elektronen durch die erste Hall-Sonde
In dieser Ausrichtung erreicht die auf die Elektronen wirkende Lorentzkraft ihr Maximum, wodurch folglich auch der Betrag der gemessenen Hall-Spannung
maximal wird.
Beträgt der Drehwinkel hingegen verlaufen die Magnetfeldlinien parallel zur Bewegungsrichtung der Elektronen durch die Sonde
In diesem Fall wirkt überhaupt keine Lorentzkraft auf die Elektronen, weshalb der Betrag der Hall-Spannung auf null sinkt.
Skizzieren der Hall Spannung in Material 6

Erläutern der Skizze
Der Verlauf der Hall-Spannung an der zweiten Sonde
entspricht dem Verlauf der Spannung an der ersten Sonde
ist jedoch im Graphen um
nach links verschoben. Diese Verschiebung entsteht, weil die Ausrichtung relativ zu den Magnetfeldlinien an der Sonde
genau derjenigen an der Sonde
bei einem um
zurückgedrehten Zustand der Scheibe entspricht.
Begründung der Notwendigkeit der zweiten Sonde:
Betrachtet wird der Bereich mit Ausnahme von
In diesem Intervall tritt jeder gemessene Wert der Hall-Spannung an einer einzelnen Sonde bei genau zwei verschiedenen Winkeln auf. Dadurch ist eine eindeutige Zuordnung des exakten Drehwinkels anhand nur einer einzigen Spannung nicht möglich. Die zweite Hall-Sonde
löst dieses Problem: Da sich die zugehörigen Spannungswerte an der zweiten Sonde für die beiden fraglichen Winkel stets voneinander unterscheiden, lässt sich der Drehwinkel
durch die Kombination beider Messwerte jederzeit eindeutig bestimmen.