Inhalt
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
BW, Gymnasium (G9)
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 13
Klasse 13
Klasse 12
Klasse 11
Klasse 10
Klasse 9
Klasse 8
Klasse 7
Klasse 6
Klasse 5
Fach & Lernbereich
Fachauswahl: Deutsch
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Lektürehilfen
Digitales Schulbuch
Abitur
VERA 8
Abitur
Prüfung
wechseln
Abitur
VERA 8
Mach dich schlau mit SchulLV!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!
Inhaltsverzeichnis
Lernbereich Lektürehilfen
Übersicht
Agnes
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Romanstruktur
Intertextualität
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2-8
Kapitel 9 - 17
Kapitel 18 - 23
Kapitel 24 - 29
Kapitel 30 - 35
Kapitel 36 Schluss
Charaktere
Agnes
Erzähler
Louise
Themen und Orte
Fiktion und Wirklichk...
Bildnis und Identität...
Isolation und Anonymi...
Motive und Symbole
Punkte und Glück
Kälte
Tod
Wärme
Spuren
Schöpfung
Erzählweise
Prüfungsaufgaben zur ...
Corpus Delicti
Übersicht
Handlung
Kap. 1 - 10
Kap. 11 - 16
Kap. 17 - 22
Kap. 23 - 33
Kap. 34 - 40
Kap. 41 - 50
Aufbau
Charakterisierung
Mia Holl
Moritz Holl
Heinrich Kramer
Die ideale Geliebte
Anwalt Rosentreter
Richterin Sophie
Richter Hutschneider
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Moderne
Zukunftsliteratur
Persönliche Einflüsse
Rezeption
Interpretation
Diktatur - Die Method...
Körper höchstes Gut
Gericht ohne Recht
Totale Überwachung
Kampf um Freiheit
Science Fiction oder ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Dantons Tod
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Personen
Figurenkonstellation
Danton
Die Dantonisten
Robespierre und der W...
Interpretation
Der politische Aspekt
Der weltanschauliche ...
Fazit
Realismus in Dantons ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Fräulein von Scud...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Die Geheimnisse der M...
Paris, die Stadt des ...
Die Herkunft des Käst...
Ein weiterer Mord
Oliviers Erzählung
Tugend siegt am Ende ...
Charaktere
Magdaleine von Scuder...
René Cardillac
Das Paar Olivier Brus...
Der Hofstaat - Ludwig...
Das Gesetz - la Regni...
Themen
Der Mensch - zum Gute...
Schuld, Unschuld und ...
Illusion und Wirklich...
Motive und Symbole
Tag und Nacht, Himmel...
Der Schmuck und die J...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Parfum
Handlung
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Vierter Teil
Formaler Aufbau
Charakterisierungen
Grenouille
Pater Terrier
Madame Gaillard
Grimal
Baldini
Marquise
Antoine Richis
Laure Richis
Druot
Stil
Erzählperspektive
Sprache
Rhetorische Mittel
Kontext
Epoche
Parfüm-Geschichte
Interpretation
Grenouille als Monste...
Genie-Gedanke
Innere Duftwelt
Duft als Macht
Bildungsroman
Schauerroman
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Besuch der alten ...
Kontext und Einordnun...
Handlung
Charaktere
Claire Zachanassian
Alfred Ill
Der Lehrer
Der Pfarrer
Der Polizist
Familie Ill
Die Güllener
Interpretation
Themen
Symbole
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Bürgermeister
Der goldne Topf
Handlung
1. Vigilie
2. Vigilie
3. Vigilie
4. Vigilie
5. Vigilie
6. Vigilie
7. Vigilie
8. Vigilie
9. Vigilie
10. Vigilie
11. Vigilie
12. Vigilie
Kontext
Epoche
Entstehung und Rezept...
Modernes Märchen
Personen
Aufbau
Antithetik
Erzähltechnik
Stil und Sprache
Sprache
Mythen
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Proceß
Entstehung und Einord...
Inhalt
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Figuren
Josef K.
Onkel K.
Advokat Huld
Kaufmann Block
Gerichtsmaler Titorel...
Die Frauenfiguren
Einführung
Fräulein Bürstner
Frau des Gerichtsdien...
Leni
Struktur
Sprache und Stil
Erzählperspektive
Interpretation
Einführung
Das Gericht
Die Türhüterparabel
Verschiedene Interpre...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Sandmann
Handlung
Personen
Kontext und Einordnun...
Motive
Doppelgängermotiv
Augenmotiv
Sprache
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Steppenwolf
Handlung
Zusammenfassung
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Harry Hallers Aufzeic...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Charaktere
Hauptperson
Kontrast- und Spiegel...
Hermine
Pablo
Maria
Nebenfiguren
Die Bürger
Die unsterblichen Kün...
Stil und Sprache
Vorwort des fiktiven ...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Motive, Symbole und B...
Der Steppenwolf
Der Spiegel
Die Ewigkeit und der ...
Die Unsterblichen
Die Musik
Der Tanz
Der Humor
Die Bedeutung des Mag...
Interpretation
Zeit- und Kulturkriti...
Entwicklung der Persö...
Parallelen zu Goethes...
Autobiographische Sel...
Die Marquise von O...
Übersicht
Handlung
Abschnitt 1
Abschnitt 2
Abschnitt 3
Abschnitt 4
Abschnitt 5
Aufbau
Charakterisierung
Die Marquise von O...
Herr von G...
Frau von G...
Graf F...
Stil
Erzählperspektive
Stilmittel
Kontext
Zeitgeschichte
Das Frauenbild um 180...
Interpretation
Gesellschaftskritik
Emanzipation
Tiefenpsychologie
Die Verwandlung
Kontext und Einordnun...
Inhalt
1. Teil
2. Teil
3. Teil
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Der Vater
Die Mutter
Die Schwester
Gregor
Interpretation
Die biographische Int...
Die psychoanalytische...
Die sozialkritische I...
Motive
Welche Verwandlung?
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Faust I
Kontext und Einordnun...
Autor
Epocheneinordnung
Inhalt der Vorspiele
Inhalt der Gelehrten-...
Nacht
Vor dem Tor
Studierzimmer (I)
Studierzimmer (II)
Brückenszenen
Auerbachs Keller in L...
Hexenküche
Inhalt der Gretchen T...
Straße I
Abend
Spaziergang
Der Nachbarin Haus
Straße II
Garten
Ein Gartenhäuschen
Wald und Höhle
Gretchens Stube
Marthens Garten
Am Brunnen
Zwinger
Nacht
Dom
Walpurgisnacht
Walpurgisnachtstraum
Trüber Tag, Feld
Nacht, offen Feld
Kerker
Figuren
Figurenübersicht
Faust
Gretchen
Mephisto
Nebencharaktere
Struktur
Sprache und Stil
Interpretation
Faust und die Konzept...
Faust und Gretchen
Der Pakt mit dem Teuf...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Hamlet
Übersicht
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Akt 5
Aufbau
Charakterisierung
Hamlet
Gertrude
Claudius
Polonius
Ophelia
Laertes
Horatio
Geist
Figurenkonstellation
Stil
Sprache
Stilmittel
Monologe
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Schein
Wahnsinn
Rache
Machtgier
Mutter-Problematik
Liebe
Krimi
Homo Faber
Kontext und Einordnun...
Gliederung
Erste Station
Zweite Station
Handlung
Erste Station
Zweite Station
Figuren
Walter Faber
Hanna Piper
Elisabeth Piper
Ivy
Formales und sprachli...
Ein Bericht? Formaler...
Sprechende Namen
Sprache und Stil
Interpretation
Themen
Orte
Motive und Symbole
Frischs Kritik am Typ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Irrungen, Wirrungen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1 - 15
Kapitel 16 - 26
Aufbau
Charakterisierung
Lene Nimptsch
Botho von Rienäcker
Frau Nimptsch
Frau Dörr
Käthe von Sellenthin
Gideon Franke
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Entwicklungsroman
Gesellschaftskritik
Zeitroman
Psychologischer Roman
Kabale und Liebe
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Auf einen Blick
Akt I
Akt II
Akt III
Akt IV
Akt V
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Auf einen Blick
Miller
Millers Frau
Luise
Sekretär Wurm
Ferdinand von Walter
Präsident von Walter
Hofmarschall von Kalb
Lady Milford
Interpretation
Auf einen Blick
Sozialkritik in Kabal...
Elemente des Sturm un...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Klein Zaches genannt ...
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Figuren
Allgemeines
Balthasar
Zaches
Struktur
Interpretation
Klein Zaches und das ...
Klein Zaches - eine S...
Fazit
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Lenz
Übersicht
Handlung
Gebirgswanderung
Leben im Pfarrhaus
Treffen mit Kaufmann
Oberlins Abwesenheit
Selbstmordversuche
Aufbau
Charakterisierung
Lenz
Oberlin
Kaufmann
Stil
Sprache
Erzählperspektive
Interpretation
Motive
Lenz' Weltanschauung
Prüfungsaufgaben zur ...
Maria Stuart
Handlung
1. Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug
4. Aufzug
5. Aufzug
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Personen
Charakterisierungen
Personenkonstellation
Aufbau des Dramas
Stil und Sprache
Stilmittel
Metrum und Reim
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Medea
Übersicht
Handlung
Prolog
Einzugslied
1. Aufzug
1. Standlied
2. Aufzug
2. Standlied
3. Aufzug
3. Standlied
4. Aufzug
4. Standlied
5. Aufzug
5. Standlied
Auszug
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Amme
Kreon
Aigeus
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Figurenrede
Kontext
Euripides' Werk
Mythos Medea
Interpretation
Rachsucht aus Liebe
Patriarchale Welt
Vergleich mit Medea. ...
Medea. Stimmen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Leukon
Akamas
Agameda
Presbon
Glauke
Kreon
Lyssa
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Zeitgeschichtlicher H...
Mythos Medea
Interpretation
Autobiografisch
Sündenbock-Thematik
Feminismus
Vergleich mit Euripid...
Woyzeck
Handlung
Zusammenfassung
Szene 1 - 2
Szene 3 - 7
Szene 8 - 10
Szene 11 - 15
Szene 16 - 21
Szene 22 - 26
Szene 27
Aufbau des Dramas
Charakterisierungen
Franz Woyzeck
Marie Zickwolf
Nebenfiguren
Stil und Sprache
Kontext
Epoche
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Woyzecks Motive
Armut und Arbeit
Das Erbsenexperiment
Zurechnungsfähigkeit

Gregor

Lektürehilfen
Download als Dokument:PDF
Gregor Samsa ist ein ehemaliger Soldat, der Disziplin und Engagement verinnerlicht hat. Dies zeigt sich daran, dass er für seinen Beruf als Handelsreisender fast sein gesamtes Privatleben aufgegeben hat – er spricht von einem „nie herzlich werdende[n] menschliche[n] Verkehr“ (S. 8), seine Freizeit verbringt er damit, Zeitungen zu lesen, die Fahrpläne vorzustudieren oder ab und an Laubsägearbeiten anzufertigen. Alles deutet darauf hin, dass er außer seiner Familie keine näheren Bekanntschaften hat (seine Kollegen ausgenommen, von denen ihnen allerdings keiner besucht). Gregor arbeitet fleißig und unermüdlich, um das Leben seiner Familie zu bezahlen und ihre Schulden bei seinem Arbeitgeber zu begleichen. Er ist der alleinige Geldgeber seiner Familie, die damit von ihm abhängig ist. Es erfüllt Gregor mit Stolz, seiner Familie ein Leben in einer großen Wohnung finanzieren zu können – seine größte Sorge nach der Verwandlung in einen Käfer ist es auch, dass „alle Ruhe, aller Wohlstand, alle Zufriedenheit ein Ende mit Schrecken nehmen“ könnten (S. 29). In seinem beruflichen Eifer beweist Gregor sein aufopferungsvolles, hilfsbereites, liebevolles und selbstloses Wesen, denn er hasst seinen Beruf, der ihm keine Freiheiten lässt, und seinen herablassenden Chef; nach Begleichung der familiären Schuld möchte er kündigen. „Der große Schnitt“, wie er ihn nennt (S. 9), ist seine Hoffnung auf die Zukunft. Das viele Arbeiten bei zwischenmenschlicher Kälte, das einsame Leben als Handelsreisender verurteilt er kurz nach dem Erkennen seiner Verwandlung mit dem Fluch „Der Teufel soll das alles holen!“ (S. 8) Bis dahin aber verzichtet er auf persönliches Glück, auf enge Freunde und eine Geliebte. Gregor opfert sich für das Wohl seiner Familie auf – was man durchaus auf seine Vergangenheit als Soldat zurückführen kann. Die Verhältnisse auf der Arbeit verletzen Gregor, dem man in seiner soldatischen Vergangenheit wahrscheinlich mit Respekt und nicht mit Misstrauen begegnete, daher sehr.

Abb. 1: Gregor's Pains, erstellt von „LamianQueen“, 2012 .
Abb. 1: Gregor's Pains, erstellt von „LamianQueen“, 2012.
Ein Gefühl von Freiheit und Ruhe hat ihm der Blick aus seinem Fenster vermittelt (S. 37) – ein bescheidener Ausgleich für den familiären und beruflichen Druck, dem Gregor ausgesetzt ist. Dennoch hat Gregor keinen Ausbruchsversuch unternommen; dass er seit Beginn seines Berufs als Handelsreisender kein einziges Mal krank war (oder eher: sich hat krankmelden lassen) beweist seinen unermüdlichen Einsatz. Er tut alles für seine Familie; seiner Schwester möchte er den Wunsch erfüllen, ein Konservatorium besuchen zu können, „ohne Rücksicht auf die großen Kosten“, die den großen Schnitt wahrscheinlich weiter in die Zukunft verschieben würden (S. 35). Diese Erwartungen, die er an sich selbst stellt, stellen jedoch auch eine Belastung dar, da Gregor mehr arbeiten muss, um sie zu erfüllen. Da er gewissermaßen für andre lebt, nämlich seine Familie, kann er sich nicht selbst verwirklichen. Die folgliche Unzufriedenheit wiederum ist womöglich der Grund für seine Verwandlung, die also als eine Reaktion auf eine bedrückende Umwelt verstanden werden kann.
Auf die Verwandlung reagiert Gregor nicht mit Entsetzen, obwohl sie seine Stellung und das Glück der Familie bedroht. Er verdrängt sie am ersten Morgen nach seiner Verwandlung bisweilen, z. B. beabsichtigt er, trotz allem zu frühstücken und seinen geschäftlichen Termin wahrzunehmen (wovon er allerdings später Abstand nimmt). Er bewahrt ein ruhiges Gemüt, darauf hoffend, seine Verwandlung rückgängig machen zu können. Trotz der absurden Umstände zeigt er sich selbstbeherrscht, größtenteils vernünftig (auch wenn sein Entschluss, doch noch zu arbeiten, sehr unvernünftig ist) und reflektiert. Er nimmt seine Verwandlung im Laufe des ersten Teils als Tatsache hin, mit der man zurechtkommen muss. Er reagiert damit sehr viel gefasster auf die absurde Situation als sein Umfeld, das vor ihm erschrickt und sich ekelt, was Gregor wiederum beschämt. Schließlich versucht Gregor, seiner Familie das Leben mit ihm zu vereinfachen. Er sorgt sich um deren Schicksal, ihre finanzielle Not, die er unwillentlich durch seine Verwandlung verursacht, erfüllt ihn mit „Beschämung und Trauer“ (S. 37). Die Verhältnisse haben sich durch die Verwandlung umgekehrt: Vorher hat sich Gregor um die Familie gekümmert, nun ist er selbst als Käfer hilfsbedürftig und eine Last für die Familie. Dass er seiner Familie nicht beistehen kann, belastet ihn. Andererseits fordert er auch, dass man ihn pflegt und sein Zimmer sauberhält, macht seiner Schwester sogar Vorwürfe, als sie ihn vernachlässigt (S. 54). Dennoch empfindet er große Dankbarkeit über das, was man ihm gibt, wenngleich er darunter leidet, seinen Dank nicht vermitteln zu können.
Auch als Käfer verliert Gregor nicht seine Rücksicht, denn er will „der Familie die Unannehmlichkeiten erträglich machen“ die durch seine Gestalt verursacht werden (S. 30). Er stellt seine eigenen Ansprüche größtenteils zurück und zieht ein Leintuch über das Kanapee, unter das er sich zurückzieht, um seine Familienmitglieder nicht mit seinem Anblick zu erschrecken, wenn diese das Zimmer betreten. Er begnügt sich damit, ab und zu aus dem Fenster zu blicken und die Wände entlangzukriechen, um sich zu zerstreuen. Er wirft der Familie nicht vor, ihn in seinem Zimmer einzuschließen und ist stattdessen äußerst dankbar, als diese nach dem Apfelwurf beschließt, die Tür abends für ein paar Stunden offenzulassen, damit Gregor an ihrem Leben zumindest als verborgener Beobachter teilnehmen kann. Er sorgt sich mehr um deren Schicksal als um sein eigenes, bewahrt sein aufopferungsvolles Wesen also auch als Käfer. Seine Bereitschaft, für die Familie zu leben oder den Schaden möglichst gering zu halten, den er durch seine neue Form verursacht, ist wohl auch einer der Gründe, weshalb er seine Familie missversteht. Gregor kritisiert seine Familie kaum und sieht gute Absichten, wo keine sind. So wertet er es als Rücksichtnahme, als die Schwester ihn im Zimmer einschließt, nachdem sie ihm Essen gebracht hat, anstatt das treffender als Ekel und Furcht zu deuten (S. 31). Als er erfährt, dass die Familie ohne sein Wissen noch einiges Geld besitzt, freut er sich darüber und lobt es sogar als kluge, „unerwartete Vorsicht und Sparsamkeit“ (S. 36) und nicht als Betrug. Die unwürdige Behandlung, die er durch die Familie erfährt, akzeptiert er in weiten Teilen und stellt nur kleinstmögliche Ansprüche. Auch nachdem ihn seine Schwester und sein Vater beseitigen wollen, denkt er noch mit Liebe an sie – auch wenn dieser Entschluss seine Hoffnung zunichte macht, das Verhältnis zu seiner Schwester wiederherzustellen, die er inniglich liebt. Grete liebt er sogar so sehr, dass er während ihres Konzerts daran denkt, sie in sein Zimmer zu entführen, wo er sich mit ihr aussöhnen und gegen alle Eindringlinge verteidigen will. Dieser Plan verdeutlicht den Mangel an Nähe, den Gregor als Gefangener in seinem eigenen Zimmer erleiden muss und seine Liebe zu Grete, die man auch als inzestuös (= sexuelles Begehren der eigenen Familienmitglieder) deuten kann.
Gregors Inneres beginnt sich zu verändern, nachdem er äußerlich verwandelt wurde. Nach und nach arrangiert er sich mit seinem Körper, beginnt am Anfang des zweiten Teils, seine Fühler zu schätzen (S. 28), kriecht über die Wände und die Decke; gewöhnliches Essen schmeckt ihm nicht mehr, dagegen findet Abfall seinen Geschmack. Am Ende des dritten Teils lauscht Gregor gebannt dem Violinenspiel seiner Schwester und überlegt daher, ob er nun ein Tier sei – früher mochte Gregor keine Musik, im Gegensatz zu seiner Schwester (S. 35). Er legt also nach und nach seine alten Gewohnheiten ab und arrangiert sich mit seinem neuen Zustand. Dennoch möchte er seine Menschlichkeit bewahren: Als sich die Schwester in den Kopf gesetzt hat, Möbel aus Gregors Zimmer herauszuräumen, empfindet Gregor dies nach anfänglicher Zustimmung als Beraubung seiner Andenken und damit seiner menschlichen Vergangenheit, er ist sogar bereit, seiner Schwester ins Gesicht zu springen, um seine Identität zu wahren (S. 46). Hierin zeigt sich auch ein gänzlich neuer Zug Gregors. Als Käfer macht er seiner Familie bisweilen auch Vorwürfe, stellt sich gegen sie, empfindet „Wut über die schlechte Wartung“ (S. 54), empfindet andererseits aber auch Schuld nach seinem Ausbruch, der die Ohnmacht der Mutter zur Folge hatte. Am Ende der Erzählung ist er infolge der Trauer über seine Vernachlässigung „zum Sterben müde“ (S. 57), er isst kaum mehr und schläft nur noch selten. Dies erklärt auch, warum er in den letzten Wochen seines Lebens „so wenig Rücksicht auf die andern“ nimmt (S. 59) und beim Konzert seiner Schwester hervorkriecht, obwohl er wissen müsste, dass sein Anblick die Menschen nur erschreckt. Vieles wird Gregor in seinem leidenden Zustand gleichgültig; positive Emotionen empfindet er im dritten Teil der Erzählung kaum noch. Nichtsdestotrotz stirbt er nach all der Vernachlässigung durch seine Familie und nach den Misshandlungen durch seinen Vater (vor dem sich Gregor als Käfer oftmals fürchtet) mit einem Gefühl der „Rührung und Liebe“ (S. 66), er stimmt ihr sogar zu, dass er verschwinden muss. Als er einsieht, dass er nur noch eine Last für seine Familie ist, stirbt Gregor bereitwillig – ein tragisches Ende für einen aufopferungsvollen und selbstlosen Menschen, der das Opfer einer absurden Situation wurde.
Bildnachweise [nach oben]
[1]
http://fc03.deviantart.net/fs70/f/2012/ 289/1/3/gregor__s_pains_by_lamianqueen- d5hyrk2.jpg – „LamianQueen“, Gregor's Pains, Lizenzart, z. B. CC BY-SA.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt Einzellizenz freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Folge uns auf
SchulLV als App