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Inhaltsverzeichnis

Erzählung

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An einem heitern sonnenhellen Juliustag hatte sich alles Volk zu Göthaborg auf der Reede
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versammelt. Ein reicher Ostindienfahrer, glücklich heimgekehrt aus dem fernen Lande, lag im
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Klippahafen vor Anker und ließ die langen Wimpel, die schwedischen Flaggen, lustig
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hinauswehen in die azurblaue Luft, während hunderte von Fahrzeugen, Booten, Kähnen,
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vollgepfropft mit jubelnden Seeleuten, auf den spiegelblanken Wellen der Göthaelf hin und her
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schwammen und die Kanonen von Masthuggetorg ihre weithallenden Grüße hinüberdonnerten
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in das weite Meer. Die Herren von der ostindischen Kompanie wandelten am Hafen auf und ab
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und berechneten mit lächelnden Gesichtern den reichen Gewinn, der ihnen geworden, und
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hatten ihre Herzensfreude daran, wie ihr gewagtes Unternehmen nun mit jedem Jahr mehr und
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mehr gedeihe und das gute Göthaborg im schönsten Handelsflor immer frischer und herrlicher
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emporblühe. Jeder sah auch deshalb die wackeren Herrn mit Lust und Vergnügen an und freute
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sich mit ihnen, denn mit ihrem Gewinn kam ja Saft und Kraft in das rege Leben der ganzen
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Stadt.

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Die Besatzung des Ostindienfahrers, wohl an die hundertundfünfzig Mann stark, landete in
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vielen Booten, die dazu ausgerüstet, und schickte sich an ihren Hönsning zu halten. So ist
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nämlich das Fest geheißen, das bei derlei Gelegenheit von der Schiffsmannschaft gefeiert wird,
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und das oft mehrere Tage dauert. Spielleute in wunderlicher Tracht zogen vorauf mit Geigen,
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Pfeifen, Oboen und Trommeln, die sie wacker rührten, während andere allerlei lustige Lieder
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dazu absangen. Ihnen folgten die Matrosen zu Paar und Paar. Einige mit buntbebänderten
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Jacken und Hüten schwangen flatternde Wimpel, andere tanzten und sprangen, und alle
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jauchzten und jubelten, daß das helle Getöse weit in den Lüften erhallte.

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So ging der fröhliche Zug fort über die Werfte – durch die Vorstädte bis nach der
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Hagavorstadt, wo in einem Gästgifvaregard tapfer geschmaust und gezecht werden sollte.

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Da floß nun das schönste Öl in Strömen, und Bumper auf Bumper wurde geleert. Wie es denn
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nun bei Seeleuten, die heimkehren von weiter Reise, nicht anders der Fall ist, allerlei schmucke
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Dirnen gesellten sich alsbald zu ihnen, der Tanz begann, und wilder und wilder wurde die Lust
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und lauter und toller der Jubel.

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Nur ein einziger Seemann, ein schlanker hübscher Mensch, kaum mocht' er zwanzig Jahr alt
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sein, hatte sich fortgeschlichen aus dem Getümmel und draußen einsam hingesetzt auf die
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Bank, die neben der Tür des Schenkhauses stand.

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Ein paar Matrosen traten zu ihm, und einer von ihnen rief laut auflachend: „Elis Fröbom! – Elis
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Fröbom! – Bist du mal wieder ein recht trauriger Narr worden und vertrödelst die schönste Zeit
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mit dummen Gedanken? – Hör', Elis, wenn du von unserm Hönsning wegbleibst, so bleib lieber
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auch ganz weg vom Schiff! Ein ordentlicher tüchtiger Seemann wird doch so aus dir niemals
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werden. Mut hast du zwar genug, und tapfer bist du auch in der Gefahr, aber saufen kannst du
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gar nicht und behälst lieber die Dukaten in der Tasche, als sie hier gastlich den Landratzen
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zuzuwerfen. – Trink, Bursche! oder der Seeteufel Näcken – der ganze Troll soll dir über den Hals
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kommen!“

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Elis Fröbom sprang hastig von der Bank auf, schaute den Matrosen an mit glühendem Blick,
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nahm den mit Branntwein bis an den Rand gefüllten Becher und leerte ihn mit einem Zuge.
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Dann sprach er: „Du siehst, Joens, daß ich saufen kann wie einer von euch, und ob ich ein
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tüchtiger Seemann bin, mag der Kapitän entscheiden. Aber nun halt' dein Lästermaul und
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schier' dich fort! – Mir ist eure wilde Tollheit zuwider. Was ich hier draußen treibe, geht dich
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nichts an!“ „Nun, nun“, erwiderte Joens, „ich weiß es ja, du bist ein Neriker von Geburt, und
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die sind alle trübe und traurig und haben keine rechte Lust am wackern Seemannsleben! – Wart'
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nur, Elis, ich werde dir jemand herausschicken, du sollst bald weggebracht werden von der
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verhexten Bank, an die dich der Näcken genagelt hat.“

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Nicht lange dauerte es, so trat ein gar feines schmuckes Mädchen aus der Tür des
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Gästgifvaregard und setzte sich hin neben dem trübsinnigen Elis, der sich wieder, verstummt
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und in sich gekehrt, auf die Bank niedergelassen hatte. Man sah es dem Putz, dem ganzen
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Wesen der Dirne wohl an, daß sie sich leider böser Lust geopfert, aber noch hatte das wilde
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Leben nicht seine zerstörende Macht geübt an den wunderlieblichen sanften Zügen ihres
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holden Anlitzes. Keine Spur von zurückstoßender Frechheit, nein, eine stille sehnsüchtige
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Trauer lag in dem Blick der dunklen Augen.

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„Elis! wollt Ihr denn gar keinen Teil nehmen an der Freude Eurer Kameraden? – Regt sich denn
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gar keine Lust in Euch, da Ihr wieder heimgekommen und, der bedrohlichen Gefahr der
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trügerischen Meereswellen entronnen, nun wieder auf vaterländischem Boden steht?“

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So sprach die Dirne mit leiser, sanfter Stimme, indem sie den Arm um den Jüngling schlang.
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Elis Fröbom, wie aus tiefem Traum erwachend, schaute dem Mädchen ins Auge, er faßte ihre
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Hand, er drückte sie an seine Brust, man merkte wohl, daß der Dirne süß Gelispel recht in sein
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Inneres hineingeklungen.

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„Ach“, begann er endlich, wie sich besinnend, „ach, mit meiner Freude, mit meiner Lust ist es
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nun einmal gar nichts. Wenigstens kann ich durchaus nicht einstimmen in die Toberei meiner
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Kameraden. Geh nur hinein, mein gutes Kind, juble und jauchze mit den andern, wenn du es
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vermagst, aber laß den trüben, traurigen Elis hier draußen allein; er würde dir nur alle Lust
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verderben. – Doch wart'! Du gefällst mir gar wohl und sollst an mich fein denken, wenn ich
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wieder auf dem Meere bin.“

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Damit nahm er zwei blanke Dukaten aus der Tasche, zog ein schönes ostindisches Tuch aus
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dem Busen und gab beides der Dirne. Der traten aber die hellen Tränen in die Augen, sie stand
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auf, sie legte die Dukaten auf die Bank, sie sprach: „Ach, behaltet doch nur Eure Dukaten, die
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machen mich nur traurig, aber das schöne Tuch, das will ich tragen Euch zum teuern Andenken,
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und Ihr werdet mich wohl übers Jahr nicht mehr finden, wenn Ihr Hönsning haltet hier in der
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Haga.“ –

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Damit schlich die Dirne, nicht mehr zurückkehrend in das Schenkhaus, beide Hände vors
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Gesicht gedrückt, fort über die Straße.

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Aufs neue versank Elis Fröbom in seine düstre Träumerei und rief endlich, als der Jubel in der
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Schenke recht laut und toll wurde: „Ach, läg' ich doch nur begraben in dem tiefsten
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Meeresgrunde! denn im Leben gibt's keinen Menschen mehr, mit dem ich mich freuen sollte!“

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Da sprach eine tiefe rauhe Stimme dicht hinter ihm: „Ihr müßt gar großes Unglück erfahren
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haben, junger Mensch, daß Ihr Euch schon jetzt, da das Leben Euch erst recht aufgehen sollte,
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den Tod wünschet.“

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Elis schaute sich um und gewahrte einen alten Bergmann, der mit übereinandergeschlagenen
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Armen an die Plankenwand des Schenkhauses angelehnt stand und mit ernstem
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durchdringenden Blick auf ihn herabschaute. Sowie Elis den Alten länger ansah, wurde es ihm,
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als trete in tiefer wilder Einsamkeit, in die er sich verloren geglaubt, eine bekannte Gestalt ihm
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freundlich tröstend entgegen. Er sammelte sich und erzählte, wie sein Vater ein tüchtiger
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Steuermann gewesen, aber in demselben Sturm umgekommen, aus dem er gerettet worden auf
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wunderbare Weise. Seine beiden Brüder wären als Soldaten geblieben in der Schlacht und er
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allein habe seine arme verlassene Mutter erhalten mit dem reichen Solde, den er nach jeder
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Ostindienfahrt empfangen. Denn Seemann habe er doch nun einmal, von Kindesbeinen dazu
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bestimmt, bleiben müssen, und da habe es ihm ein großes Glück gedünkt, in den Dienst der
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ostindischen Kompanie treten zu können. Reicher als jemals sei diesmal der Gewinn
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ausgefallen, und jeder Matrose habe noch außer dem Sold ein gut Stück Geld erhalten, so daß
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er, die Tasche voll Dukaten, in heller Freude hingelaufen sei nach dem kleinen Häuschen, wo
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seine Mutter gewohnt. Aber fremde Gesichter hätten ihn aus dem Fenster angeguckt, und eine
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junge Frau, die ihm endlich die Tür geöffnet und der er sich zu erkennen gegeben, habe ihm mit
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kaltem rauhem Ton berichtet, daß seine Mutter schon vor drei Monaten gestorben, und daß er
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die paar Lumpen, die, nachdem die Begräbniskosten berichtigt, noch übriggeblieben, auf dem
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Rathaus in Empfang nehmen könne. Der Tod seiner Mutter zerreiße ihm das Herz, er fühle sich
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von aller Welt verlassen, einsam, wie auf ein ödes Riff verschlagen, hilflos, elend. Sein ganzes
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Leben auf der See erscheine ihm wie ein irres zweckloses Treiben, ja, wenn er daran denke, daß
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seine Mutter, vielleicht schlecht gepflegt von fremden Leuten, so ohne Trost sterben müssen,
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komme es ihm ruchlos und abscheulich vor, daß er überhaupt zur See gegangen und nicht
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lieber daheim geblieben, seine arme Mutter nährend und pflegend. Die Kameraden hätten ihn
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mit Gewalt fortgerissen zum Hönsning, und er selbst habe geglaubt, daß der Jubel um ihn her,
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ja auch wohl das stärkste Getränk seinen Schmerz betäuben werde, aber statt dessen sei es
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ihm bald geworden, als sprängen alle Adern in seiner Brust, und er müsse sich verbluten.

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„Ei“, sprach der alte Bergmann, „ei, du wirst bald wieder in See stechen, Elis, und dann wird
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dein Schmerz vorüber sein in weniger Zeit. Alte Leute sterben, das ist nun einmal nicht anders,
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und deine Mutter hat ja, wie du selbst gesteht, nur ein armes mühseliges Leben verlassen..“

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„Ach“, erwiderte Elis, „ach, daß niemand an meinen Schmerz glaubt, ja, daß man mich wohl
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albern und töricht schilt, das ist es ja eben, was mich hinausstößt aus der Welt. – Auf die See
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mag ich nicht mehr, das Leben ekelt mich an. Sonst ging mir wohl das Herz auf, wenn das
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Schiff, die Segel wie stattliche Schwingen ausbreitend, über das Meer dahinfuhr, und die Wellen
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in gar lustiger Musik plätscherten und sausten, und der Wind dazwischen pfiff durch das
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knätternde Tauwerk. Da jauchzte ich fröhlich mit den Kameraden auf dem Verdeck, und dann –
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hatte ich in stiller dunkler Mitternacht die Wache, da gedachte ich der Heimkehr und meiner
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guten alten Mutter, wie die sich nun wieder freuen würde, wenn Elis zurückgekommen! – Hei! da
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konnt' ich wohl jubeln auf dem Hönsning, wenn ich dem Mütterchen die Dukaten in den Schoß
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geschüttet, wenn ich ihr die schönen Tücher und wohl noch manch anderes Stück seltner Ware
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aus dem fernen Lande hingereicht. Wenn ihr dann vor Freude die Augen hell aufleuchteten,
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wenn sie die Hände ein Mal über das andere zusammenschlug, ganz erfüllt von Vergnügen und
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Lust, wenn sie geschäftig hin- und hertrippelte und das schönste Aehl herbeiholte, das sie für
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Elis aufbewahrt. Und saß ich denn nun abends bei der Alten, dann erzählte ich ihr von den
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seltsamen Leuten, mit denen ich verkehrt, von ihren Sitten und Gebräuchen, von allem
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Wunderbaren, was mir begegnet auf der langen Reise. Sie hatte ihre große Lust daran und
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redete wieder zu mir von den wunderbaren Fahrten meines Vaters im höchsten Norden und
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tischte mir dagegen manches schauerliche Seemannsmärlein auf, das ich schon hundertmal
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gehört, und an dem ich mich doch gar nicht satt hören konnte! – Ach! wer bringt mir diese
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Freude wieder! – Nein, niemals mehr auf die See. Was sollt' ich unter den Kameraden, die mich
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nur aushöhnen würden, und wo sollt' ich Lust hernehmen zur Arbeit, die mir nur ein mühseliges
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Treiben um nichts dünken würde!“

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„Ich höre Euch“, sprach der Alte, als Elis schwieg, „ich höre Euch mit Vergnügen reden,
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junger Mensch, so wie ich schon seit ein paar Stunden, ohne daß Ihr mich gewahrtet, Euer
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ganzes Betragen beobachtete und meine Freude daran hatte. Alles, was Ihr tatet, was Ihr
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spracht, beweist, daß Ihr ein tiefes, in sich selbst gekehrtes, frommes, kindliches Gemüt habt,
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und eine schönere Gabe konnte Euch der hohe Himmel gar nicht verleihen. Aber zum Seemann
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habt Ihr Eure Lebetage gar nicht im mindesten getaugt. Wie sollte Euch stillem, wohl gar zum
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Trübsinn geneigten Neriker (daß Ihr das seid, seh' ich an den Zügen Eures Gesichts, an Eurer
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ganzen Haltung), wie sollte Euch das wilde unstete Leben auf der See zusagen? Ihr tut wohl
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daran, daß Ihr dies Leben aufgebt für immer. Aber die Hände werdet Ihr doch nicht in den
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Schoß legen? – Folgt meinem Rat, Elis Fröbom! geht nach Falun, werdet ein Bergmann. Ihr seid
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jung, rüstig, gewiß bald ein tüchtiger Knappe, dann Hauer, Steiger und immer höher herauf. Ihr
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habt tüchtige Dukaten in der Tasche, die legt Ihr an, verdient dazu, kommt wohl gar zum Besitz
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eines Bergmannshemmans, habt Eure eigne Kuxe in der Grube, folgt meinem Rat, Elis Fröbom,
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werdet ein Bergmann!“

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Elis Fröbom erschrak beinahe über die Worte des Alten. „Wie“, rief er, „was ratet Ihr mir? Von
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der schönen freien Erde, aus dem heitern, sonnenhellen Himmel, der mich umgibt, labend,
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erquickend, soll ich hinaus – hinab in die schauerliche Höllentiefe und dem Maulwurf gleich
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wühlen und wühlen nach Erzen und Metallen, schnöden Gewinns halber?“

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„So ist“, rief der Alte erzürnt, „so ist nun das Volk, es verachtet das, was es nicht zu
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erkennen vermag. Schnöder Gewinn! Als ob alle grausame Quälerei auf der Oberfläche der
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Erde, wie sie der Handel herbeiführt, sich edler gestalte als die Arbeit des Bergmanns, dessen
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Wissenschaft, dessen unverdrossenem Fleiß die Natur ihre geheimsten Schatzkammern
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erschließt. Du sprichst von schnödem Gewinn, Elis Fröbom! – ei, es möchte hier wohl noch
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Höheres gelten. Wenn der blinde Maulwurf in blindem Instinkt die Erde durchwühlt, so möcht'
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es wohl sein, daß in der tiefsten Teufe bei dem schwachen Schimmer des Grubenlichts des
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Menschen Auge hellsehender wird, ja daß es endlich, sich mehr und mehr erkräftigend, in dem
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wunderbaren Gestein die Abspiegelung dessen zu erkennen vermag, was oben über den
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Wolken verborgen. Du weißt nichts von dem Bergbau, Elis Fröbom, laß dir davon erzählen.“

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Mit diesen Worten setzte sich der Alte hin auf die Bank neben Elis und begann sehr
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ausführlich zu beschreiben, wie es bei dem Bergbau hergehe, und mühte sich, mit den
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lebendigsten Farben dem Unwissenden alles recht deutlich vor Augen zu bringen. Er kam auf
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die Bergwerke von Falun, in denen er, wie er sagte, seit seiner frühen Jugend gearbeitet, er
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beschrieb die große Tagesöffnung mit den schwarzbraunen Wänden, die dort anzutreffen, er
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sprach von dem unermeßlichen Reichtum der Erzgrube an dem schönsten Gestein. Immer
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lebendiger und lebendiger wurde seine Rede, immer glühender sein Blick. Er durchwanderte die
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Schachten wie die Gänge eines Zaubergartens. Das Gestein lebte auf, die Fossile regten sich,
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der wunderbare Pyrosmalith, der Almandin blitzten im Schein der Grubenlichter – Die
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Bergkristalle leuchteten und flimmerten durcheinander.

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Elis horchte auf; des Alten seltsame Weise, von den unterirdischen Wundern zu reden, als
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stehe er gerade in ihrer Mitte, erfaßte sein ganzes Ich. Er fühlte seine Brust beklemmt, es war
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ihm, als sei er schon hinabgefahren mit dem Alten in die Tiefe, und ein mächtiger Zauber halte
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ihn unten fest, so daß er nie mehr das freundliche Licht des Tages schauen werde. Und doch
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war es ihm wieder, als habe ihm der Alte eine neue unbekannte Welt erschlossen, in die er
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hineingehöre, und aller Zauber dieser Welt sei ihm schon zur frühesten Knabenzeit in seltsamen
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geheimnisvollen Ahnungen aufgegangen. –

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„Ich habe“, sprach endlich der Alte, „Ich habe Euch, Elis Fröbom, alle Herrlichkeit eines
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Standes dargetan, zu dem Euch die Natur recht eigentlich bestimmte. Geht nur mit Euch selbst
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zu Rate und tut dann, wie Euer Sinn es Euch eingibt!“

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Damit sprang der Alte hastig auf von der Bank und schritt von dannen, ohne Elis weiter zu
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grüßen oder sich nach ihm umzuschauen. Bald war er seinem Blick entschwunden.

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In dem Schenkhause war es indessen still worden. Die Macht das starken Aehls (Biers), des
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Branntweins hatte gesiegt. Manche vom Schiffsvolk waren fortgeschlichen mit ihren Dirnen,
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andere lagen in den Winkeln und schnarchten. Elis, der nicht mehr einkehren konnte in das
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gewohnte Obdach, erhielt auf sein Bitten ein kleines Kämmerlein zur Schlafstelle.

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Kaum hatte er sich, müde und matt, wie er war, hingestreckt auf sein Lager, als der Traum
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über ihm seine Fittiche rührte. Es war ihm, als schwämme er in einem schönen Schiff mit vollen
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Segeln auf dem spiegelblanken Meer, und über ihm wölbe sich ein dunkler Wolkenhimmel. Doch
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wie er nun in die Wellen hinabschaute, erkannte er bald, daß das, was er für das Meer gehalten,
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eine feste durchsichtige funkelnde Masse war, in deren Schimmer das ganze Schiff auf
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wunderbare Weise zerfloß, so daß er auf dem Kristallboden stand und über sich ein Gewölbe
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von schwarz flimmerndem Gestein erblickte. Gestein war das nämlich, was er erst für den
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Wolkenhimmel gehalten. Von unbekannter Macht fortgetrieben, schritt er vorwärts, aber in dem
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Augenblick regte sich alles um ihn her, und wie kräuselnde Wogen erhoben sich aus dem Boden
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wunderbare Blumen und Pflanzen von blinkendem Metall, die ihre Blüten und Blätter aus der
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tiefsten Tiefe emporrankten und auf anmutige Weise ineinander verschlangen. Der Boden war
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so klar, daß Elis die Wurzeln der Pflanzen deutlich erkennen konnte, aber bald immer tiefer mit
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dem Blick eindringend, erblickte er ganz unten – unzählige holde jungfräuliche Gestalten, die
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sich mit weißen glänzenden Armen umschlungen hielten, und aus ihren Herzen sproßten jene
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Wurzeln, jene Blumen und Pflanzen empor, und wenn die Jungfrauen lächelten, ging ein süßer
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Wohllaut durch das weite Gewölbe, und höher und freuidiger schossen die wunderbaren
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Metallblüten empor. Ein unbeschreibliches Gefühl von Schmerz und Wollust ergriff den
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Jüngling, eine Welt von Liebe, Sehnsucht, brünstiges Verlangen ging auf in seinem Innern. –
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»Hinab – hinab zu euch«, rief er und warf sich mit ausgebreiteten Armen auf den kristallenen
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Boden nieder. Aber der wich unter ihm, und er schwebte wie in schimmerndem Äether. „Nun,
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Elis Fröbom, wie gefällt es dir in dieser Herrlichkeit?“ – So rief eine starke Stimme. Elis gewahrte
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neben sich den alten Bergmann, aber sowie er ihn mehr und mehr anschaute, wurde er zur
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Riesengestalt, aus glühendem Erz gegossen. Elis wollte sich entsetzen, aber in dem Augenblick
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leuchtete es auf aus der Tiefe wie ein jäher Blitz, und das ernste Antlitz einer mächtigen Frau
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wurde sichtbar. Elis fühlte, wie das Entzücken in seiner Brust, immer steigend und steigend, zur
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zermalmenden Angst wurde. Der Alte hatte ihn umfaßt und rief: „Nimm dich in acht, Elis
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Fröbom, das ist die Königin, noch magst du heraufschauen.“ – Unwillkürlich drehte er das
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Haupt und wurde gewahr, wie die Sterne des nächtlichen Himmels durch eine Spalte des
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Gewölbes leuchteten. Eine sanfte Stimme rief wie in trostlosem Weh seinen Namen. Es war die
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Stimme seiner Mutter. Er glaubte ihre Gestalt zu schauen oben an der Spalte. Aber es war ein
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holdes junges Weib, die ihre Hand tief hinabstreckte in das Gewölbe und seinen Namen rief.
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„Trage mich empor“, rief er dem Alten zu, „ich gehöre doch der Oberwelt an und ihrem
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freundlichen Himmel.“ – „Nimm dich in acht“, sprach der Alte dumpf, „nimm dich in acht,
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Fröbom! – sei treu der Königin, der du dich ergeben.“ Sowie nun aber der Jüngling wieder
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hinabschaute in das starre Antlitz der mächtigen Frau, fühlte er, daß sein Ich zerfloß in dem
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glänzenden Gestein. Er kreischte auf in namenloser Angst und erwachte aus dem wunderbaren
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Traum, dessen Wonne und Entsetzen tief in seinem Innern wiederklang. –

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„Es konnte“, sprach Elis, als er sich mit Mühe gesammelt, zu sich selbst, „es konnte wohl
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nicht anders sein, es mußte mir solch wunderliches Zeug träumen. Hat mir doch der alte
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Bergmann so viel erzählt von der Herrlichkeit der unterirdischen Welt, daß mein ganzer Kopf
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davon erfüllt ist, noch in meinem ganzen Leben war mir nicht so zumute, als eben jetzt. –
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Vielleicht träume ich noch fort – Nein, nein – ich bin wohl nur krank, hinaus ins Freue, der frische
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Hauch der Seeluft wird mich heilen!“

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Er raffte sich auf und rannte nach dem Klippahafen, wo der Jubel des Hönsnings aufs neue
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sich erhob. Aber bald gewahrte er, wie alle Lust an ihm vorüberging, wie er keinen Gedanken in
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der Seele festhalten konnte, wie Ahnungen, Wünsche, die er nicht zu nennen vermochte, sein
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Inneres durchkreuzten. – Er dachte mit tiefer Wehmut an seine verstorbene Mutter, dann war es
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ihm aber wieder, als sehne er sich nur noch einmal jener Dirne zu begegnen, die ihn gestern so
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freundlich angesprochen. Und dann fürchtete er wieder, träte auch die Dirne aus dieser oder
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jener Gasse ihm entgegen, so würd' es am Ende der alte Bergmann sein, vor dem er sich, selbst
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konnte er nicht sagen warum, entsetzen müsse. Und doch hätte er wieder auch von dem Alten
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sich gern mehr erzählen lassen von den Wundern des Bergbaues.

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Von all diesen treibenden Gedanken hin- und hergeworfen, schaute er hinein in das Wasser.
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Da wollt' es ihm bedünken, als wenn die silbernen Wellen erstarrten zum funkelnden Glimmer, in
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dem nun die schönen großen Schiffe zerfließen, als wenn die dunklen Wolken, die eben
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heraufzogen an dem heitern Himmel, sich hinabsenken würden und verdichten zum steinernen
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Gewölbe. – Er stand wieder in seinem Traum, er schaute wieder das ernste Antlitz der
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mächtigen Frau, und die verstörende Angst des sehnsüchtigsten Verlangens erfaßte ihn aufs
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neue.

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Die Kameraden rüttelten ihn auf aus der Träumerei, er mußte ihrem Zuge folgen. Aber nun war
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es, als flüstre eine unbekannte Stimme ihm unaufhörlich ins Ohr: „Was willst du noch hier? –
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fort – fort – in den Bergwerken zu Falun ist deine Heimat. Da geht alle Herrlichkeit dir auf, von
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der du geträumt – fort, fort nach Falun!“

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Drei Tage trieb sich Elis Fröbom in den Straßen von Göthaborg umher, unaufhörlich verfolgt
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von den wunderlichen Gebilden seines Traums, unaufhörlich gemahnt von der unbekannten
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Stimme.

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Am vierten Tage stand Elis an dem Tore, durch welches der Weg nach Gefle führt. Da schritt
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eben ein großer Mann vor ihm hindurch. Elis glaubte den alten Bergmann erkannt zu haben und
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eilte, unwiderstehlich fortgetrieben, ihm nach, ohne ihn zu erreichen.

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Rastlos ging es nun fort und weiter fort.

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Elis wußte deutlich, daß er sich auf dem Wege nach Falun befinde, und eben dies beruhigte
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ihn auf besondere Weise, denn gewiß war es ihm, daß die Stimme des Verhängnisses durch den
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alten Bergmann zu ihm gesprochen, der ihn nun auch seiner Bestimmung entgegenführe.

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In der Tat sah er auch manchmal, vorzüglich wenn der Weg ihm ungewiß werden wollte, den
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Alten, wie er aus einer Schlucht, aus dickem Gestrüpp, aus dunklem Gestein plötzlich hervortrat
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und vor ihm, ohne sich umzuschauen, daherschritt, dann aber schnell wieder verschwand.

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Endlich nach manchem mühselig durchwanderten Tage erblickte Elis in der Ferne zwei große
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Seen, zwischen denen ein dicker Dampf aufstieg. Sowie er mehr und mehr die Anhöhe westlich
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erklimmte, unterschied er in dem Rauch ein par Türme und schwarze Dächer. Der Alte stand vor
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ihm riesengroß, zeigte mit ausgestrecktem Arm hin nach dem Dampf und verschwand wieder
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im Gestein.

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„Das ist Falun!“ rief Elis, „das ist Falun, das Ziel meiner Reise!“ – Er hatte recht, denn Leute,
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die ihm hinterher wanderten, bestätigten es, daß dort zwischen den Seen Runn und Warpann
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die Stadt Falun liege, und daß er soeben den Guffrisberg hinansteige, wo die große Pinge oder
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Tagesöffnung der Erzgrube befindlich.

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Elis Fröbom schritt guten Mutes vorwärts, als er aber vor dem ungeheuern Höllenschlunde
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stand, da gefror ihm das Blut in den Adern, und er erstarrte bei dem Anblick der fürchterlichen
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Zerstörung.

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Bekanntlich ist die große Tagesöffnung der Erzgrube zu Falun an zwölfhundert Fuß lang,
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sechshundert Fuß breit und einhundertundachtzig Fuß tief. Die schwarzbraunen Seitenwände
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gehen anfangs größtenteils senkrecht nieder; dann verflächen sie sich aber gegen die mittlere
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Tiefe durch ungeheuern Schutt und Trümmerhalden. In diesen und an den Seitenwänden blickt
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hin und wieder die Zimmerung alter Schächte hervor, die aus starken, dicht aneinandergelegten
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und an den Enden ineinandergefugten Stämmen, nach Art des gewöhnlichen Blockhäuserbaues
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aufgeführt sind. Kein Baum, kein Grashalm sproßt in dem kahlen zerbröckelten Steingeklüft,
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und in wunderlichen Gebilden, manchmal riesenhaften versteinerten Tieren, manchmal
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menschlichen Kolossen ähnlich; ragen die zackigen Felsenmassen ringsumher empor. Im
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Abgrunde liegen in wilder Zerstörung durcheinander Steine, Schlacken – ausgebranntes Erz,
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und ein ewiger betäubender Schwefeldunst steigt aus der Tiefe, als würde unten der Höllensud
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gekocht, dessen Dämpfe alle grüne Lust der Natur vergiften. Man sollte glauben, hier sei Dante
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herabgestiegen und habe den Inferno geschaut mit all seiner trostlosen Qual, mit all seinem
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Entsetzen.

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Als nun Elis Fröbom hinabschaute in den ungeheueren Schlund, kam ihm in den Sinn, was ihm
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vor langer Zeit der alte Steuermann seines Schiffs erzählt. Dem war es, als er einmal im Fieber
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gelegen, plötzlich gewesen, als seien die Wellen des Meeres verströmt, und unter ihm habe sich
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der unermeßliche Abgrund geöffnet, so daß er die scheußlichen Untiere der Tiefe erblickte, die
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sich zwischen Tausenden von seltsamen Muscheln, Korallenstauden, zwischen wunderlichem
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Gestein in häßlichen Verschlingungen hin und her wälzten, bis sie mit aufgesperrtem Rachen,
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zum Tode erstarrt, liegen geblieben. Ein solches Gesicht, meinte der alte Seemann, bedeute
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den baldigen Tod in den Wellen, und wirklich stürzte er auch bald darauf unversehens von dem
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Verdeck in das Meer und war rettungslos verschwunden. Daran dachte Elis, denn wohl
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bedünkte ihm der Abgrund wie der Boden der von den Wellen verlassenen See, und das
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schwarze Gestein, die blaulichen, roten Schlacken des Erzes schienen ihm abscheuliche
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Untiere, die ihre häßlichen Polypenarme nach ihm ausstreckten. – Es geschah, daß eben einige
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Bergleute aus der Tiefe emporstiegen, die in ihrer dunklen Grubentracht, mit ihren schwarz
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verbrannten Gesichtern wohl anzusehen waren wie häßliche Unholde, die, aus der Erde
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mühsam hervorgekrochen, sich den Weg bahnen wollten bis auf die Oberfläche.

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Elis fühlte sich von tiefen Schauern durchbebt und, was dem Seemann noch miemals
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geschehen, ihn ergriff der Schwindel; es war ihm, als zögen unsichtbare Hände ihn hinab in den
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Schlund.

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Mit geschlossenen Augen rannte er einige Schritte fort, und erst als er weit von der Pinge den
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Guffrisberg wieder hinabstieg, und er hinaufblickte zum heitern sonnenhellen Himmel, war ihm
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alle Angst jenes schauerlichen Anblicks entnommen. Er atmete wieder frei und rief recht aus
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tiefer Seele: „O Herr meines Lebens, was sind alle Schauer des Meeres gegen das Entsetzen,
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was dort in dem öden Steingeklüft wohnt! – Mag der Sturm toben, mögen die schwarzen
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Wolken hinabtauchen in die brausenden Wellen, balde siegt doch wieder die schöne herrliche
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Sonne, und vor ihrem freundlichen Antlitz verstimmt das wilde Getöse, aber nie dringt ihr Blick
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in jene schwarze Höhlen, und kein frischer Frühlingshauch erquickt dort unten jemals die Brust.
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– Nein, zu euch mag ich mich nicht gesellen, ihr schwarzen Erdwürmer, niemals würd' ich mich
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eingewöhnen können in euer trübes Leben!“

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Elis gedachte in Falun zu übernachten und dann mit dem frühesten Morgen seinen Rückweg
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anzutreten nach Göthaborg.

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Als er auf den Marktplatz, der Helsingtorget geheißen, kam, fand er eine Menge Volks
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versammelt.

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Ein langer Zug von Bergleuten in vollem Staat, mit Grubenlichtern in den Händen, Spielleute
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vorauf, hielt eben vor einem stattlichen Hause. Ein großer schlanker Mann von mittleren Jahren
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trat heraus und schaute mit mildem Lächeln umher. An dem freien Anstande, an der offnen
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Stirn, an den dunkelblau leuchtenden Augen mußte man den echten Dalkarl erkennen. Die
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Bergleute schlossen einen Kreis um ihn, jedem schüttelte er treuherzig die Hand, mit jedem
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sprach er freundliche Worte.

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Elis Fröbom erfuhr auf Befragen, daß der Mann Pehrson Dahlsjö sei, Masmeister Altermann
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und Besitzer einer schönen Bergsfrälse bei Stora-Kopparberg. Bergsfrälse sind in Schweden
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Länderein geheißen, die für die Kupfer- und Silberbergwerke verliehen wurden. Die Besitzer
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solcher Frälsen haben Kuxe in den Gruben, für deren Betrieb sie zu sorgen gehalten sind.

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Man erzählte dem Elis weiter, daß eben heute der Bergsthing (Gerichtstag) geendigt, und daß
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dann die Bergleute herumzögen bei dem Bergmeister, dem Hüttenmeister und den
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Altermännern, überall aber gastlich bewirtet würden.

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Betrachtete Elis die schönen und stattlichen Leute mit den freien freundlichen Gesichtern, so
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konnte er nicht mehr an jene Erdwürmer in der großen Pinge denken. Die helle Fröhlichkeit, die,
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als Pehrson Dahlsjö hinaustrat, wie aufs neue angefacht, durch den ganzen Kreis aufloderte,
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war wohl ganz anderer Art als der wilde tobende Jubel der Seeleute beim Hönsning.

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Dem stillen ernsten Elis ging die Art, wie sich diese Bergmänner freuten, recht tief ins Herz. Es
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wurde ihm unbeschreiblich wohl zumute, aber der Tränen konnt' er sich vor Rührung kaum
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enthalten, als einige der jüngeren Knappen ein Lied anstimmten, das in gar einfacher, in Seele
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und Gemüt dringender Melodie den Segen des Bergbaues pries.

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Als das Lied geendet, öffnete Pehrson Dahlsjö die Türe seines Hauses, und alle Bergleute
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traten nacheinander hinein. Elis folgte unwillkürlich und blieb an der Schwelle stehen, so daß er
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den ganzen geräumigen Flur übersehen konnte, in dem die Bergleute auf Bänken Platz nahmen.
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Ein tüchtiges Mahl stand auf einem Tisch bereitet.

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Nun ging die hintere Türe dem Elis gegenüber auf, und eine holde, festlich geschmückte
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Jungfrau trat hinein. Hoch und schlank gewachsen, die dunklen Haare in vielen Zöpfen über der
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Scheitel aufgeflochten, das nette, schmucke Mieder mit reichen Spangen zusammengenestelt,
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ging sie daher in der höchsten Anmut der blühendsten Jugend. Alle Bergleute standen auf, und
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ein leises freudiges Gemurmel lief durch die Reihen: „Ulla Dahlsjö – Ulla Dahlsjö! – Wie hat Gott
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gesegnet unsern wackern Altersmann mit dem schönen, frommen Himmelskinde!“ – Selbst den
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ältesten Bergleuten funkelten die Augen, als Ulla ihnen sowie allen übrigen die Hand bot zum
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freundlichen Gruß. Dann brachten sie schöne silberne Krüge, schenkte treffliches Aehl, wie es
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denn nun in Falun bereitet wird, ein und reichte es dar den frohen Gästen, indem aller
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Himmelsglanz der unschuldvollsten Unbefangenheit ihr holdes Antlitz überstrahlte.

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Sowie Elis Fröbom die Jungfrau erblickte, war es ihm, als schlüge ein Blitz durch sein Innres
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und entflamme alle Himmelslust, allen Liebesschmerz – alle Inbrunst, die in ihm verschlossen. –
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Ulla Dahlsjö war es, die ihm in dem verhängnisvollen Traum die rettende Hand geboten; er
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glaubte nun die tiefe Deutung jenes Traumes zu erraten und pries, des alten Bergmanns
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vergessend, das Schicksal, dem er nach Falun gefolgt. –

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Aber dann fühlte er sich, auf der Türschwelle stehend, ein unbeachteter Fremdling, elend,
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trostlos, verlassen und wünschte, er sei gestorben, ehe er Ulla Dahlsjö geschaut, da er doch
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nun vergehen müsse in Liebe und Sehnsucht. Nicht das Auge abzuwenden vermochte er von
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der holden Jungfrau, und als sie nun bei ihm ganz nahe vorüberstreifte, rief er mit leiser,
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bebender Stimme ihren Namen. Ulla schaute sich um und erblickte den armen Elis, der,
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glühende Röte im ganzen Gesicht, mit niedergesenktem Blick dastand – erstarrt – keines
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Wortes mächtig.

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Ulla trat auf ihn zu und sprach mit süßem Lächeln: „Ei, Ihr seid ja wohl ein Fremdling, lieber
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Freund! das gewahre ich an Eurer seemännischen Tracht! – Nun! – warum steht Ihr denn so auf
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der Schwelle? – Kommt doch nur hinein und freut Euch mit uns!“ – Damit nahm sie ihn bei der
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Hand, zog ihn in den Flur und reichte ihm einen vollen Krug Aehl! „Trinkt“, sprach sie, „trinkt,
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mein lieber Freund, auf guten gastlichen Willkommen!“

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Dem Elis war es, als läge er in dem wonnigen Paradiese eines herrliche Traums, aus dem er
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gleich erwachen und sich unbeschreiblich elend fühlen werde. Mechanisch leerte er den Krug.
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In dem Augenblick trat Pehrson Dahlsjö an ihn heran und fragte, nachdem er ihm die Hand
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geschüttelt zum freundlichen Gruß, von wannen er käme und was ihn hingebracht nach Falun.

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Elis fühlte die wärmende Kraft des edlen Getränks in allen Adern. Dem wackern Pehrson ins
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Auge blickend, wurde Ihm heiter und mutig zu Sinn. Er erzählte, wie er, Sohn eines Seemanns,
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von Kindesbeinen an auf der See gewesen, wie er, eben von Ostindien zurückgekehrt, seine
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Mutter, die er mit seinem Solde gehegt und gepflegt, nicht mehr am Leben gefunden, wie er
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sich nun ganz verlassen auf der Welt fühle, die ihm nun das wilde Leben auf der See ganz und
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gar zuwider geworden, wie seine innerste Neigung zum Bergbau treibe und wie er hier in Falun
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sich mühen werde, als Knappe unterzukommen. Das letzte, so sehr allem entgegen, was er vor
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wenigen Augenblicken beschlossen, fuhr ihm ganz unwillkürlich heraus, es war ihm, als hätte er
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dem Altermann gar nichts anders eröffnen können, ja, als wenn er eben seinen innersten
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Wunsch ausgesprochen, an den er bisher selbst nur nicht geglaubt.

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Pehrson Dahlsjö sah den Jüngling mit sehr ernstem Blick an, als wollte er sein Innerstes
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durchschauen, dann sprach er: „Ich mag nicht vermuten, Elis Fröbom, daß bloßer Leichtsinn
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Euch von Euerem bisherigen Beruf forttreibt und daß Ihr nicht alle Mühseligkeit, alle
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Beschwerde des Bergbaues vorher reiflich erwägt habt, ehe Ihr den Entschluß gefaßt, sich ihm
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zu ergeben. Es ist ein alter Glaube bei uns, daß die mächtigen Elemente, in denen der
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Bergmann kühn waltet, ihn vernichten, strengt er nicht sein ganzes Wesen an, die Herrschaft
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über sie zu behaupten, gibt er noch andern Gedanken Raum, die die Kraft schwächen, welche
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er ungeteilt der Arbeit in Erde und Feuer zuwenden soll. Habt Ihr aber Euern innern Beruf
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genugsam geprüft und ihn bewährt gefunden, so seid Ihr zur guten Stunde gekommen. In
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meiner Kuxe fehlt es an Arbeitern. Ihr könnt, wenn Ihr wollt, nun gleich bei mir bleiben und
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morgenden Tages mit dem Steiger anfahren, der Euch die Arbeit schon anweisen wird.“

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Das Herz ging dem Elis auf bei Pehrson Dahlsjös Rede. Er dachte nicht mehr an die Schrecken
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des entsetzlichen Höllenschlundes, in den er geschaut. Daß er nun die holde Ulla täglich sehen,
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daß er mit ihr unter einem Dache wohnen werde, das erfüllte ihn mit Wonne und Entzücken; er
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gab den süßesten Hoffnungen Raum.

402
Pehrson Dahlsjö tat den Bergleuten kund, wie sich eben ein junger Knappe zum Bergdienst
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bei ihm gemeldet, und stellte ihnen den Elis Fröbom vor.

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Alle schauten wohlgefällig auf den rüstigen Jüngling und meinten, mit seinem schlanken,
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kräftigen Gliederbau sei er ganz zum Bergmann geboren, und an Fleiß und Frömmigkeit werd(
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es ihm gewiß auch nicht fehlen.

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Einer von den Bergleuten, schon hoch in Jahren, näherte sich und schüttelte ihm treuherzig
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die Hand, indem er sagte, daß er der Obersteiger in der Kuxe Pehrson Dahlsjös sei und daß er
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sich` s recht angelegen sein lassen werde, ihn sorglich in allem zu unterrichten, was ihm zu
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wissen nötig. Elis mußte sich zu ihm setzen, und sogleich begann der Alte beim Kruge Aehl
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weitläufig über die erste Arbeit der Knappen zu sprechen.

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Dem Elis kam wieder der alte Bergmann aus Göthaborg in den Sinn und auf besondere Weise
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wußte er beinahe alles, was der ihm gesagt, zu wiederholen. „Ei“, rief der Obersteiger voll
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Erstaunen, „Elis Fröbom, wo habt Ihr denn die schönen Kenntnisse her? – Nun, da kann es Euch
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ja gar nicht fehlen, Ihr müßt in kurzer Zeit der tüchtigste Knappe in der Zeche sein!“

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Die schöne Ulla, unter den Gästen auf und ab wandelnd und sie bewirtend, nickte oft
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freundlich dem Elis zu und munterte ihn auf, recht froh zu sein. Nun sei er, sprach sie, ja nicht
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mehr fremd sondern gehöre ins Haus und nicht mehr das trügerische Meer, nein! – Falun mit
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seinen reichen Bergen sei seine Heimat! – Ein ganzer Himmel voll Wonne und Seligkeit tat sich
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dem Jüngling auf bei Ullas Worten. Man merkte es wohl, daß Ulla gern bei ihm weilte, und auch
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Pehrson Dahlsjö betrachtete ihn in seinem stillen, ernsten Wesen mit sichtlichem Wohlgefallen.

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Das Herz wollte dem Elis doch mächtig schlagen, als er wieder bei dem rauchenden
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Höllenschlunde stand und, eingehüllt in die Bergmannstracht, die schweren mit Eisen
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beschlagenen Dalkarlschuhe an den Füßen, mit dem Steiger hinabfuhr in den tiefen Schacht.
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Bald wollten heiße Dämpfe, die sich auf seine Brust legten, ihn ersticken, bald flackerten die
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Grubenlichter von dem schneidend kalten Luftzuge, der die Abgründe durchströmte. Immer
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tiefer und tiefer ging es hinab, zuletzt auf kaum ein Fuß breiten eisernen Leitern, und Elis
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Fröbom merkte wohl, daß alle Geschicklichkeit, die er sich als Seemann im Klettern erworben,
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ihm hier nichts helfen könne.

430
Endlich standen sie in der tiefsten Teufe, und der Steiger gab dem Elis die Arbeit an, die er
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hier verrichten sollte.

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Elis gedachte der holden Ulla, wie ein leuchtender Engel sah er ihre Gestalt über sich
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schwebend und vergaß alle Schrecken des Abgrundes, alle Beschwerden der mühseligen
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Arbeit. Es stand nun einmal fest in seiner Seele, daß nur dann, wenn er sich bei Pehrson Dahlsjö
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mit aller Macht des Gemüts, mit aller Anstrengung, die nur der Körper dulden wolle, dem
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Bergbau ergebe, vielleicht dereinst die süßesten Hoffnungen erfüllt werden könnten, und so
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geschah es, daß er in unglaublich kurzer Zeit es dem geübtesten Bergmann in der Arbeit
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gleichtat.

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Mit jedem Tage gewann der wackre Pehrson Dahlsjö den fleißigen, frommen Jüngling mehr
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lieb und sagte es ihm öfters unverhohlen, daß er in ihm nicht sowohl einen tüchtigen Knappen
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als einen geliebten Sohn gewonnen. Auch Ullas innige Zuneigung tat sich immer mehr und mehr
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kund. Oft, wenn Elis zur Arbeit ging und irgend Gefährliches im Werke war, bat, beschwor sie
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ihn, die hellen Tränen in den Augen, doch nur ja sich vor jedem Unglück zu hüten. Und wenn er
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dann zurückkam, sprang sie ihm freudig entgegen und hatte immer das beste Aehl zur Hand
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oder sonst ein gut Gericht bereitet, ihn zu erquicken.

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Das Herz bebte dem Elis vor Freude, als Pehrson Dahlsjö einmal zu ihm sprach, daß da er
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ohnedies ein gut Stück Geld mitgebracht, es bei seinem Fleiß, bei seiner Sparsamkeit ihm gar
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nicht fehlen könne, künftig zum Besitztum eines Berghemmans oder wohl gar einer Bergfrälse
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zu gelangen, und daß dann wohl kein Bergbesitzer zu Falun ihn abweisen werde, wenn er um
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die Hand der Tochter werbe. Er hätte nun gleich sagen mögen, wie unaussprechlich er Ulla liebe
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und wie er alle Hoffnung des Lebens auf ihren Besitz gestellt. Doch unüberwindliche Scheu,
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mehr aber wohl noch der bange Zweifel, ob Ulla, wie er manchmal ahne, ihn auch wirklich liebe,
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verschlossen ihm den Mund.

454
Es begab sich, daß Elis Fröbom einmal in der tiefsten Teufe arbeitete, in dicken
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Schwefeldampf gehüllt, so daß sein Grubenlicht nur schwach durchdämmerte und er die Gänge
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des Gesteins kaum zu unterscheiden vermochte. Da hörte er, wie aus noch tieferm Schacht ein
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Klopfen geraustönte, als werde mit dem Puchhammer gearbeitet. Da dergleichen Arbeit nun
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nicht wohl in der Teufe möglich und Elis wohl wußte, daß außer ihm heute niemand
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herabgefahren, da der Steiger eben die Leute im Förderschacht anstellte, so wollte ihm das
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Pochen und Hämmern ganz unheimlich bedünken. Er ließ Handfäustel und Eisen ruhen und
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horchte zu den hohl anschlagenden Tönen, die immer näher und näher zu kommen schienen.
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Mit eins gewahrte er dicht neben sich einen schwarzen Schatten und erkannte, da eben ein
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schneidender Luftstrom den Schwefeldampf verblies, den alten Bergmann von Göthaborg, der
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ihm zur Seite stand. „Glück auf!“ rief der Alte, „Glück auf, Elis Fröbom, hier unten im Gestein! –
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Nun, wie gefällt dir das Leben, Kamerad?“ – Elis wollte frage, auf welche wunderbare Art der
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Alte in den Schacht gekommen; der schlug aber mit seinem Hammer an das Gestein mit solcher
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Kraft, daß Feuerfunken umherstoben und es wie ferner Donner im Schacht widerhallte, und rief
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dann mit entsetzlicher Stimme: „Das ist hier ein herrlicher Trappgang, aber du schnöder,
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schuftiger Geselle schauest nichts als einen Trumm, der kaum eines Strohhalms mächtig. – Hier
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unten bist du ein blinder Maulwurf, dem der Metallfürst ewig abhold bleiben wird, und oben
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vermagst du auch nichts zu unternehmen und stellst vergebens dem Garkönig nach. – Hei! des
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Pehrson Dahlsjö Tochter Ulla willst du zum Weibe gewinnen, deshalb arbeitest du hier ohne
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Lieb` und Gedanken. – Nimm dich in acht, du falscher Gesell, daß der Metallfürst, den du
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verhöhnst, dich nicht faßt und hinabschleudert, daß deine Glieder zerbröckeln am scharfen
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Gestein. – Und nimmer wird Ulla dein Weib, das sag ich dir!“ –

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Dem Elis wallte der Zorn auf vor den schnöden Worten des Alten. „Was tust du“, rief er, „was
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tust du hier in dem Schacht meines Herrn Pehrson Dahlsjö, in dem ich arbeite mit aller Kraft und
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wie es meines Berufs ist? Hebe dich hinweg, wie du gekommen, oder wir wollen sehen, wer hier
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unten einer dem andern zuerst das Gehirn einschlägt.“ – Damit stellte sich Elis Fröbom trotzig
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vor den Alten hin und schwang sein eisernes Handfäustel, mit dem er gearbeitet, hoch empor.
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Der Alte lachte höhnisch auf, und Elis sah mit Entsetzen, wie er behende gleich einer Eichkatz'
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die schmalen Sprossen der Leiter heraufhüpfte und in dem schwarzen Geklüft verschwand.

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Elis fühlte sich wie gelähmt an allen Gliedern, die Arbeit wollte nicht mehr vonstatten gehen, er
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stieg herauf. Als der alte Obersteiger, der eben aus dem Förderschacht gestiegen, ihn
485
gewahrte, rief er: „Um Christus willen, was ist die widerfahren, Elis, du siehst blaß und verstört
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aus wie der Tod! – Gelt! – der Schwefeldampf, den du noch nicht gewohnt, hat es dir angetan? –
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Nun – trink, guter Junge, das wird dir wohltun.“ – Elis nahm einen tüchtigen Schluck
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Branntwein aus der Flasche, die ihm der Obersteiger darbot, und erzählte dann erkräftigt alles,
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was sich unten im Schacht begeben, sowie auf welche Weise er die Bekanntschaft des alten
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unheimlichen Bergmanns in Göthaborg gemacht.

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Der Obersteiger hörte alles ruhig an, dann schüttelte er aber bedenklich den Kopf und sprach:
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„Elis Fröbom, das ist der alte Torbern gewesen, dem du begegnet, und ich merke nun wohl, daß
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das mehr als ein Märlein ist, was wir uns hier von ihm erzählen. Vor mehr als hundert Jahren gab
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es hier in Falun einen Bergmann namens Torbern. Er soll einer der ersten gewesen sein, der den
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Bergbau zu Falun recht in Flor gebracht hat, und zu seiner Zeit war die Ausbeute bei weitem
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reicher als jetzt. Niemand verstand sich damals auf den Bergbau so als Torbern, der, in tiefer
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Wissenschaft erfahren, dem ganzen Bergwesen in Falun vorstand. Als sei er mit besonderer
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höherer Kraft ausgerüstet, erschlossen sich ihm die reichsten Gänge, und kam noch hinzu, daß
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er ein finstrer tiefsinniger Mann war, der, ohne Weib und Kund, ja ohne eigentliches Obdach in
500
Falun zu haben, beinahe niemals ans Tageslicht kam, sondern unaufhörlich in den Taufen
501
wühlte, so konnte es nicht fehlen, daß bald von ihm die Sage ging, er stehe mit der geheimen
502
Macht, die im Schoß der Erde waltet und die Metalle kocht, im Bunde. Auf Torberns strenge
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Ermahnungen nicht achtend, der unaufhörlich Unglück prophezeite, sobald nicht wahre Liebe
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zum wunderbaren Gestein und Metall den Bergmann zur Arbeit antreibe, weitete man in
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gewinnsüchtiger Gier die Gruben immer mehr und mehr aus, bis endlich am Johannistage des
506
Jahres eintausendsechshundert und siebenundachtzig sich der fürchterlich Bergsturz
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ereignete, der unsere ungeheure Pinge schuf und dabei den ganzen Bau dergestalt verwüstete,
508
daß erst nach vielem Mühen und mit vieler Kunst mancher Schacht wiederhergestellt werden
509
konnte. Von Torbern war nichts mehr zu hören und zu sehn, und gewiß schien es, daß er, in der
510
Teufe arbeitend, durch den Einsturz verschüttet. – Bald darauf, und zwar als die Arbeit immer
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besser und besser vonstatten ging, behaupteten die Hauer, sie hätten im Schacht den alten
512
Torbern gesehen, der ihnen allerlei guten Rat erteilt und die schönsten Gänge gezeigt. Andere
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hatten den Alten oben an der Pinge umherstreichend erblickt, bald wehmütig klagend, bald
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zornig tobend. Andere Jünglinge kamen so wie du hieher und behaupteten, ein alter Bergmann
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habe sie ermahnt zum Bergbau und hieher gewiesen. Das geschah allemal, wenn es an
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Arbeitern mangeln wollte, und wohl mochte der alte Torbern auch auf diese Weise für den
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Bergbau sorgen. – Ist es nun wirklich der alte Torbern gewesen, mit dem du Streit gehabt im
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Schacht, und hat er von einem herrlichen Trappgange gesprochen, so ist es gewiß, daß dort
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eine reiche Eisenader befindlich, der wir morgen nachspüren wollen. – Du hast nämlich nicht
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vergessen, daß wir hier die eisengehaltige Ader im Gestein Trappgang nennen und daß Trumm
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eine Ader von dem Gange ist, die sich in verschiedene Teile zerschlägt und wohl gänzlich
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auseinandergeht.“ –

523
Als Elis Fröbom, von mancherlei Gedanken hin und her geworfen, eintrat in Pehrson Dahlsjös
524
Haus, kam ihm nicht wie sonst Ulla freundlich entgegen. Mit niedergeschlagenem Blick und, wie
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Elis zu bemerken glaubte, mit verweinten Augen saß Ulla da und neben ihr ein stattlicher junger
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Mann, der ihre Hand festhielt in der seinigen und sich mühte, allerlei Freundliches, Scherzhaftes
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vorzubringen, worauf Ulla aber nicht sonderlich achtete. – Pehrson Dahlsjö zog den Elis, der,
528
von trüber Ahnung er griffen, den starren Blick auf das Paar heftete, fort ins andere Gemach
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und begann: „Nun, Elis Fröbom, wirst du bald deine Liebe zu mir, deine Treue beweisen können,
530
denn, habe ich dich schon immer wie meinen Sohn gehalten, so wirst du es nun wirklich werden
531
ganz und gar. Der Mann, den du bei mir siehst, ist der reiche Handelsherr, Eric Olawsen
532
geheißen, aus Göthaborg. Ich geb ihm auf sein Werben meine Tochter zum Weibe; er zieht mit
533
ihr nach Göthaborg, und du bleibst dann allein bei mir, Elis, meine einzige Stütze im Alter. – Nun,
534
Elis, du bleibst stumm? – du erbleichst, ich hoffe nicht, daß dir mein Entschluß mißfällt, daß du
535
jetzt, da meine Tochter mich verlassen muß, auch von mir willst! – doch ich höre Herrn Olawsen
536
meinen Namen nennen – ich muß hinein!“ –

537
Damit ging Pehrson wieder in das Gemach zurück.

538
Elis fühlte sein Inneres von tausend glühenden Messern zerfleischt. – Er hatte keine Worte,
539
keine Tränen. – In wilder Verzweiflung rannte er aus dem Hause fort – fort – bis zur großen
540
Pinge. Bot das ungeheure Geklüft schon im Tageslicht einen entsetzlichen Anblick dar, so war
541
vollends jetzt, da die Nacht eingebrochen und die Mondesscheibe erst aufdämmerte, das wüste
542
Gestein anzusehen, als wühle und wälze unten eine zahllose Schar gräßlicher Untiere, die
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scheußliche Ausgeburt der Hölle, sich durcheinander am rauchenden Boden und blitze herauf
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mit Flammenaugen und strecke die riesigen Krallen aus nach dem armen Menschenvolk. –

545
„Torbern – Torbern!“ schrie Elis mit furchtbarer Stimme, daß die öden Schlüfte widerhallten –
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„Torbern, hier bin ich! – Du hattest recht, ich war ein schuftiger Gesell, daß ich alberner
547
Lebenshoffnung auf der Oberfläche der Erde mich hingab! – Unten liegt mein Schatz, mein
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Leben mein alles! – Torbern! steig herab mit mir, zeig mir die reichsten Trappgänge, da will ich
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wühlen und bohren und arbeiten und das Licht des Tages fürder nicht mehr schauen! – Torbern!
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– Torbern – steig herab mit mir!“ –

551
Elis nahm Stahl und Stein aus der Tasche, zündete sein Grubenlicht an und stieg hinab in den
552
Schacht, den er gestern befahren, ohne daß sich der Alte sehen ließ. Wie ward ihm, als er in der
553
tiefsten Teufe deutlich und klar den Trappgang erblickte, so daß er seiner Salbänder, Streichen
554
und Fallen zu erkennen vermochte.

555
Doch als er fester und fester den Blick auf die wunderbare Ader im Gestein richtete, war es,
556
als ginge ein blendendes Licht durch den ganzen Schacht, und seine Wände wurden
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durchsichtig wie der reinste Kristall. Jener verhängnisvolle Traum den er in Göthaborg geträumt,
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kam zurück. Er blickt in die paradiesische Gefilde der herrlichsten Metallbäume und Pflanzen,
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an denen wie Früchte, Blüten und Blumen feuerstrahlende Steine hingen. Er sah die Jungfrauen,
560
er schaute das hohe Antlitz der mächtigen Königin. Sie erfaßte ihn, zog ihn hinab, drückte ihn
561
an ihre Brust, da durchzuckte ein glühender Strahl sein Inneres, und sein Bewußtsein war nur
562
das Gefühl, als schwämme er in den Wogen einer blauen, durchsichtig funkelnden Nebels. –

563
„Elis Fröbom, Elis Fröbom!“ – rief eine starke Stimme von oben herab, und der Widerschein
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von Fackeln fiel in den Schacht. Pehrson Dahlsjö selbst war es, der mit dem Steiger hinabkam,
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um den Jüngling, den sie wie im hellen Wahnsinn nach der Pinge rennen gesehen, zu suchen. –

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Sie fanden ihn wie erstarrt stehend, das Gesicht gedrückt in das kalte Gestein.

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„Was“, rief Pehrson ihn an, „was machst du hier unten zur Nachtzeit, unbesonnener junger
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Mensch! – Nimm deine Kraft zusammen und steige mit uns herauf, wer weiß, was du oben
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Gutes erfahren wirst!“

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In tiefem Schweigen stieg Elis herauf, in tiefem Schweigen folgte er dem Pehrson Dahlsjö, der
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nicht aufhörte, ihn tapfer auszuschelten, daß er sich in solche Gefahr begeben.

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Der Morgen war hell aufgegangen, als sie ins Haus traten. Ulla stürzte mit einem lauten Schrei
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dem Elis an die Brust und nannte ihn mit den süßesten Namen. Aber Pehrson Dahlsjö sprach zu
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Elis: „Du Tor! mußte ich es denn nicht längst wissen, daß du Ulla liebtest und wohl nur
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ihretwegen mit so vielem Fleiß und Eifer in der Grube arbeitetest? Mußte ich nicht längst
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gewahren, daß auch Ulla dich liebte recht aus dem tiefsten Herzensgrunde? Konnte ich mit
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einen bessern Eidam wünschen als einen tüchtigen, fleißigen, frommen Bergmann, als eben
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dich, mein braver Elis? – Aber daß ihr schwiegt, das ärgerte, das kränkte mich.“ – „Haben wir“,
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unterbrach Ulla den Vater, „haben wir denn selbst gewußt, daß wir uns so unaussprechlich
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liebten ?“ – „Mag“, fuhr Pehrson Dahlsjö fort, „mag dem sein, wie ihm wolle, genug, ich
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ärgerte mich, daß Elis nicht offen und ehrlich von seiner Liebe zu mir sprach, und deshalb und
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weil ich dein Herz auch prüfen wollte, förderte ich gestern das Märchen mit Herrn Eric Olawsen
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zutage, worüber du bald zugrunde gegangen wärst. Du toller Mensch! – Herr Eric Olawsen ist ja
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längst verheiratet, und dir, braver Elis Fröbom, gebe ich meine Tochter zum Weibe, denn ich
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wiederhole es, keinen bessern Schwiegersohn konnt` ich mir wünschen.“

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Dem Elis rannten die Tränen herab vor lauter Wonne und Freude. Alles Lebensglück war so
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unerwartet auf ihn herabgekommen, und es mußte ihm beinahe bedünken, er stehe abermals
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im süßen Traum! –

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Auf Pehrson Dahlsjös Gebot sammelten sich die Bergleute mittags zum frohen Mahl.

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Ulla hatte sich in ihren schönsten Schmuck gekleidet und sah anmutiger aus als jemals, so
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daß alle ein Mal über das andere riefen: „Ei, welche hochherrliche Braut hat unser wackrer Elis
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Fröbom erworben! – Nun! der Himmel segne beide in ihrer Frömmigkeit und Tugend!“

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Auf Elis Fröboms bleichem Gesicht lag noch das Entsetzen der Nacht, und oft starrte er vor
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sich hin, wie entrückt allem, was ihn umgab.

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„Was ist dir, mein Elis?“ fragte Ulla. Elis drückte sie an seine Brust und sprach: „Ja, ja! – Du
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bist wirklich mein, und nun ist ja alles gut!“ –

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Mitten in aller Wonnen war es dem Elis manchmal, als griffe auf einmal eine eiskalte Hand in
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sein Inneres hinein, und eine dunkle Stimme spräche: „Ist es denn nun noch dein Höchstes, daß
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du Ulla erworben? Du armer Tor! – Hast du nicht das Antlitz der Königin geschaut?“ –

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Er fühlte sich beinahe übermannt von einer unbeschreiblichen Angst, der Gedanke peinigte
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ihn, es werde nun plötzlich einer von den Bergleuten riesengroß sich vor ihm erheben, und er
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werde zu seinem Entsetzen den Torbern erkennen, der gekommen, ihn fürchterlich zu mahnen
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an das unterirdische Reich der Steine und Metalle, dem er sich ergeben!

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Und doch wußte er wieder gar nicht, warum ihm der gespenstische Alte feindlich sein, was
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überhaupt sein Bergmannshantieren mit seiner Liebe zu schaffen haben solle.

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Pehrson merkte wohl Elis Fröboms verstörtes Wesen und schrieb es dem überstandenen
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Weh, der nächtlichen Fahrt in den Schacht zu. Nicht so Ulla, die, von geheimer Ahnung
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ergriffen, in den Geliebten drang, ihr doch nur zu sagen, was ihm denn Entsetzliches begegnet,
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das ihn ganz von ihr hinwegreiße. Dem Elis wollte die Brust zerspringen. – Vergebens rang er
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darnach, der Geliebten von dem wunderbaren Gesicht, das sich ihm in der Teufe aufgetan, zu
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erzählen. Es war, als verschlösse ihm eine unbekannte Macht mit Gewalt den Mund, als schaue
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aus seinem Innern heraus das furchtbare Antlitz der Königin, und nenne er ihren Namen, so
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würde, wie bei dem Anblick des entsetzlichen Medusenhaupts, sich alles um ihn her versteinen
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zum düstern schwarzen Geklüft! – Alle Herrlichkeit, die ihn unten in der Taufe mit der höchsten
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Wonne erfüllt, erschien ihm jetzt wie eine Hölle voll trostloser Qual, trügerisch ausgeschmückt
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zur verderblichsten Verlockung!

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Pehrson Dahlsjö gebot, daß Elis Fröbom einige Tage hindurch daheim bleiben solle, um sich
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ganz von der Krankheit zu erholen, in die er gefallen schien. In dieser Zeit verscheuchte Ullas
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Liebe, die nun hell und klar aus ihrem kindlichen frommen Herzen ausströmte, das Andenken an
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die verhängnisvollen Abenteuer im Schacht. Elis lebte ganz auf in Wonne und Freude und
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glaubte an sein Glück, das wohl keine böse Macht mehr verstören könne.

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Als er wieder hinabfuhr in den Schacht, kam ihm in der Teufe alles ganz anders vor wie sonst.
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Die herrlichsten Gänge lagen offen ihm vor Augen, er arbeitete mit verdoppeltem Eifer, er
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vergaß alles, er mußte sich, auf die Oberfläche hinaufgestiegen, auf Pehrson Dahlsjö, ja auf
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seine Ulla besinnen, er fühlte sich wie in zwei Hälften geteilt, es war ihm, als stiege sein
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besseres, sein eigentliches Ich hinab in den Mittelpunkt der Erdkugel und ruhe aus in den
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Armen der Königin, während er in Falun sein düsteres Lager suche. Sprach Ulla mit ihm von
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ihrer Liebe und wie sie so glücklich miteinander leben würden, so begann er von der Pracht der
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Teufen zu reden, von den unermeßlich reichen Schätzen, die dort verborgen lägen, und
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verwirrte sich dabei in wunderliche unverständliche Reden, daß Angst und Beklommenheit das
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arme Kind ergriff und sie gar nicht wußte, wie Elis sich auf einmal so in seinem ganzen Wesen
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geändert. – Dem Steiger, Pehrson Dahlsjö selbst verkündete Elis unaufhörlich in voller Lust wie
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er die reichhaltigsten Adern, die herrlichsten Trappgänge entdeckt, und wenn sie dann nichts
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fanden als taubes Gestein, so lachte er höhnisch und meinte, freilich verstehe er nur allein die
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geheimen Zeichen die bedeutungsvolle Schrift, die die Hand der Königin selbst hineingrabe in
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das Steingeklüft, und genug sei es auch eigentlich, die Zeichen zu verstehen, ohne das, was sie
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verkündeten, zutage zu fördern.

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Wehmütig blickte der alte Steiger den Jüngling an, der mit wild funkelndem Blick von dem
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glanzvollen Paradiese sprach, das im tiefen Schoß der Erde aufleuchte.

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„Ach, Herr“, lispelte der Alte Pehrson Dahlsjön leise ins Ohr, „ach, Herr, dem armen Jungen
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hat's der böse Torbern angetan!“ –

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„Glaubt“, erwiderte Pehrson Dahlsjö, „glaubt nicht an solche Bergmannsmärlein, Alter! –
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Dem tiefsinnigen Neriker hat die Liebe den Kopf verrückt, das ist alles. Laßt nur erst die
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Hochzeit vorüber sein, dann wird's sich schon geben mit den Trappgängen und Schätzen und
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dem ganzen unterirdischen Paradiese!“ –

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Der von Pehrson Dahlsjö bestimmte Hochzeitstag kam endlich heran. Schon einige Tage
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vorher war Elis Fröbom stiller, ernster, in sich gekehrter gewesen als jemals, aber auch nie hatte
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er sich so ganz in Liebe der holden Ulla hingegeben als in dieser Zeit. Er mochte sich keinen
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Augenblick von ihr trennen, deshalb ging er nicht zur Grube; er schien an sein unruhiges
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Bergmannstreiben gar nicht zu denken, denn kein Wort von dem unterirdischen Reich kam über
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seine Lippen. Ulla war ganz voll Wonne; alle Angst, wie vielleicht die bedrohlichen Mächte des
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unterirdischen Geklüfts, von denen sie oft alte Bergleute reden gehört, ihren Elis ins Verderben
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locken würden, war verschwunden. Auch Pehrson Dahlsjö sprach lächelnd zum alten Steiger:
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„Seht Ihr wohl, daß Elis Fröbom nur schwindlicht geworden im Kopfe vor Liebe zu meiner Ulla!“ –

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Am frühen Morgen des Hochzeitstages – es war der Johannistag – klopfte Elis an die Kammer
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seiner Braut. Sie öffnete und fuhr erschrocken zurück, als sie den Elis erblickte schon in den
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Hochzeitskleidern, todbleich, dunkel sprühendes Feuer in den Augen. „Ich will“, sprach er mit
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leiser, schwankender Stimme, „ich will dir nur sagen, meine herzgeliebte Ulla, daß wir dicht an
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der Spitze des höchsten Glücks stehen, wie es nur dem Menschen hier auf Erden beschieden.
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Mir ist in dieser Nacht alles entdeckt worden. Unten in der Teufe liegt in Chlorit und Glimmer
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eingeschlossen der kirschrot funkelnde Almandin, auf den unsere Lebenstafel eingegraben, den
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mußt du von mir empfangen als Hochzeitsgabe. Er ist schöner als der herrlichste blutrote
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Karfunkel, und wenn wir, in treuer Liebe verbunden, hineinblicken in sein strahlendes Licht,
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können wir es deutlich erschauen, wie unser Inneres verwachsen ist mit dem wunderbaren
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Gezweige, das aus dem Herzen der Königin im Mittelpunkt der Erde emporkeimt. Es ist nur
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nötig, daß ich diesen Stein hinauffördere zutage, und das will ich nunmehro tun. Gehab dich so
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lange wohl, meine herzgeliebte Ulla! – bald bin ich wieder hier.“

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Ulla beschwor den Geliebten mit heißen Tränen, doch abzustehen von diesem träumerischen
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Unternehmen, da ihr großes Unglück ahne; doch Elis Fröbom versicherte, daß er ohne jenes
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Gestein niemals eine ruhige Stunde haben würde und daß an irgendeine bedrohliche Gefahr gar
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nicht zu denken sei. Er drückte die Braut innig an seine Brust und schied von dannen.

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Schon waren die Gäste versammelt, um das Brautpaar nach der Kopparbergskirche, wo nach
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gehaltenem Gottesdienst die Trauung vor sich gehen sollte, zu geleiten. Eine ganze Schar
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zierlich geschmückter Jungfrauen, die nach der Sitte des Landes als Brautmädchen der Braut
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voranziehen sollten, lachten und scherzten um Ulla her. Die Musikanten stimmten ihre
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Instrumente und versuchten einen fröhlichen Hochzeitsmarsch. – Schon war es beinahe Mittag,
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noch immer ließ sich Elis Fröbom nicht sehen. Da stürzten plötzlich Bergleute herbei, Angst und
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Entsetzen in den bleichen Gesichtern, und meldeten, wie eben ein fürchterlicher Bergfall die
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ganze Grube, in der Dahlsjös Kuxe befindlich, verschüttet.

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„Elis – mein Elis, du bist hin – hin!“ – So schrie Ulla laut auf und fiel wie tot nieder. – Nun
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erfuhr erst Pehrson Dahlsjö von dem Steiger, daß Elis am frühen Morgen nach der großen Pinge
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gegangen und hinabgefahren, sonst hatte, da Knappen und Steiger zur Hochzeit geladen,
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niemand in dem Schacht gearbeitet. Pehrson Dahsjö, alle Bergleute eilten hinaus, aber alle
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Nachforschungen, so wie sie nur selbst mit der höchsten Gefahr des Lebens möglich, blieben
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vergebens. Elis Fröbom wurde nicht gefunden. Gewiß war es, daß der Erdsturz den Unglücklich
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im Gestein begraben; und so kam Elend und Jammer über das Haus des wackern Pehrson
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Dahlsjö in dem Augenblick, als er Ruhe und Frieden für seine alten Tage sich zu bereiten
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gedacht.

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Längst war der wackre Masmeister Altermann Pehrson Dahlsjö gestorben, längst seine
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Tochter Ulla verschwunden, niemand in Falun wußte von beiden mehr etwas, da seit Fröboms
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unglückseligem Hochzeitstage wohl an die funfzig Jahre verflossen. Da geschah es, daß die
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Bergleute, als sie zwischen zwei Schachten einen Durchschlag versuchten, in einer Teufe von
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dreihundert Ellen im Vitriolwasser den Leichnam eines jungen Bergmanns fanden, der
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versteinert schien, als sie ihn zutage förderten.

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Es war anzusehen, als läge der Jüngling in tiefem Schlaf, so frisch, so ohne alle Spur der
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Verwesung seine zierliche Bergmannskleider, ja selbst die Blumen an der Brust. Alles Volk aus
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der Nähe sammelte sich im den Jüngling, den man heraufgetragen aus der Pinge, aber niemand
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kannte die Gesichtszüge des Leichnams, und keiner der Bergleute vermochte sich auch zu
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entsinnen, daß irgendeiner der Kameraden verschüttet. Man stand im Begriff, den Leichnam
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weiter fortzubringen nach Falun, als aus der Ferne ein steinaltes eisgraues Mütterchen auf
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Krücken hinankeuchte. „Dort kommt das Johannismütterchen!“ riefen einige von den
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Bergleuten. Diesen Namen hatten sie der Alten gegeben, die sie schon seit vielen Jahren
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bemerkt, wie sie jedesmal am Johannistage erschien, in die Tiefe schauend, die Hände ringend,
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in den wehmütigsten Tönen ächzend und klagend, an der Pinge umherschlich und dann wieder
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verschwand.

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Kaum hatte die Alte den erstarrten Jüngling erblickt, als sie beide Krücken fallen ließ, die Arme
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hoch empor streckte zum Himmel und mit dem herzerschneidensten Ton der tiefsten Klage rief:
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„O Elis Fröbom – o mein Elis – mein süßer Bräutigam!“ Und damit kauerte sie neben dem
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Leichnam nieder und faßte die erstarrten Hände und drückte sie an ihre im Alter erkaltete Brust,
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in der noch, wie heiliges Naphthafeuer unter der Eisdecke, ein Herz voll heißer Liebe schlug.
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„Ach“, sprach sie dann, sich im Kreise umschauend, „ach, niemand, niemand von euch kennt
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mehr die arme Ulla Dahlsjö, dieses Jünglings glückliche Braut vor fünfzig Jahren! – Als ich mit
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Gram und Jammer fortzog nach Ornäs, da tröstete mich der alte Torbern und sprach, ich würde
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meinen Elis, den das Gestein begrub, am Hochzeitstage wiedersehen hier auf Erden, und da bin
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ich jahraus, jahrein hergekommen und habe, ganz Sehnsucht und treue Liebe, hinabgeschaut in
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die Tiefe. – Und heute ist mir ja wirklich solch seliges Wiedersehen vergönnt! – O mein Elis –
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mein geliebter Bräutigam!“

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Aufs neue schlug sie die dürren Arme um den Jüngling, als wolle sie ihn nimmer lassen und
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alle standen tiefbewegt ringsumher.

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Leiser und leiser wurden die Seufzer, wurde das Schluchzen der Alten, bis es dumpf vertönte.

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Die Bergleute traten hinan, sie wollten die arme Ulla aufrichten, aber sie hatte ihr Leben
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ausgehaucht auf dem Leichnam des erstarrten Bräutigams. Man bemerkte, daß der Körper des
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Unglücklichen, der fälschlicherweise für versteinert gehalten, in Staub zu zerfallen begann.

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In der Kopparbergskirche, dort, wo vor fünfzig Jahren das Paar getraut werden sollte, wurde
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die Asche des Jünglings beigesetzt und mit ihr die Leiche der bis in den bittern Tod getreuen
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Braut.

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