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Die Besucherin

Die Besucherin (R 122–133)

Einführung der Figur und Grundstimmung

  • Die Besucherin ist eine ältere Frau, die sich im Sommer der 1970er-Jahre als Gast im Garten der Schriftstellerin aufhält. Sie ist bereits im vorangegangenen Kapitel (R 107–118) kurz erwähnt worden, wird hier aber erstmals ausführlich dargestellt.
  • Von Beginn an wird deutlich, dass sie sich an diesem Ort fremd fühlt und in der Umgebung nicht wirklich angekommen ist. Ihre Perspektive ist von einem Gefühl der Entwurzelung und inneren Distanz geprägt.

Fremdheitserfahrungen im Alltag

  • Die Besucherin empfindet alltägliche Gepflogenheiten als ungewohnt: Das Porzellanbesteck, das Verhalten bei den Mahlzeiten, das Gärtnern – all das ist ihr fremd. Besonders das Leben ohne körperliche Arbeit irritiert sie.
  • In ihrer alten Heimat war sie es gewohnt, Brot selbst zu backen und durch eigene Hände Arbeit für den Lebensunterhalt zu sorgen. Im Gegensatz dazu erscheint ihr das neue Umfeld passiv und fremd (R 122.23ff.).

Erinnerungen an das frühere Leben

  • Beim Aufenthalt im Garten erinnert sie sich an ihre Vergangenheit, die von harter Arbeit und mehrfacher Flucht geprägt ist. Sie war aus ihrer ostdeutschen Heimat geflohen, nachdem sie dort auf einem Hof gelebt hatte.
  • Der Verlust dieses Hofs, das erzwungene Verlassen ihrer Heimat und der endgültige Neuanfang in Berlin sind zentrale Punkte ihrer biografischen Rückschau. Auch ihre Tochter, die in einen „Arbeitseinsatz“ geschickt wurde und nicht zurückkehrte, hinterlässt eine tiefe Leerstelle in ihrem Leben (R 123.29). Diese Erlebnisse verknüpft sie mit dem heutigen Ort, der ihr nie wirklich gehört.

Gedanken über Verlust, Krieg und Heimat

  • Die Besucherin reflektiert über die Begriffe Ankommen und Flucht: „Wenn man angekommen ist, heißt die Flucht dann noch Flucht?“ (R 125.23). Ihre Erinnerungen an den verstorbenen Ehemann, der bei einem Arbeitsunfall ums Leben kam, fügen sich in eine Biografie des Verlusts ein.
  • Der Tod ihrer Angehörigen, die Abwesenheit von Besitz und das Alter lassen sie schwermütig erscheinen. Ihre Erinnerungen sind fragmentarisch und kreisen um Krieg, Entwurzelung und ein verlorenes Zuhause.

Verbindung zur Natur und zur Vergangenheit

  • Symbolisch bedeutsam ist das Schwimmen im See, das sie trotz ihres Alters noch praktiziert. Es erinnert sie an die Jugend in ihrer alten Heimat, wo sie im Winter auf dem See Schlittschuh lief und im Sommer badete. Dieses körperliche Tun ist einer der wenigen Momente, in denen sie so etwas wie Heimatgefühl verspürt (R 127.17).

Verhältnis zu den anderen Personen

  • Die Besucherin lebt in einer seltsam diffusen Beziehung zu den anderen Personen auf dem Grundstück. Zwar ist ihre Enkelin mit dem Sohn der Schriftstellerin verheiratet, doch eine wirkliche Zugehörigkeit scheint sie nicht zu empfinden.
  • Sie hält sich meist im Hintergrund, beobachtet, zieht sich zurück. In ihrem Innersten bleibt sie eine Fremde – nicht nur im Land, sondern auch innerhalb ihrer eigenen Familie (R 133).

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