Vorschlag D — Vom klassischen Atommodell zur Quantenmechanik: Bohr’sche Postulate, Potenzialtopf und Wellenfunktionen
1913 entwickelte Niels Bohr das Atommodell von Ernest Rutherford weiter, indem er es um Postulate ergänzte.
Nenne die Bohr’schen Postulate und erläutere, welche Beobachtung mit dem Atommodell von Bohr erklärt werden konnte.
Bohr stellte für das Wasserstoffatom die Bedingung auf.
Die Geschwindigkeit eines Elektrons auf der innersten Bohr’schen Bahn ist
Berechne den Radius der ersten Bohr’schen Bahn und die De-Broglie-Wellenlänge
eines Elektrons mit dem entsprechenden Impuls.
Obwohl das Bohr’sche Atommodell den Wellencharakter der Elektronen nicht berücksichtigt, beträgt der Umfang der -ten Bohr’schen Bahn genau
De-Broglie-Wellenlängen, sodass sich stehende Wellen ausbilden können. Dies ist in Material 1 veranschaulicht.
Zeige die Gültigkeit dieses Zusammenhangs.
Ein einfaches quantenmechanisches Modell für ein gebundenes Elektron ist der eindimensionale Potenzialtopf mit unendlich hohen Wänden und potenzieller Energie im Topf
Beschreibe den Verlauf der potenziellen Energie innerhalb und außerhalb eines solchen Potenzialtopfs. Beschreibe zwei wesentliche Eigenschaften des Elektrons in diesem Modell, die aus diesem Potenzialverlauf resultieren.
Wie im Bohr’schen Atommodell können auch im Potenzialtopfmodell die diskreten Energiezustände mit der Analogie zu stehenden Wellen berechnet werden, indem davon ausgegangen wird, dass im Innern des Potenzialtopfs der Länge stehende Wellen wie bei einer an ihren Enden fest eingespannten Saite auftreten.
Skizziere in Material 2 die Wellenfunktionen mit den Quantenzahlen
und
und zeige, dass für die Wellenlängen
im Zustand mit der Quantenzahl
gilt:
Zeige unter Verwendung des Zusammenhangs aus Aufgabe 3.2.1, dass nur die diskreten Werte
der kinetischen Energien möglich sind.
Berechne die Breite eines Potenzialtopfs, bei dem die kinetische Energie
des Grundzustands mit derjenigen eines Elektrons auf der ersten Bohr’schen Bahn
übereinstimmt.
Vergleiche diese Breite mit dem Durchmesser eines Atoms.
In der Quantenmechanik werden Quantenobjekten, wie den Elektronen im Atom, nicht nur Wellenlängen zugeordnet, vielmehr werden sie durch eine Wellenfunktion beschrieben.
Die Funktionen
sind Wellenfunktionen der Elektronen im -ten Energieniveau eines Potenzialtopfs mit unendlich hohen Wänden der Breite
Für die Wellenfunktionen gilt:
Erkläre die physikalische Bedeutung dieser Bedingung.
Erwin Schrödinger hat, basierend auf der klassischen Wellengleichung und dem Energieerhaltungssatz, die grundlegende Differenzialgleichung zur Bestimmung der Wellenfunktion eines Systems aufgestellt. Die zeitunabhängige, eindimensionale Schrödinger-Gleichung für das Innere des Potenzialtopfs lautet
Zeige, dass die Funktionen Lösungen der Schrödinger-Gleichung für diesen Bereich sind, wenn die Energien
durch die Gleichung aus Aufgabe 3.2.2 vorgegeben sind.
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Material 2: Koordinatensysteme zum Skizzieren der Wellenfunktionen



Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Nennen der Bohr'schen Postulate
-
1. Postulat (Diskrete Energiestufen, Quantenbedingung): Die Energie des Atoms kann nur diskrete Werte
annehmen. Der Umlauf der Elektronen erfolgt nur auf bestimmten diskreten Bahnen. Auf diesen Bahnen strahlen die Elektronen keine Energie ab.
-
2. Postulat (Lichtemission und -absorption): Beim Übergang der Elektronen zwischen zwei Energiestufen wird Energie in Form von elektromagnetischer Strahlung emittiert oder absorbiert. Die Frequenz dieser ausgesandten Strahlung ergibt sich aus der Energiedifferenz zwischen dem Ausgangs- und dem Endzustand.
mit
und
)
Erläuterung der durch das Modell erklärten Beobachtung
Mithilfe des Bohr'schen Atommodells ließ sich erstmals die experimentelle Beobachtung erklären, dass Atome charakteristische Spektren mit diskreten Spektrallinien besitzen.
In einem klassischen Modell, das sich am Planetenmodell orientiert, wären prinzipiell alle möglichen Bahnen für die Elektronen um den Kern erlaubt. Wäre dies der Fall, würden Atome elektromagnetische Strahlung in allen erdenklichen Frequenzen emittieren. Die von Bohr eingeführten Postulate schränken die erlaubten Zustände ein und verhindern dies. Dadurch wird das theoretische Atommodell an die tatsächlich beobachteten experimentellen Ergebnisse angepasst.
Alternativ lässt sich durch das Modell auch das Problem der Stabilität von Atomen klären. Nach der klassischen Physik würden kreisende Elektronen durch eine dauerhafte Energieabgabe stetig an Energie verlieren und letztlich in den Atomkern stürzen. Die Annahme der strahlungsfreien Bahnen erklärt, weshalb Atome stabil bleiben.
Berechnung des Radius der ersten Bohr'schen Bahn
Zunächst wird die gegebene Bedingung nach dem Radius umgestellt, damit ergibt sich für den Radius der ersten Bahn (
):
Das Einsetzen der gegebenen Geschwindigkeit liefert den gesuchten Radius:
Berechnung der De-Broglie-Wellenlänge
Die zugehörige De-Broglie-Wellenlänge berechnet sich über den Impuls
des Elektrons:
Das Einsetzen der entsprechenden Werte ergibt:
Der Umfang der
-ten Bohr'schen Kreisbahn ist allgemein durch die geometrische Formel für den Kreisumfang gegeben:
Für den Radius gilt aus Teilaufgabe 2.1:
Wird dieser Ausdruck für nun in die anfängliche Formel für den Kreisumfang eingesetzt, ergibt sich:
Da das Produkt aus der Masse und der Geschwindigkeit
exakt dem Impuls
des Elektrons entspricht und der Quotient
der De-Broglie-Wellenlänge
entspricht, lässt sich die Gleichung abschließend zusammenfassen:
Damit ist mathematisch nachgewiesen, dass der Umfang der Kreisbahn exakt einem ganzzahligen Vielfachen der zugehörigen De-Broglie-Wellenlänge entspricht, wodurch die Bedingung für die Ausbildung einer stehenden Welle erfüllt ist.
Im Modell des eindimensionalen Potenzialtopfs mit unendlich hohen Wänden lässt sich der Verlauf der potenziellen Energie wie folgt beschreiben:
-
Innerhalb des Potenzialtopfs (zwischen
und
) beträgt die potenzielle Energie null.
-
Außerhalb des Potenzialtopfs (
oder
) ist die potenzielle Energie unendlich groß.
Aus diesem Potenzialverlauf resultieren zwei wesentliche Eigenschaften für das Elektron in diesem Modell:
-
Das Elektron kann sich im Inneren des Potenzialtopfs völlig frei bewegen.
-
Aufgrund der unendlich hohen Wände ist es dem Elektron unmöglich, den Potenzialtopf zu verlassen.
Skizzieren der Wellenfunktionen



Zeigen der Gleichung
Im Potenzialtopf bilden sich stehende Wellen mit zwei festen Enden bei und
Aufgrund der Knoten an den Enden müssen stets ganzzahlige Vielfache der halben Wellenlänge exakt in den Potenzialtopf der Länge
passen:
Die kinetische Energie lässt sich über den Impuls
des Elektrons ausdrücken:
Aus der De-Broglie-Beziehung ergibt sich für den Impuls
Hier kann nun der Zusammenhang aus Aufgabe 3.2.1 (
) eingesetzt werden, somit ergibt sich für den Impuls:
Durch Einsetzen dieses Ausdrucks in die Formel für die kinetische Energie ergibt sich:
Berechnen der Breite eines Potenzialtopfes
Für den Grundzustand () soll die kinetische Energie mit der Energie des Elektrons auf der ersten Bohr’schen Bahn (
) übereinstimmen.
Die Formel für die kinetische Energie aus Aufgabe 3.2.2 wird nach der Breite umgestellt:
Das Einsetzen der Werte liefert:
Vergleichen der Breite mit dem Durchmesser eines Atoms
Die berechnete Breite des Potenzialtopfs liegt in der Größenordnung von
und liegt damit im Bereich des Atomdurchmessers.
Allgemein gibt das Quadrat der Wellenfunktion die Antreffwahrscheinlichkeitsdichte eines Quantenobjektes (hier des Elektrons) an einem bestimmten Ort
an.
Das in der Aufgabenstellung angegebene Integral liefert somit die Wahrscheinlichkeit, das Elektron im gesamten Inneren des Potenzialtopfs – also zwischen den Integrationsgrenzen und
– anzutreffen. Da das Elektron den Potenzialtopf aufgrund der unendlich hohen Wände nicht verlassen kann, muss es sich zwingend irgendwo in diesem definierten Bereich aufhalten. Folglich beträgt die Antreffwahrscheinlichkeit für das gesamte Innere des Potenzialtopfs exakt
Um nachzuweisen, dass die gegebene Wellenfunktion die zeitunabhängige Schrödinger-Gleichung erfüllt, wird diese zunächst zweimal nach der Ortsvariablen
abgeleitet.
Die Wellenfunktion lautet:
Daraus folgt für die erste Ableitung:
Daraus folgt für die zweite Ableitung:
Nun wird diese zweite Ableitung in die aus der Aufgabenstellung bekannte Schrödinger-Gleichung eingesetzt:
Dieses Resultat entspricht exakt der kinetischen Energie die bereits in Aufgabe 3.2.2 hergeleitet wurde. Damit ist mathematisch der Nachweis erbracht, dass der Ansatz
eine gültige Lösung der Schrödinger-Gleichung für das Innere des Potenzialtopfs darstellt.