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Die Schriftstellerin

Die Schriftstellerin (R 107-118)

Rückkehr und Besitzanspruch

  • Das Kapitel beginnt mit der Schriftstellerin als neuer Bewohnerin des Hauses am Scharmützelsee, das sie bereits seit zwanzig Jahren gepachtet hat (R 107). Im Jahr 1970 schreibt sie einen Brief an einen General, in dem sie sich gegen einen geplanten Zugang zum See auf dem Nachbargrundstück ausspricht, da dieser ihr eigenes Grundstück optisch verkleinern würde (R 107.2).
  • Der Brief wird in einer sehr persönlichen, beinahe intimen Weise formuliert, da sie den General aus der Kindheit kennt und ihn mit einem alten Kosenamen anspricht.

Alltagsleben auf dem Grundstück

  • Während sie schreibt, befindet sich die Schriftstellerin im Haus, umgeben von ihrer Familie und weiteren Gästen. Auf dem Grundstück halten sich zahlreiche Personen auf: die Schwiegertochter, der Enkel, ein junger Besucher, der später eine eigene Erzählperspektive bekommt („Der Kinderfreund“), sowie der Gärtner und eine Köchin (R 108).
  • Ihr Mann mäht den Rasen, während sie an der Schreibmaschine sitzt und durch das Fenster den See sieht und die Geräusche der Umgebung wahrnimmt.

Der Konflikt mit dem neuen Nachbarn

  • Ein wesentlicher Konfliktpunkt des Kapitels ist der neue Nachbar, ein Arzt, der Obstbäume und das Bienenhaus auf seinem Grundstück entfernen lässt und das Gelände bebaut. Seine Pläne und sein offizieller Zugang zum See erregen den Unmut der Schriftstellerin, da sie ihre vertraute Umgebung und den gewohnten Ausblick bedroht sieht. Auch das Verhalten des Arztes, der entgegen vorheriger Absprachen handelt, verstärkt die Spannung (R 109f.).

Die Schreibmaschine als Symbol der Heimat

  • Besondere Bedeutung erhält die alte Schreibmaschine der Schriftstellerin, die als zentrales Erinnerungsstück fungiert. Sie hat die Maschine während ihrer Flucht aus Berlin in den Osten Russlands mitgenommen und sie später nach Berlin zurückgebracht.
  • Die Abnutzung der Tasten steht symbolisch für das überstandene Leid und für das Festhalten an der Vergangenheit. Die Maschine wird zum Sinnbild für Heimat in Zeiten der Entwurzelung (R 110).

Exil, Verfolgung und Erinnerung

  • In Rückblenden wird die Lebensgeschichte der Schriftstellerin nachgezeichnet: Sie war während der NS-Zeit im sowjetischen Exil, hatte Kontakt zu Regimegegnern und führte etwa in Ufa eine Radiosendung mit Dokumenten über die „deutschen Barbaren“ (R 109.25).
  • Zwar wurde sie nicht wegen jüdischer Herkunft verfolgt, musste aber dennoch fliehen und ihre Herkunft aus Angst vor Deportation verschleiern, etwa durch das Färben ihrer Haare (R 112.9).

Rückblick auf politische und persönliche Entscheidungen

  • Die Erinnerungen der Schriftstellerin reichen bis zur Deportation von Bekannten nach Kasachstan. Ihr Rückblick enthält auch politische Einschätzungen: Besonders heftig verurteilt sie die sogenannten Mitläufer des Nationalsozialismus und verweigert sich jeder Geste der Versöhnung (R 117.4).
  • Ihre Haltung ist geprägt von Misstrauen gegenüber den deutschen Strukturen der Nachkriegszeit, was auch daran sichtbar wird, dass sie und ihr Mann Deutschland nicht als ihre „Heimat“ empfinden, sondern lediglich als einen Ort, an dem sie leben (R 116.30).

Erwerb des Hauses und Symbolik des Besitzes

  • Nach langem juristischen Streit gelingt es der Schriftstellerin schließlich, das Haus aus dem Volkseigentum der DDR zu kaufen (R 118.5f.). Dieser Erwerb markiert nicht nur einen persönlichen Erfolg, sondern steht sinnbildlich für eine Rückgewinnung von Autonomie und ein spätes Ankommen in der deutschen Nachkriegsgesellschaft – auch wenn es keinen echten Heimatbezug mehr gibt.

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