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Inhaltsverzeichnis
Lernbereich Lektürehilfen
Übersicht
Agnes
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Romanstruktur
Intertextualität
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2-8
Kapitel 9 - 17
Kapitel 18 - 23
Kapitel 24 - 29
Kapitel 30 - 35
Kapitel 36 Schluss
Charaktere
Agnes
Erzähler
Louise
Themen und Orte
Fiktion und Wirklichk...
Bildnis und Identität...
Isolation und Anonymi...
Motive und Symbole
Punkte und Glück
Kälte
Tod
Wärme
Spuren
Schöpfung
Erzählweise
Prüfungsaufgaben zur ...
Corpus Delicti
Übersicht
Handlung
Kap. 1 - 10
Kap. 11 - 16
Kap. 17 - 22
Kap. 23 - 33
Kap. 34 - 40
Kap. 41 - 50
Aufbau
Charakterisierung
Mia Holl
Moritz Holl
Heinrich Kramer
Die ideale Geliebte
Anwalt Rosentreter
Richterin Sophie
Richter Hutschneider
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Moderne
Zukunftsliteratur
Persönliche Einflüsse
Rezeption
Interpretation
Diktatur - Die Method...
Körper höchstes Gut
Gericht ohne Recht
Totale Überwachung
Kampf um Freiheit
Science Fiction oder ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Dantons Tod
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Personen
Figurenkonstellation
Danton
Die Dantonisten
Robespierre und der W...
Interpretation
Der politische Aspekt
Der weltanschauliche ...
Fazit
Realismus in Dantons ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Fräulein von Scud...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Die Geheimnisse der M...
Paris, die Stadt des ...
Die Herkunft des Käst...
Ein weiterer Mord
Oliviers Erzählung
Tugend siegt am Ende ...
Charaktere
Magdaleine von Scuder...
René Cardillac
Das Paar Olivier Brus...
Der Hofstaat - Ludwig...
Das Gesetz - la Regni...
Themen
Der Mensch - zum Gute...
Schuld, Unschuld und ...
Illusion und Wirklich...
Motive und Symbole
Tag und Nacht, Himmel...
Der Schmuck und die J...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Parfum
Handlung
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Vierter Teil
Formaler Aufbau
Charakterisierungen
Grenouille
Pater Terrier
Madame Gaillard
Grimal
Baldini
Marquise
Antoine Richis
Laure Richis
Druot
Stil
Erzählperspektive
Sprache
Rhetorische Mittel
Kontext
Epoche
Parfüm-Geschichte
Interpretation
Grenouille als Monste...
Genie-Gedanke
Innere Duftwelt
Duft als Macht
Bildungsroman
Schauerroman
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Besuch der alten ...
Kontext und Einordnun...
Handlung
Charaktere
Claire Zachanassian
Alfred Ill
Der Lehrer
Der Pfarrer
Der Polizist
Familie Ill
Die Güllener
Interpretation
Themen
Symbole
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Bürgermeister
Der goldne Topf
Handlung
1. Vigilie
2. Vigilie
3. Vigilie
4. Vigilie
5. Vigilie
6. Vigilie
7. Vigilie
8. Vigilie
9. Vigilie
10. Vigilie
11. Vigilie
12. Vigilie
Kontext
Epoche
Entstehung und Rezept...
Modernes Märchen
Personen
Aufbau
Antithetik
Erzähltechnik
Stil und Sprache
Sprache
Mythen
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Proceß
Entstehung und Einord...
Inhalt
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Figuren
Josef K.
Onkel K.
Advokat Huld
Kaufmann Block
Gerichtsmaler Titorel...
Die Frauenfiguren
Einführung
Fräulein Bürstner
Frau des Gerichtsdien...
Leni
Struktur
Sprache und Stil
Erzählperspektive
Interpretation
Einführung
Das Gericht
Die Türhüterparabel
Verschiedene Interpre...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Sandmann
Handlung
Personen
Kontext und Einordnun...
Motive
Doppelgängermotiv
Augenmotiv
Sprache
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Steppenwolf
Handlung
Zusammenfassung
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Harry Hallers Aufzeic...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Charaktere
Hauptperson
Kontrast- und Spiegel...
Hermine
Pablo
Maria
Nebenfiguren
Die Bürger
Die unsterblichen Kün...
Stil und Sprache
Vorwort des fiktiven ...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Motive, Symbole und B...
Der Steppenwolf
Der Spiegel
Die Ewigkeit und der ...
Die Unsterblichen
Die Musik
Der Tanz
Der Humor
Die Bedeutung des Mag...
Interpretation
Zeit- und Kulturkriti...
Entwicklung der Persö...
Parallelen zu Goethes...
Autobiographische Sel...
Die Marquise von O...
Übersicht
Handlung
Abschnitt 1
Abschnitt 2
Abschnitt 3
Abschnitt 4
Abschnitt 5
Aufbau
Charakterisierung
Die Marquise von O...
Herr von G...
Frau von G...
Graf F...
Stil
Erzählperspektive
Stilmittel
Kontext
Zeitgeschichte
Das Frauenbild um 180...
Interpretation
Gesellschaftskritik
Emanzipation
Tiefenpsychologie
Die Verwandlung
Kontext und Einordnun...
Inhalt
1. Teil
2. Teil
3. Teil
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Der Vater
Die Mutter
Die Schwester
Gregor
Interpretation
Die biographische Int...
Die psychoanalytische...
Die sozialkritische I...
Motive
Welche Verwandlung?
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Faust I
Kontext und Einordnun...
Autor
Epocheneinordnung
Inhalt der Vorspiele
Inhalt der Gelehrten-...
Nacht
Vor dem Tor
Studierzimmer (I)
Studierzimmer (II)
Brückenszenen
Auerbachs Keller in L...
Hexenküche
Inhalt der Gretchen T...
Straße I
Abend
Spaziergang
Der Nachbarin Haus
Straße II
Garten
Ein Gartenhäuschen
Wald und Höhle
Gretchens Stube
Marthens Garten
Am Brunnen
Zwinger
Nacht
Dom
Walpurgisnacht
Walpurgisnachtstraum
Trüber Tag, Feld
Nacht, offen Feld
Kerker
Figuren
Figurenübersicht
Faust
Gretchen
Mephisto
Nebencharaktere
Struktur
Sprache und Stil
Interpretation
Faust und die Konzept...
Faust und Gretchen
Der Pakt mit dem Teuf...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Hamlet
Übersicht
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Akt 5
Aufbau
Charakterisierung
Hamlet
Gertrude
Claudius
Polonius
Ophelia
Laertes
Horatio
Geist
Figurenkonstellation
Stil
Sprache
Stilmittel
Monologe
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Schein
Wahnsinn
Rache
Machtgier
Mutter-Problematik
Liebe
Krimi
Homo Faber
Kontext und Einordnun...
Gliederung
Erste Station
Zweite Station
Handlung
Erste Station
Zweite Station
Figuren
Walter Faber
Hanna Piper
Elisabeth Piper
Ivy
Formales und sprachli...
Ein Bericht? Formaler...
Sprechende Namen
Sprache und Stil
Interpretation
Themen
Orte
Motive und Symbole
Frischs Kritik am Typ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Irrungen, Wirrungen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1 - 15
Kapitel 16 - 26
Aufbau
Charakterisierung
Lene Nimptsch
Botho von Rienäcker
Frau Nimptsch
Frau Dörr
Käthe von Sellenthin
Gideon Franke
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Entwicklungsroman
Gesellschaftskritik
Zeitroman
Psychologischer Roman
Kabale und Liebe
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Auf einen Blick
Akt I
Akt II
Akt III
Akt IV
Akt V
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Auf einen Blick
Miller
Millers Frau
Luise
Sekretär Wurm
Ferdinand von Walter
Präsident von Walter
Hofmarschall von Kalb
Lady Milford
Interpretation
Auf einen Blick
Sozialkritik in Kabal...
Elemente des Sturm un...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Klein Zaches genannt ...
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Figuren
Allgemeines
Balthasar
Zaches
Struktur
Interpretation
Klein Zaches und das ...
Klein Zaches - eine S...
Fazit
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Landnahme
Übersicht
Handlung
Prolog
Thomas Nicolas
Marion Demutz
Peter Koller
Katharina Hollenbach
Sigurd Kitzerow
Epilog
Aufbau
Charakterisierung
Bernhard Haber
Thomas Nicolas
Marion Demutz
Peter Koller
Katharina Hollenbach
Sigurd Kitzerow
Stil
Erzählperspektive
Stilmittel
Kontext
Geschichtlicher Hinte...
Rezeption
Interpretation
Heimat
Fremdenfeindlichkeit
Gesellschaftskritik
Lenz
Übersicht
Handlung
Gebirgswanderung
Leben im Pfarrhaus
Treffen mit Kaufmann
Oberlins Abwesenheit
Selbstmordversuche
Aufbau
Charakterisierung
Lenz
Oberlin
Kaufmann
Stil
Sprache
Erzählperspektive
Interpretation
Motive
Lenz' Weltanschauung
Prüfungsaufgaben zur ...
Maria Stuart
Handlung
1. Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug
4. Aufzug
5. Aufzug
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Personen
Charakterisierungen
Personenkonstellation
Aufbau des Dramas
Stil und Sprache
Stilmittel
Metrum und Reim
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Medea
Übersicht
Handlung
Prolog
Einzugslied
1. Aufzug
1. Standlied
2. Aufzug
2. Standlied
3. Aufzug
3. Standlied
4. Aufzug
4. Standlied
5. Aufzug
5. Standlied
Auszug
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Amme
Kreon
Aigeus
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Figurenrede
Kontext
Euripides' Werk
Mythos Medea
Interpretation
Rachsucht aus Liebe
Patriarchale Welt
Vergleich mit Medea. ...
Medea. Stimmen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Leukon
Akamas
Agameda
Presbon
Glauke
Kreon
Lyssa
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Zeitgeschichtlicher H...
Mythos Medea
Interpretation
Autobiografisch
Sündenbock-Thematik
Feminismus
Vergleich mit Euripid...
Woyzeck
Handlung
Zusammenfassung
Szene 1 - 2
Szene 3 - 7
Szene 8 - 10
Szene 11 - 15
Szene 16 - 21
Szene 22 - 26
Szene 27
Aufbau des Dramas
Charakterisierungen
Franz Woyzeck
Marie Zickwolf
Nebenfiguren
Stil und Sprache
Kontext
Epoche
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Woyzecks Motive
Armut und Arbeit
Das Erbsenexperiment
Zurechnungsfähigkeit

Walter Faber

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Walter Faber ist der Protagonist seiner eigenen (Ich-)Erzählung. Aus Zürich stammend, ist der 50-jährige Ingenieur bei der Unesco (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), wo er „ technische Hilfe für unterentwickelte Völker “ leistet. Deshalb ist er ständig beruflich unterwegs und hat seine Heimatstadt Zürich seit Jahrzehnten nicht mehr besucht.
Über den Charakter Fabers erfahren wir nicht viel, weil alle persönlichen Informationen von selbigem stammen und mehr seinem Selbstbild als der Wirklichkeit entsprechen. Deutlich wird aber, dass Faber ein Misanthrop ist. Nachdem ihn zunächst sein Sitznachbar im Flugzeug genervt hat, dreht er den Spieß um, als die Motoren der Maschine ausfallen, was die anderen Passagiere in Schrecken versetzt. Nun lebt Faber auf und erzählt von einer scheußlichen Fischvergiftung und philosophiert über Amöben. Die Stewardess fragt er ob der Schwimmwesten sarkastisch, ob man in der Wüste schwimmen könne – dort nämlich muss das Flugzeug schließlich notlanden. Da Fabers Sitznachbar tatsächlich als beflissener, überkorrekter Deutscher geschildert wird, ermöglicht dieser Abschnitt, sich mit dem Techniker zu identifizieren. Wie Faber dem leidenden Deutschen zusetzt, lässt ihn hier sympathisch wirken (Vorstehendes nach S. 8-19).
Nach der Notlandung in der Wüste spielt Faber mit seinem Sitznachbarn Herbert Schach – charakteristisch für den Mann, der sich lieber mit Technik, Logik und Verstand als mit seinen Mitmenschen beschäftigt: „Ich schätze das Schach, weil man Stunden lang nichts zu reden braucht.“ (S. 25) So sind die Dinge, die er immer mit sich führt, auch technischer Natur: Kamera, Schreibmaschine und Schachspiel. Als er erfährt, dass sein Schachpartner der Bruder Joachims ist, eines Freundes früherer Tage, wird er allerdings selbst gesprächig und beginnt, Herbert auszufragen. Dessen Einsibligkeit reizt ihn nun, wie er selbst einräumt (S. 30). Immerhin ist es Herbert, dessentwegen er auf den Namen Hanna stößt.
Hanna ist Fabers Jugendliebe und ihre Erwähnung wirkt auf ihn so stark, dass er sogleich von ihr träumt (S. 31). Die Erinnerung an sie beschäftigt ihn, denn immer wieder unterbrechen nun Rückblenden und Reflexionen die sonst meist chronologische Erzählung. Am meisten denkt er über die geplatzte Heirat mit Hanna nach (S. 30-35, S. 49 u. S. 61). Faber sagt, dass er Hanna wirklich geliebt habe, was für ihn eine untypische Gefühlsäußerung darstellt.
Es ist Faber nach seiner Beziehung mit Hanna offensichtlich nicht gelungen, eine tiefgehende Beziehung zu einer anderen Frau aufzubauen. Mit Ivy springt er gefühllos um, wie etwa sein Brief an sie aus der Wüste zeigt, in dem er mit ihr Schluss machen will: „Wären wir bei dieser Notlandung verbrannt, könnte sie auch ohne mich leben! – schrieb ich ihr […].“ (S. 33) Auch reagiert er auf ihre Vorwürfe, er sei ein gefühlloser Egoist, mit Lachen – jedenfalls laut eigener Aussage. Dass Faber eigentlich bindungsunfähig ist, gesteht er recht freimütig ein: „Ivy heißt Efeu, und so heißen für mich eigentlich alle Frauen. Ich will allein sein!“ (S. 99)
Dass Faber ein gestörtes Verhältnis zu Frauen hat, liegt an seinem Selbstbild als Techniker, das Irrationales ausschließt. So hat er Probleme damit, seine triebhafte Natur anzuerkennen und betrachtet Sexualität als etwas Absurdes. Ivy ist für ihn „ein herzensguter Kerl, wenn sie nicht geschlechtlich wurde“ (S. 69), und im Grunde genommen fürchtet er sich deshalb vor ihr. Als sie seinen Absichten zum Trotz miteinander schlafen, weiß Faber nicht, „wie es wieder kam“ (S. 71). Auffällig ist, dass nach seinem Bekunden sexuelle Handlungen immer von den Frauen ausgehen (vgl. mit der Frau seines Lehrers S. 107f., mit Sabeth S. 135). Jedoch nur mit Hanna war es für Faber nicht absurd.
Dennoch scheiterte auch die Beziehung mit Hanna, die angesetzte Hochzeit platzte vor ihrem Vollzug. Die Gründe, die Faber dafür anbietet, widersprechen sich. Klar ist jedoch, dass beide grundverschiedene Charaktere sind. Während er sie „Schwärmerin“ und „Kunstfee“ nannte, sprach sie ihn spöttisch als „Homo Faber“ an. Homo faber bedeutet „der schaffende Mensch“ oder „der Mensch als Handwerker“ und ist ein Begriff aus der Anthropologie, um den modernen Menschen vom primitiven Menschen abzugrenzen, indem Erster als aktiver Veränderer seiner Umwelt beschrieben wird. Die Liebe zu Hanna scheiterte letztlich wohl daran, dass Faber sich auch ihr gegenüber nicht öffnen konnte – z. B. bat er sie, den Heiratsgedanken rein sachlich zu betrachten. Als sie ihm außerdem mitteilte, dass sie ein Kind von ihm erwarte, legte er ihr einen Schwangerschaftsabbruch nahe und sprach von deinem Kind (S. 51f.). Dass dieses Kind dennoch zur Welt gekommen ist, ahnt Faber nicht.
Walter Faber denkt in Stereotypen, die sein Selbst- und sein Weltbild formen. Er schreibt, und dies will er nicht als zynisch, sondern als sachlich verstanden wissen:
Ich lebe, wie jeder wirkliche Mann, in meiner Arbeit. […] [Ich] schätze mich glücklich, allein zu wohnen, meines Erachtens der einzigmögliche Zustand für Männer […]. Gefühle am Morgen, das erträgt kein Mann.
[…] Ich kann nicht die ganze Zeit Gefühle haben. (S. 98f.)
Ich lebe, wie jeder wirkliche Mann, in meiner Arbeit. […] [Ich] schätze mich glücklich, allein zu wohnen, meines Erachtens der einzigmögliche Zustand für Männer […]. Gefühle am Morgen, das erträgt kein Mann.
[…] Ich kann nicht die ganze Zeit Gefühle haben. (S. 98f.)
Andererseits gesteht Faber, von der Ich-Form zum unpersönlichen „man“ wechselnd:
Alleinsein ist nicht immer lustig, man ist nicht immer in Form. Manchmal wird man weich, aber man fängt sich wieder. Ermüdungserscheinungen ! Wie beim Stahl , Gefühle , so habe ich festgestellt, sind Ermüdungserscheinungen , nichts weiter, jedenfalls bei mir. Man macht schlapp! […] nachher hört man doch nur seine eignen Schritte in der leeren Wohnung. […] Dann Gin, obschon ich Gin, einfach so, nicht mag […]. Man kann sich nicht selbst Gutnacht sagen – Ist das ein Grund zum Heiraten? (S. 99f.)
Alleinsein ist nicht immer lustig, man ist nicht immer in Form. Manchmal wird man weich, aber man fängt sich wieder. Ermüdungserscheinungen ! Wie beim Stahl , Gefühle , so habe ich festgestellt, sind Ermüdungserscheinungen , nichts weiter, jedenfalls bei mir. Man macht schlapp! […] nachher hört man doch nur seine eignen Schritte in der leeren Wohnung. […] Dann Gin, obschon ich Gin, einfach so, nicht mag […]. Man kann sich nicht selbst Gutnacht sagen – Ist das ein Grund zum Heiraten? (S. 99f.)
Frauen sind für ihn gefühlsbetont, weshalb er sich ihnen als sachlicher Techniker überlegen wähnt. Auch hier ist es einzig Hanna, die er als gleichgestellt akzeptiert. Er bewundert sie dafür, dass sie ein selbstbestimmtes Leben führt; obwohl emanzipiert, findet er sie nicht unfraulich (S. 155). Dennoch versteht er auch sie nicht: Über ihre Sachlichkeit nach Sabeths Unfall ist er überrascht und nach ihrem Tod kann es kaum ertragen, dass sie ihm keine Vorwürfe macht: „Warum sagt sie's nicht, daß ich ihr Leben zerstört habe? […] Ein einziges Mal habe ich Hanna verstanden, als sie mit beiden Fäusten in mein Gesicht schlug, damals am Totenbett. Seither verstehe ich sie nicht mehr.“ (S. 209)
Übrigens ist sein Verhältnis zu Männern nicht viel besser, vielmehr gehen Faber seine Mitmenschen generell schnell auf die Nerven (S. 100). Sein einziger Freund ist Joachim, den er jedoch seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat. So muss davon ausgegangen werden, dass er in Amerika ziemlich isoliert lebt.
Faber definiert sich in hohem Maße über seine Arbeit und sein Selbstbild als Techniker. Als solcher sei er es „gewohnt, mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen“. Für Irrationales ist in seinem Denken kein Platz, er lehnt es schlichtweg ab. Selbst nach dem Zusammentreffen der unmöglichsten Umstände und dem Tod seiner Tochter sieht er die Ereignisse als eine „Kette von Zufällen“ – „Ich brauche, um das Unwahrscheinliche als Erfahrungstatsache gelten zu lassen, keinerlei Mystik; Mathematik genügt mir.“. Zur Untermauerung dieser Aussage macht er sogar bibliographische Angaben zu mathematischen Büchern (Vorstehendes nach S. 23f.). Indem Faber versucht, Fügung und Schicksal zu verneinen, zeigt er, dass er an diese Deutungsmöglichkeit zumindest auch gedacht hat. Er ist es, der die Interpretation der Ereignisse als Schicksalsgeschichte erst thematisiert.
Eigentlich pedantisch und gewissenhaft in beruflichen Dingen, unterbricht Faber seine Dienstreise, ohne zu wissen, warum (S. 35f.). Auffallend häufig kann Faber sich seine Handlungen nicht (rational) erklären, er kennt sich gewissermaßen selbst nicht. Wird er in seinem Selbstbild erschüttert, reagiert er zudem verunsichert, wie seine Reaktion auf Williams' Bemerkung („What about some holidays? You're looking like -“) zeigt (S. 104ff.).
Da Faber seine Umwelt und sich selbst einseitig wahrnimmt, sind seine Informationen nicht immer zuverlässig. Etwa springt dem Leser förmlich ins Auge, wie er sich in Sabeth verliebt und ihre Nähe sucht, sich dies aber nicht eingesteht. Verräterisch ist bereits, wie er sich an noch so kleine Details wie ihre Cowboyhosen erinnern kann – dabei beschreibt er sie als eine beiläufige Reisebekannschaft. Diese beiläufige Reisebekanntschaft äußert selbst: „Sie beobachten mich die ganze Zeit, Mister Faber, ich mag das nicht!“ (S. 92) Und als sie seekrank ist, liefert Faber sich mit Sabeths Freund einen absurd wirkenden Wettbewerb, die Dame zu bekümmern (S. 87ff.). Allein die Bezeichnung „Schnäuzchen-Freund“ für Sabeths Begleiter belegt seine Eifersucht.
Sabeth bewegt viel in Faber, der während der Schiffsreise strake Gefühle zeigt und nach eigener Aussage sogar sentimental wird, indem er ihr einen Heiratsantrag macht (S. 95, S. 102). Als er sie küsst, schreckt er jedoch vor ihr zurück und ist sprachlos. Sie ist ihm fremder als je ein Mädchen, „ihr halboffener Mund, es war unmöglich; […] zu sagen gab es nichts, es war unmöglich.“ Die Stelle deutet darauf hin, dass Faber instinktiv fühlt, dass eine Liebesbeziehung zu Sabeth nicht richtig ist („unmöglich“) – eine unbewusste Ahnung, dass sie seine Tochter sein könnte, scheint also mitzuschwingen. Dazu passt die Vaterrolle, die Faber ob des Altersunterschieds ihr gegenüber instinktiv einnimmt: Sie solle keine Stewardess werden, nicht per Autostopp (trampen) nach Rom, nicht so viel rauchen usw.
Obwohl Faber viel Zeit mit Sabeth verbringt, mit ihr durch Frankreich und Italien reist, kommt die Erkenntnis, dass sie seine Tochter ist, erst durch Hannas Geständnis. Einer früheren Erkenntnis steht Faber im Wege, indem er Sabeths Ähnlichkeit mit Hanna verdrängt. Verdrängung ist eine typische Handlung Fabers, was der Leser auch an anderen Textstellen festmachen kann:
  • Unangenehmes wird von Faber meist nicht chronologisch in den Bericht eingebettet, sondern nachgereicht (z. B. S. 73f.)
  • Faber ergeht sich in ernsten Situationen in Nebensächlichkeiten:
    • Als das Flugzeug nach Mexiko-Stadt notlanden muss, ist seine „erste Sorge: wohin mit dem Lunch?“ (S. 21)
    • Als sie den toten Joachim am Strick hängen sehen, fragt er sich angbelich, woher das noch laufende Radio den elektrischen Strom bezieht (S. 59)
  • Faber erzählt Hanna zunächst nichts von Joachims Tod. Auf ihre Frage nach Joachim redet er irgendetwas und spricht von alten Zeiten (S. 155).
  • Als er nach Sabeths Unfall bei Hanna ist, fürchtet er sich vor dem Moment, da man sich setzt (S. 157). Als er schließlich zugibt, dass er mit Sabeth geschlafen hat, ist er „geradezu munter, mindestens erleichtert“ (S. 159).
  • Hannas Frage „Du weißt […], daß es dein Kind ist?“ bejaht Faber (S. 171).
Faber ist also ein Meister der Verdrängung. Seiner Triebnatur, Unangenehmem wie dem Inzest mit Sabeth, seiner fortschreitenden Krankheit („es fehlt mir nur an Bewegung und frischer Luft, das ist alles“, S. 187) und dem Tod weicht er aus, er ist nicht bereit, sich mit diesen Dingen aueinanderzusetzen.
Zum Tod hat Faber ein klinisches Verhältnis. Joachims Bestattung wir nachgereicht mit der Bemerkung „Wir hätten Joachim […] verbrennen sollen.“ (S. 73) Vor Dreck und Tod empfindet Faber Ekel, weshalb ihm auch Joachims Begräbnis nicht behagt. Erde bedeutet für ihn nämlich „Schlamm […], Verwesung voller Keime, glitschig wie Vaseline, […] wie Tümpel von schmutzigem Blut, Monatsblut, […] wie ein Gewimmel von Spermatozoen, genau so – grauenhaft.“ Dabei ist zu beachten, dass „Mutter“ Erde mit weiblichen Attributen bedacht wird, so z. B. in der griechischen Mythologie: Dort ist die Göttin Gaia die personifizierte Erde und Urmutter. Mithin zeigt die zitierte Stelle, wie Fabers Ängste vor Tod, Natur, Sexualität und Weiblichem zusammenhängen. Sein Ekel geht dabei so weit, dass Verstand und Gefühl gegeneinander kämpfen. Im Gegensatz dazu sei Feuer (in der gr. Mythologie der Gott Hephaistos = männlich) eine saubere Sache: „(Ich möchte kremiert werden!)“ (S. 74)
Die Natur und was mit ihr zusammenhängt – nämlich Sexualität und Tod – bereitet Walter Schwierigkeiten, sie macht ihn nervös und er leidet unter ihrem Einfluss. Sinnbildlich dafür stehen etwa sein ständiges Duschen im Dschungel oder seine Unruhe, sobald er keinen Strom zur Verfügung hat und sich nicht rasieren kann: Er hat das Gefühl, er werde „etwas wie eine Pflanze“ (S. 29). Sein ständiges Rasieren bezeugt also eine Einstellung zur Natur, die vom Wunsch geprägt ist, sie zu beherrschen. Versagende Technik versetzt ihn ebenfalls in Unruhe, was die Szene mit dem kaputten Rasierapparat bezeugt (S. 68). Faber braucht die Kontrolle, das Ungewohnte und Plötzliche passt ebenso wenig zu ihm wie das Untätigsein (S. 81f.).
Im Ganzen lehnt er ab: Kommunismus, Mystik, Gott/Götter, Kunst, Romane, Museen, Zivilisations- und Kulturkritik („Künstlerquatsch“), Emanzipation („Backfischphilosophie“), und für Hannas Ex-Mann, Herrn Piper, interessiert er sich schon deshalb nicht, weil er aus Überzeugung in Ostdeutschland lebt. Den Hintergrund bilden hier die sozialistische DDR und die Blockbildung im Kalten Krieg.
Die Einstellung des Technikers zur Natur, zu Gefühlen und zur Kunst wandelt sich erst langsam, als er Sabeth kennenlernt. Beim gemeinsamen Besuch im römischen Museo Nazionale öffnet er sich und die gemeinsame Nacht draußen in Akrokorinth ist für ihn offensichtlich ein Erlebnis (S. 120f. u. S. 162ff.). Faber hat sich innerlich verändert, denn jetzt spielt er mit Sabeth sogar das Spiel mit sprachlichen Vergleichen.
Nach ihrem Tod überfällt ihn Wehmut: „Wäre es doch damals! nur zwei Monate zurück […].“ (S. 180) Zur Wandlung Fabers passt, dass es beruflich auch ohne ihn geht, der sich bisher über seinen Beruf definiert hat: Statt die Montage in Caracas zu leiten, liegt er krank im Hotelzimmer und schreibt den ersten Teil seines Berichts. Auf Kuba packt ihn schließlich die Sehnsucht nach dem wirklichen Leben, selbst die als absurd abgelehnte sexuelle Begierde begrüßt er nun. Ausgerechnet jetzt allerdings ist er impotent, die Taxi-Geschichte endet für ihn als Blamage. Ob Faber allerdings eine gänzlich andere Lebensauffassung hat oder sein bisheriges Leben einfach ablehnt, bleibt strittig. Für Letztes sprechen sein plötzlicher Zorn auf Amerika („Marcel hat recht“, S. 192) und die Aneinanderreihung von Klischees: Faber lässt sich vom Exotischen begeistern, hat aber ein allzu romantisches Bild vom alltäglichen Leben auf Kuba. Er ist vom Anderen fasziniert, sieht etwas Animalisch-Wildes in den Einheimischen und verdrängt mögliche Schattenseiten des Lebens auf der Antillen-Insel.
Richtig ist aber auch, dass Faber von seinen Gefühlen überwältigt wird. So lässt er eine ganze Filmspule mit Sabeth laufen, als er in Düsseldorf bei Hencke-Bosch den Film mit Joachims Tod zeigen will und der Techniker ihn darauf hinweist, dass dies nicht Guatemala sein könne (S. 204-208). Faber ist nicht nur offener Gefühlen gegenüber, auch zu Natur und Technik ändert sich seine Einstellung. Auf dem Flug nach Athen verspürt er den „Wunsch, Heu zu riechen!/ Nie wieder fliegen! / Wunsch, auf der Erde zu gehen -/ Wunsch, die Erde zu greifen -“ (S. 212).
Letztlich ist Faber ein Mensch, der an sich vorbeigelebt hat. Seine Wandlung ist auf die Begegnung mit Sabeth und seine fortschreitende Krankheit zurückzuführen, sie kommt jedoch zu spät. Für den Todesfall verfügt er, alle schriftlichen Zeugnisse von ihm zu verbrennen, „es stimmt nichts“. Die Vergänglichkeit aber hat er akzeptiert: „Auf der Welt sein: […] standhalten dem Licht der Freude […] im Wissen, daß ich erlösche“ (S. 216). Diese Worte schreibt Faber wenige Stunden vor seinem wahrscheinlichen Tod – kurz darauf bricht sein Bericht ab.
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