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Der Großbauer und seine vier Töchter

Der Großbauer und seine vier Töchter (R 12–24)

Einführung der Familie und der gesellschaftliche Rahmen

  • Das Kapitel beginnt mit der Einführung des Großbauern als Besitzer eines großen Grundstücks am Scharmützelsee. Er hat vier Töchter: Grete, Hedwig, Emma und Klara.
  • Gesellschaftliche Normen des ausgehenden 19. Jahrhunderts stehen im Mittelpunkt der Darstellung: strenge Bräuche und Pflichten bestimmen das Leben der Familie, insbesondere das der Töchter. Die Rolle der Frau ist klar reglementiert – ihre erste Pflicht nach der Hochzeit sei, so heißt es, „Wasser zu holen“ (R 14.12).

Der Großbauer als gesellschaftlich verwurzelter Patriarch

  • Der Großbauer wird auch „Wurrach“ oder „Schulze“ genannt und verkörpert als Gemeindeältester traditionelle Werte.
  • Seine familiäre Herkunft reicht weit zurück, ebenso seine Pflichten: So fährt er sonntags mit einer Kutsche durch das Dorf (R 15.4), was ein öffentlich sichtbares Zeichen seines Status darstellt.

Besitz und Wohlstand

  • Er besitzt ein großes Stück Land, eine sogenannte „Klothfostelle“, die er von seinem Vater geerbt hat. Knechte und Mägde arbeiten für ihn. Diese wirtschaftliche Grundlage sichert seiner Familie gesellschaftliches Ansehen und Stabilität (R 15.13, R 15.18).

Bräuche rund um Heirat und Weiblichkeitsbilder

  • Im Zentrum des Kapitels stehen wiederholte gesellschaftliche Bräuche zur Vorbereitung von Ehen. Diese richten sich stets an junge Frauen („Jungfern“) und betonen deren soziale Funktion als Ehefrauen und Mütter (R 16.4).

Fehlender Erbe und Folgen

Der Großbauer hat keinen Sohn – ein zentrales Problem, das sich durch das gesamte Kapitel zieht. Die Mutter der Töchter ist bereits bei der Geburt von Klara gestorben. Der Vater versucht zwar, seinen Besitz innerhalb der Familie weiterzugeben, aber:
  • Grete heiratet nicht, da ihr Verlobter nach Australien auswandert und den Kontakt abbricht (R 16.29).
  • Hedwig führt eine heimliche Beziehung mit einem Knecht. Als sie schwanger wird, begeht sie eine Abtreibung auf dem Dachboden. Die Fehlgeburt wird sprachlich drastisch reduziert („kleiner blutiger Klumpen“, R 17.13).
  • Emma übernimmt zwar praktische Aufgaben, kann jedoch nicht in die Rolle eines männlichen Erben schlüpfen – schlicht, weil sie eine Frau ist (R 17.16).

Klara: Erbin, Außenseiterin, Kranke

  • Klara, die jüngste Tochter, erhält den für den Roman zentralen Grundstücksteil, der später als „Klaras Wald“ bekannt wird (R 17.24). Sie lebt dort zunehmend zurückgezogen und begegnet einem Fischer, der allerdings möglicherweise nur in ihrer Vorstellung existiert.
  • Ihre psychische Erkrankung zeichnet sich durch sonderbares Verhalten ab, etwa durch Gespräche mit der Luft oder das Trommeln mit dem Nachttopf (R 20.23).

Klaras Entmündigung, Verkauf des Grundstücks und Tod

  • Klaras Grundstück wird nach ihrer Entmündigung in drei Parzellen aufgeteilt und an neue Eigentümer verkauft: einen Kaffeehändler, einen Tuchfabrikanten und einen Architekten (R 22.18, R 23.3). Diese drei Käufer und ihre Geschichten werden später ausführlich im Roman behandelt.
  • Schließlich stirbt Klara – vermutlich durch Suizid. Der Pfarrer verweigert ihr aufgrund ihres seelischen Zustands zunächst ein kirchliches Begräbnis. Ihr Vater nutzt jedoch seinen Einfluss, um es dennoch zu ermöglichen (R 23.3).

Schluss: Tod und soziale Rituale

  • Das Kapitel endet, wie es begann – mit einer ausführlichen Darstellung gesellschaftlicher Rituale, diesmal im Zusammenhang mit Beerdigungen: etwa der Kleiderordnung je nach Geschlecht der Leiche (R 24.4).
  • Damit wird der Kreis zu den Hochzeitsbräuchen geschlossen und die Durchdringung aller Lebensbereiche durch gesellschaftliche Normen betont.

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