Inhalt
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
BW, Gymnasium (G9)
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 13
Klasse 13
Klasse 12
Klasse 11
Klasse 10
Klasse 9
Klasse 8
Klasse 7
Klasse 6
Klasse 5
Fach & Lernbereich
Fachauswahl: Deutsch
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Lektürehilfen
Digitales Schulbuch
Abitur
VERA 8
Abitur
Prüfung
wechseln
Abitur
VERA 8
Mach dich schlau mit SchulLV!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!
Inhaltsverzeichnis
Lernbereich Lektürehilfen
Übersicht
Agnes
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Romanstruktur
Intertextualität
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2-8
Kapitel 9 - 17
Kapitel 18 - 23
Kapitel 24 - 29
Kapitel 30 - 35
Kapitel 36 Schluss
Charaktere
Agnes
Erzähler
Louise
Themen und Orte
Fiktion und Wirklichk...
Bildnis und Identität...
Isolation und Anonymi...
Motive und Symbole
Punkte und Glück
Kälte
Tod
Wärme
Spuren
Schöpfung
Erzählweise
Prüfungsaufgaben zur ...
Corpus Delicti
Übersicht
Handlung
Kap. 1 - 10
Kap. 11 - 16
Kap. 17 - 22
Kap. 23 - 33
Kap. 34 - 40
Kap. 41 - 50
Aufbau
Charakterisierung
Mia Holl
Moritz Holl
Heinrich Kramer
Die ideale Geliebte
Anwalt Rosentreter
Richterin Sophie
Richter Hutschneider
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Moderne
Zukunftsliteratur
Persönliche Einflüsse
Rezeption
Interpretation
Diktatur - Die Method...
Körper höchstes Gut
Gericht ohne Recht
Totale Überwachung
Kampf um Freiheit
Science Fiction oder ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Dantons Tod
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Personen
Figurenkonstellation
Danton
Die Dantonisten
Robespierre und der W...
Interpretation
Der politische Aspekt
Der weltanschauliche ...
Fazit
Realismus in Dantons ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Fräulein von Scud...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Die Geheimnisse der M...
Paris, die Stadt des ...
Die Herkunft des Käst...
Ein weiterer Mord
Oliviers Erzählung
Tugend siegt am Ende ...
Charaktere
Magdaleine von Scuder...
René Cardillac
Das Paar Olivier Brus...
Der Hofstaat - Ludwig...
Das Gesetz - la Regni...
Themen
Der Mensch - zum Gute...
Schuld, Unschuld und ...
Illusion und Wirklich...
Motive und Symbole
Tag und Nacht, Himmel...
Der Schmuck und die J...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Parfum
Handlung
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Vierter Teil
Formaler Aufbau
Charakterisierungen
Grenouille
Pater Terrier
Madame Gaillard
Grimal
Baldini
Marquise
Antoine Richis
Laure Richis
Druot
Stil
Erzählperspektive
Sprache
Rhetorische Mittel
Kontext
Epoche
Parfüm-Geschichte
Interpretation
Grenouille als Monste...
Genie-Gedanke
Innere Duftwelt
Duft als Macht
Bildungsroman
Schauerroman
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Besuch der alten ...
Kontext und Einordnun...
Handlung
Charaktere
Claire Zachanassian
Alfred Ill
Der Lehrer
Der Pfarrer
Der Polizist
Familie Ill
Die Güllener
Interpretation
Themen
Symbole
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Bürgermeister
Der goldne Topf
Handlung
1. Vigilie
2. Vigilie
3. Vigilie
4. Vigilie
5. Vigilie
6. Vigilie
7. Vigilie
8. Vigilie
9. Vigilie
10. Vigilie
11. Vigilie
12. Vigilie
Kontext
Epoche
Entstehung und Rezept...
Modernes Märchen
Personen
Aufbau
Antithetik
Erzähltechnik
Stil und Sprache
Sprache
Mythen
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Proceß
Entstehung und Einord...
Inhalt
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Figuren
Josef K.
Onkel K.
Advokat Huld
Kaufmann Block
Gerichtsmaler Titorel...
Die Frauenfiguren
Einführung
Fräulein Bürstner
Frau des Gerichtsdien...
Leni
Struktur
Sprache und Stil
Erzählperspektive
Interpretation
Einführung
Das Gericht
Die Türhüterparabel
Verschiedene Interpre...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Sandmann
Handlung
Personen
Kontext und Einordnun...
Motive
Doppelgängermotiv
Augenmotiv
Sprache
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Steppenwolf
Handlung
Zusammenfassung
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Harry Hallers Aufzeic...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Charaktere
Hauptperson
Kontrast- und Spiegel...
Hermine
Pablo
Maria
Nebenfiguren
Die Bürger
Die unsterblichen Kün...
Stil und Sprache
Vorwort des fiktiven ...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Motive, Symbole und B...
Der Steppenwolf
Der Spiegel
Die Ewigkeit und der ...
Die Unsterblichen
Die Musik
Der Tanz
Der Humor
Die Bedeutung des Mag...
Interpretation
Zeit- und Kulturkriti...
Entwicklung der Persö...
Parallelen zu Goethes...
Autobiographische Sel...
Die Marquise von O...
Übersicht
Handlung
Abschnitt 1
Abschnitt 2
Abschnitt 3
Abschnitt 4
Abschnitt 5
Aufbau
Charakterisierung
Die Marquise von O...
Herr von G...
Frau von G...
Graf F...
Stil
Erzählperspektive
Stilmittel
Kontext
Zeitgeschichte
Das Frauenbild um 180...
Interpretation
Gesellschaftskritik
Emanzipation
Tiefenpsychologie
Die Verwandlung
Kontext und Einordnun...
Inhalt
1. Teil
2. Teil
3. Teil
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Der Vater
Die Mutter
Die Schwester
Gregor
Interpretation
Die biographische Int...
Die psychoanalytische...
Die sozialkritische I...
Motive
Welche Verwandlung?
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Faust I
Kontext und Einordnun...
Autor
Epocheneinordnung
Inhalt der Vorspiele
Inhalt der Gelehrten-...
Nacht
Vor dem Tor
Studierzimmer (I)
Studierzimmer (II)
Brückenszenen
Auerbachs Keller in L...
Hexenküche
Inhalt der Gretchen T...
Straße I
Abend
Spaziergang
Der Nachbarin Haus
Straße II
Garten
Ein Gartenhäuschen
Wald und Höhle
Gretchens Stube
Marthens Garten
Am Brunnen
Zwinger
Nacht
Dom
Walpurgisnacht
Walpurgisnachtstraum
Trüber Tag, Feld
Nacht, offen Feld
Kerker
Figuren
Figurenübersicht
Faust
Gretchen
Mephisto
Nebencharaktere
Struktur
Sprache und Stil
Interpretation
Faust und die Konzept...
Faust und Gretchen
Der Pakt mit dem Teuf...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Hamlet
Übersicht
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Akt 5
Aufbau
Charakterisierung
Hamlet
Gertrude
Claudius
Polonius
Ophelia
Laertes
Horatio
Geist
Figurenkonstellation
Stil
Sprache
Stilmittel
Monologe
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Schein
Wahnsinn
Rache
Machtgier
Mutter-Problematik
Liebe
Krimi
Homo Faber
Kontext und Einordnun...
Gliederung
Erste Station
Zweite Station
Handlung
Erste Station
Zweite Station
Figuren
Walter Faber
Hanna Piper
Elisabeth Piper
Ivy
Formales und sprachli...
Ein Bericht? Formaler...
Sprechende Namen
Sprache und Stil
Interpretation
Themen
Orte
Motive und Symbole
Frischs Kritik am Typ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Irrungen, Wirrungen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1 - 15
Kapitel 16 - 26
Aufbau
Charakterisierung
Lene Nimptsch
Botho von Rienäcker
Frau Nimptsch
Frau Dörr
Käthe von Sellenthin
Gideon Franke
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Entwicklungsroman
Gesellschaftskritik
Zeitroman
Psychologischer Roman
Kabale und Liebe
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Auf einen Blick
Akt I
Akt II
Akt III
Akt IV
Akt V
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Auf einen Blick
Miller
Millers Frau
Luise
Sekretär Wurm
Ferdinand von Walter
Präsident von Walter
Hofmarschall von Kalb
Lady Milford
Interpretation
Auf einen Blick
Sozialkritik in Kabal...
Elemente des Sturm un...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Klein Zaches genannt ...
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Figuren
Allgemeines
Balthasar
Zaches
Struktur
Interpretation
Klein Zaches und das ...
Klein Zaches - eine S...
Fazit
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Lenz
Übersicht
Handlung
Gebirgswanderung
Leben im Pfarrhaus
Treffen mit Kaufmann
Oberlins Abwesenheit
Selbstmordversuche
Aufbau
Charakterisierung
Lenz
Oberlin
Kaufmann
Stil
Sprache
Erzählperspektive
Interpretation
Motive
Lenz' Weltanschauung
Prüfungsaufgaben zur ...
Maria Stuart
Handlung
1. Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug
4. Aufzug
5. Aufzug
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Personen
Charakterisierungen
Personenkonstellation
Aufbau des Dramas
Stil und Sprache
Stilmittel
Metrum und Reim
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Medea
Übersicht
Handlung
Prolog
Einzugslied
1. Aufzug
1. Standlied
2. Aufzug
2. Standlied
3. Aufzug
3. Standlied
4. Aufzug
4. Standlied
5. Aufzug
5. Standlied
Auszug
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Amme
Kreon
Aigeus
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Figurenrede
Kontext
Euripides' Werk
Mythos Medea
Interpretation
Rachsucht aus Liebe
Patriarchale Welt
Vergleich mit Medea. ...
Medea. Stimmen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Leukon
Akamas
Agameda
Presbon
Glauke
Kreon
Lyssa
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Zeitgeschichtlicher H...
Mythos Medea
Interpretation
Autobiografisch
Sündenbock-Thematik
Feminismus
Vergleich mit Euripid...
Woyzeck
Handlung
Zusammenfassung
Szene 1 - 2
Szene 3 - 7
Szene 8 - 10
Szene 11 - 15
Szene 16 - 21
Szene 22 - 26
Szene 27
Aufbau des Dramas
Charakterisierungen
Franz Woyzeck
Marie Zickwolf
Nebenfiguren
Stil und Sprache
Kontext
Epoche
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Woyzecks Motive
Armut und Arbeit
Das Erbsenexperiment
Zurechnungsfähigkeit

Der Mensch - zum Guten wie zum Bösen befähigt

Lektürehilfen
Download als Dokument:PDF
Ein Merkmal von Hoffmanns Schreibkunst ist, dass sich seine Werke trotz aller Phantastik stets auf den Menschen und seine Rolle in der Welt, seinen Weg zum Glück (oder zum Unglück) beziehen. Anders als die Klassiker sieht er den Menschen nicht als ein Wesen, das eine höhere Wahrheit erahnen kann und deshalb dazu tendiert, sich seinen Idealen anzunähern. Zwar treten uns Ideale durch das Fräulein von Scuderi entgegen, doch zeigt E.T.A. Hoffmann, dass nicht jedem Menschen Zufriedenheit, Ruhe und moralisches Handeln möglich sind. Dies folgt aus der wesentlichen Erkenntnis, dass der Mensch nicht immer Herr seiner Sinne und seiner Psyche ist. Als Beispiel des – von Natur aus! – innerlich zerrissenen und zum Bösen neigenden Menschen dient René Cardillac. Er entscheidet sich nicht für das Böse, er weiß, dass seine Verbrechen moralisch schlecht sind, versucht, zumindest manche Leute zu verschonen und will die Erinnerung an seine Taten nach seinem Tode ausgelöscht wissen. Er genießt das Verbrechen nicht, sondern die Ruhe nach dem Verbrechen. Das Böse in ihm besteht nicht darin, dass er es liebt, anderen Menschen Schaden zuzufügen, sondern in einer psychischen Störung, die sich in einer heftigen Leidenschaft zu seiner Kunst und damit zu sich selbst offenbart. Er tut also das Böse nicht, um Böses zu tun, sondern, weil er sich getrieben und geplagt fühlt. Seine Verbrechen sind nicht Folge einer dämonischen Stärke, sondern einer menschlichen Schwäche. Er denkt selbst, dass er nicht anders kann, sieht seltsame Umstände während der Schwangerschaft seiner Mutter als Ursache für seine Taten. Er ist also Opfer seiner Begierde, der er nicht zu widerstehen vermag. Die Materie, Schmuck und seine Kunst geben seinem Leben einen Sinn. Ohne den Besitz fühlt er sich leer, sein Unterbewusstsein, eine andere Stimme, die er nicht kontrollieren kann, treibt ihn zum Mord. Cardillac ist ein Mensch, der sich im Ungleichgewicht befindet und durch seine Morde sein inneres Gleichgewicht herstellen möchte. Dadurch, dass er seine Begierde an Dingen festmacht und nicht am Leben selbst, sieht er sich von den gewöhnlichen Mechanismen der Welt, die nun mal nicht vorsieht, dass Besitz ewig ist, in seiner Persönlichkeit bedroht.
E.T.A. Hoffmann zieht also den Schluss, dass es Kräfte gibt, denen der Mensch nicht widerstehen kann. Die Vergangenheit ist hierfür ein Beispiel: Der Mensch kann sie nicht ändern, sie hat einen unabwendbaren Einfluss auf ihn. Die Gefahr verbirgt sich in seinem Innern, der Mensch ist mehr, als er zu sein scheint. Somit ist der Mensch für ihn keine Wesenseinheit: Bewusstsein und Unterbewusstsein können sich widersprechen. Die wahre Natur des Menschen entzieht sich dem Verstand.
Das Fräulein von Scuderi zeigt aber auch den guten Menschen. Was den Menschen zum Guten befähigt, ist jedoch nicht sein Verstand, sondern sein Gefühl. Der Mensch ist kein reines Vernunftswesen. Sowie ihn innere Kräfte verderben können und zur Zerstörung seiner Umwelt und damit letztlich seiner selbst drängen, so sind es auch Ahnungen und Intuition, die den sensiblen Menschen bemächtigen, sich für das Gute einzusetzen. Das Gute wird nicht durch den Verstand erkannt, sondern durch das Gefühl. Hieraus ergibt sich auch eine gesellschaftliche Tragweite der Novelle: Als Basis einer funktionierenden, moralischen Gesellschaft sieht E.T.A. Hoffmann (christliche) Werte, Gefühle, Mitgefühl, den Willen zur Vergebung und die Neigung zur Liebe. La Regnie und Desgrais bringen Tod und Unsicherheit, sie ermöglichen das Verbrechen durch ihr hartes Vorgehen, das auf bloßen Indizien (also Hinweisen, die mit dem Verstand registriert und ausgewertet werden) beruhen. Sie bringen dem Menschen keine Ruhe, sondern verunsichern ihn, sie erzeugen Angst. Dagegen dienen die Werte und die Liebe als Hoffnung auf bessere Zeiten, als Motivation, wirklich bleibend Gutes zu tun. Die Wahrheitsfindung erfolgt immer durch das Gefühl: Von Scuderi fühlt, dass Madelons Geschichte wahr und Olivier unschuldig ist, der König hört auf sein inneres Gefühl und begnadigt diesen. Der Romantiker E.T.A. Hoffmann richtet sich so gegen der aufklärerische Ideal des Vernunftmenschen, seine Version einer Gesellschaft wird nicht durch vernünftige Normen aufrechterhalten, sondern durch gefühlte Werte.
Eine besondere Rolle in der Novelle nehmen die Frauen ein. Wohl verbirgt sich darin der oben geschilderte Grundsatz, dass das Gefühl zum Guten führt. Traditionell spricht man den Frauen einen größeren Hang zu Emotionen zu als den Männern, nicht umsonst spricht der Volksmund von explizit weiblicher Intuition. Bemerkenswert ist bereits, dass E.T.A. Hoffmann eine alte Dame als Protagonistin und Titelheldin verwendet. Stets betont er ihre Liebenswürdigkeit und ihr großes Herz. Sie engagiert sich für den Kriminalfall, da sie fühlt, dass Olivier unschuldig ist, sie möchte Gnade erreichen. Sie ist ein Idealbild des emotionalen Menschen. Ihre Intuition spürt auf, was dem Verstand verborgen bleibt, ihre Intuition stellt die Gerechtigkeit wieder her. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist ihre Bereitschaft, den Menschen zuzuhören und sie nicht im Voraus zu kategorisieren. La Regnie tritt sie entgegen, ohne ihn der Ungerechtigkeit zu beschuldigen, Olivier, der ein potentieller Verbrecher ist, wird von ihr in ihren privaten Gemächern angehört. Die Zuwendung, das Interesse am Innenleben anderer Menschen erhält die Gesellschaft, bezeichnenderweise ist es das passive Zuhören, welches die Katastrophe abwendet. Die Aufklärung geschieht durch drei Monologe – den Oliviers, den Cardillacs und den Miossens' – und nicht durch das Verhör.
E.T.A. Hoffmann verdeutlicht, dass eine Gesellschaft nicht funktionieren kann, wenn nicht genügend auf das Individuum eingegangen wird. Dabei ist es besonders wichtig, zwischen des sozialen Sphären zu wechseln. Von Scuderi ist in der Hofgesellschaft verankert, begibt sich aber auch in die Sphäre des Bürgertums, indem sie mit Olivier und Madelon spricht. Sie verschließt sich nicht den dunklen Geheimnissen und der Kenntnis des Verbrechens, die den Hof an seiner Oberfläche nicht zu berühren scheinen. Dies entspricht wiederum dem romantischen Ideal: Nicht nur das Schöne und Reizende soll der Mensch kennen, sondern auch den Wahn und das Verbrechen. Das Gute wie das Böse sind Bestandteil dieser Welt, wer sie verbessern möchte, muss beide kennen. Dabei kann aber auch in Kauf genommen werden, dass Geheimnisse verborgen bleiben, wenn ihre „Enthüllung die Unschuld und Tugend selbst verderben“ (S. 64) würden.
Madelon und die Marquise de Maintenon sind auch an der Aufklärung des Falles beteiligt. De Maintenon ist es, die von Scuderi mit Cardillac bekannt macht. Madelon sorgt durch ihre Liebe dafür, dass von Scuderi nicht den Glauben an Oliviers Unschuld verliert, womit sie diesen schließlich rettet. Ohne diese Frauen wäre Olivier hingerichtet worden und die Morde Cardillacs niemals ans Licht gekommen. Die Frauen wirken korrigierend auf die Männer ein: Das Treiben der Chambre ardente, die keine Gnade und kein Mitgefühl kennt, unterbinden sie, den König überzeugen sie, sich auf sein Gefühl zu verlassen. Frauen sind hier die Inbegriffe der Tugend, ohne ihr aktives Eingreifen in die Gesellschaft würde diese im Chaos versinken.
In Hoffmanns Novelle nimmt die Kunst eine ambivalente Rolle ein. Deutlich wird, dass sie kein Selbstzweck ist – Cardillac steht der durch Schiller vertretenen Meinung, die Ästhetik der Kunst erziehe den Menschen, explizit entgegen. Kunst an sich macht den Menschen nicht zu einem liebenden, friedlichen Mitglied der Gesellschaft. Cardillacs Kunst ist höchst ästhetisch, doch erweckt sie Leidenschaften, die den Menschen verderben. Hieraus lässt sich die Erkenntnis ableiten, dass Kunst mit Werten gefüllt werden muss, um positiv auf den Menschen zu wirken. Die bloße Liebe zur Schönheit, zum Glanz ist falsch, sie kann nie vollends ausgelebt werden und verleitet den Menschen sogar zu Verbrechen. Von Scuderis Literatur jedoch wird wegen ihrer hohen Moralität gepriesen – es sind also die Inhalte, die den Wert der Kunst ausmachen, die dazu beitragen, den Menschen zu verbessern. Kunst als egomanische Passion jedoch wird als etwas Gefährliches dargestellt.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt Einzellizenz freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Folge uns auf
SchulLV als App