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Inhaltsverzeichnis
Lernbereich Lektürehilfen
Übersicht
Agnes
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Romanstruktur
Intertextualität
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2-8
Kapitel 9 - 17
Kapitel 18 - 23
Kapitel 24 - 29
Kapitel 30 - 35
Kapitel 36 Schluss
Charaktere
Agnes
Erzähler
Louise
Themen und Orte
Fiktion und Wirklichk...
Bildnis und Identität...
Isolation und Anonymi...
Motive und Symbole
Punkte und Glück
Kälte
Tod
Wärme
Spuren
Schöpfung
Erzählweise
Prüfungsaufgaben zur ...
Corpus Delicti
Übersicht
Handlung
Kap. 1 - 10
Kap. 11 - 16
Kap. 17 - 22
Kap. 23 - 33
Kap. 34 - 40
Kap. 41 - 50
Aufbau
Charakterisierung
Mia Holl
Moritz Holl
Heinrich Kramer
Die ideale Geliebte
Anwalt Rosentreter
Richterin Sophie
Richter Hutschneider
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Moderne
Zukunftsliteratur
Persönliche Einflüsse
Rezeption
Interpretation
Diktatur - Die Method...
Körper höchstes Gut
Gericht ohne Recht
Totale Überwachung
Kampf um Freiheit
Science Fiction oder ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Dantons Tod
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Personen
Figurenkonstellation
Danton
Die Dantonisten
Robespierre und der W...
Interpretation
Der politische Aspekt
Der weltanschauliche ...
Fazit
Realismus in Dantons ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Fräulein von Scud...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Die Geheimnisse der M...
Paris, die Stadt des ...
Die Herkunft des Käst...
Ein weiterer Mord
Oliviers Erzählung
Tugend siegt am Ende ...
Charaktere
Magdaleine von Scuder...
René Cardillac
Das Paar Olivier Brus...
Der Hofstaat - Ludwig...
Das Gesetz - la Regni...
Themen
Der Mensch - zum Gute...
Schuld, Unschuld und ...
Illusion und Wirklich...
Motive und Symbole
Tag und Nacht, Himmel...
Der Schmuck und die J...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Parfum
Handlung
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Vierter Teil
Formaler Aufbau
Charakterisierungen
Grenouille
Pater Terrier
Madame Gaillard
Grimal
Baldini
Marquise
Antoine Richis
Laure Richis
Druot
Stil
Erzählperspektive
Sprache
Rhetorische Mittel
Kontext
Epoche
Parfüm-Geschichte
Interpretation
Grenouille als Monste...
Genie-Gedanke
Innere Duftwelt
Duft als Macht
Bildungsroman
Schauerroman
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Besuch der alten ...
Kontext und Einordnun...
Handlung
Charaktere
Claire Zachanassian
Alfred Ill
Der Lehrer
Der Pfarrer
Der Polizist
Familie Ill
Die Güllener
Interpretation
Themen
Symbole
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Bürgermeister
Der goldne Topf
Handlung
1. Vigilie
2. Vigilie
3. Vigilie
4. Vigilie
5. Vigilie
6. Vigilie
7. Vigilie
8. Vigilie
9. Vigilie
10. Vigilie
11. Vigilie
12. Vigilie
Kontext
Epoche
Entstehung und Rezept...
Modernes Märchen
Personen
Aufbau
Antithetik
Erzähltechnik
Stil und Sprache
Sprache
Mythen
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Proceß
Entstehung und Einord...
Inhalt
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Figuren
Josef K.
Onkel K.
Advokat Huld
Kaufmann Block
Gerichtsmaler Titorel...
Die Frauenfiguren
Einführung
Fräulein Bürstner
Frau des Gerichtsdien...
Leni
Struktur
Sprache und Stil
Erzählperspektive
Interpretation
Einführung
Das Gericht
Die Türhüterparabel
Verschiedene Interpre...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Sandmann
Handlung
Personen
Kontext und Einordnun...
Motive
Doppelgängermotiv
Augenmotiv
Sprache
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Steppenwolf
Handlung
Zusammenfassung
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Harry Hallers Aufzeic...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Charaktere
Hauptperson
Kontrast- und Spiegel...
Hermine
Pablo
Maria
Nebenfiguren
Die Bürger
Die unsterblichen Kün...
Stil und Sprache
Vorwort des fiktiven ...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Motive, Symbole und B...
Der Steppenwolf
Der Spiegel
Die Ewigkeit und der ...
Die Unsterblichen
Die Musik
Der Tanz
Der Humor
Die Bedeutung des Mag...
Interpretation
Zeit- und Kulturkriti...
Entwicklung der Persö...
Parallelen zu Goethes...
Autobiographische Sel...
Die Marquise von O...
Übersicht
Handlung
Abschnitt 1
Abschnitt 2
Abschnitt 3
Abschnitt 4
Abschnitt 5
Aufbau
Charakterisierung
Die Marquise von O...
Herr von G...
Frau von G...
Graf F...
Stil
Erzählperspektive
Stilmittel
Kontext
Zeitgeschichte
Das Frauenbild um 180...
Interpretation
Gesellschaftskritik
Emanzipation
Tiefenpsychologie
Die Verwandlung
Kontext und Einordnun...
Inhalt
1. Teil
2. Teil
3. Teil
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Der Vater
Die Mutter
Die Schwester
Gregor
Interpretation
Die biographische Int...
Die psychoanalytische...
Die sozialkritische I...
Motive
Welche Verwandlung?
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Faust I
Kontext und Einordnun...
Autor
Epocheneinordnung
Inhalt der Vorspiele
Inhalt der Gelehrten-...
Nacht
Vor dem Tor
Studierzimmer (I)
Studierzimmer (II)
Brückenszenen
Auerbachs Keller in L...
Hexenküche
Inhalt der Gretchen T...
Straße I
Abend
Spaziergang
Der Nachbarin Haus
Straße II
Garten
Ein Gartenhäuschen
Wald und Höhle
Gretchens Stube
Marthens Garten
Am Brunnen
Zwinger
Nacht
Dom
Walpurgisnacht
Walpurgisnachtstraum
Trüber Tag, Feld
Nacht, offen Feld
Kerker
Figuren
Figurenübersicht
Faust
Gretchen
Mephisto
Nebencharaktere
Struktur
Sprache und Stil
Interpretation
Faust und die Konzept...
Faust und Gretchen
Der Pakt mit dem Teuf...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Hamlet
Übersicht
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Akt 5
Aufbau
Charakterisierung
Hamlet
Gertrude
Claudius
Polonius
Ophelia
Laertes
Horatio
Geist
Figurenkonstellation
Stil
Sprache
Stilmittel
Monologe
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Schein
Wahnsinn
Rache
Machtgier
Mutter-Problematik
Liebe
Krimi
Homo Faber
Kontext und Einordnun...
Gliederung
Erste Station
Zweite Station
Handlung
Erste Station
Zweite Station
Figuren
Walter Faber
Hanna Piper
Elisabeth Piper
Ivy
Formales und sprachli...
Ein Bericht? Formaler...
Sprechende Namen
Sprache und Stil
Interpretation
Themen
Orte
Motive und Symbole
Frischs Kritik am Typ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Irrungen, Wirrungen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1 - 15
Kapitel 16 - 26
Aufbau
Charakterisierung
Lene Nimptsch
Botho von Rienäcker
Frau Nimptsch
Frau Dörr
Käthe von Sellenthin
Gideon Franke
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Entwicklungsroman
Gesellschaftskritik
Zeitroman
Psychologischer Roman
Kabale und Liebe
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Auf einen Blick
Akt I
Akt II
Akt III
Akt IV
Akt V
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Auf einen Blick
Miller
Millers Frau
Luise
Sekretär Wurm
Ferdinand von Walter
Präsident von Walter
Hofmarschall von Kalb
Lady Milford
Interpretation
Auf einen Blick
Sozialkritik in Kabal...
Elemente des Sturm un...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Klein Zaches genannt ...
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Figuren
Allgemeines
Balthasar
Zaches
Struktur
Interpretation
Klein Zaches und das ...
Klein Zaches - eine S...
Fazit
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Lenz
Übersicht
Handlung
Gebirgswanderung
Leben im Pfarrhaus
Treffen mit Kaufmann
Oberlins Abwesenheit
Selbstmordversuche
Aufbau
Charakterisierung
Lenz
Oberlin
Kaufmann
Stil
Sprache
Erzählperspektive
Interpretation
Motive
Lenz' Weltanschauung
Prüfungsaufgaben zur ...
Maria Stuart
Handlung
1. Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug
4. Aufzug
5. Aufzug
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Personen
Charakterisierungen
Personenkonstellation
Aufbau des Dramas
Stil und Sprache
Stilmittel
Metrum und Reim
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Medea
Übersicht
Handlung
Prolog
Einzugslied
1. Aufzug
1. Standlied
2. Aufzug
2. Standlied
3. Aufzug
3. Standlied
4. Aufzug
4. Standlied
5. Aufzug
5. Standlied
Auszug
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Amme
Kreon
Aigeus
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Figurenrede
Kontext
Euripides' Werk
Mythos Medea
Interpretation
Rachsucht aus Liebe
Patriarchale Welt
Vergleich mit Medea. ...
Medea. Stimmen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Leukon
Akamas
Agameda
Presbon
Glauke
Kreon
Lyssa
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Zeitgeschichtlicher H...
Mythos Medea
Interpretation
Autobiografisch
Sündenbock-Thematik
Feminismus
Vergleich mit Euripid...
Woyzeck
Handlung
Zusammenfassung
Szene 1 - 2
Szene 3 - 7
Szene 8 - 10
Szene 11 - 15
Szene 16 - 21
Szene 22 - 26
Szene 27
Aufbau des Dramas
Charakterisierungen
Franz Woyzeck
Marie Zickwolf
Nebenfiguren
Stil und Sprache
Kontext
Epoche
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Woyzecks Motive
Armut und Arbeit
Das Erbsenexperiment
Zurechnungsfähigkeit

Klein Zaches und das Märchen

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E. T. A. Hoffmann bezeichnet Klein Zaches, genannt Zinnober im Untertitel als Märchen – es ist ihm also wichtig gewesen, dass man sein Werk bereits vor dem Aufschlagen der ersten Seite als Märchen betrachtet und auch so liest. Es handelt sich aber um ein sogenanntes Kunstmärchen, also ein von ihm selbst erfundenes und damit eben kein vom Volk überliefertes. Hoffmann greift die Märchenform auf, verändert sie aber an entscheidenden Stellen. Worin die Ähnlichkeiten zwischen Hoffmanns und der völkischen Version von Märchen bestehen und worin die Unterschiede, soll anhand von drei Punkten erläutert werden: Gut und Böse, das Wunderbare und die Intention; auf die Form wurde im Kapitel Struktur bereits eingegangen.

Gut und Böse

Ein herausstechendes Merkmal von Märchen, ja vielleicht ihr bestimmendes Merkmal, ist die klare Trennung von Gut und Böse. Oberflächlich gesehen, stimmt das auch für Klein Zaches: Auf der einen Seite steht Balthasar, ein ehrlicher, aufrichtiger romantischer Idealtyp, auf der anderen Seite der korrupte Betrüger und Egoist Zaches. In diesem Konflikt kann man nur zu Balthasar halten, Zaches kann man allenfalls Mitleid, aber keine Sympathie entgegenbringen. Während Balthasar sich stets gut verhält (jedenfalls im Sinne der Romantik), vollbringt Zaches keine gute Tat, wenn man mal von der Erhebung seines Schwiegervaters zum Direktor für natürliche Angelegenheiten absieht, die zwar nicht die Wissenschaft voranbringt, aber Terpin ein schönes Leben ermöglicht. E. T. A. Hoffmann, einer der großen Köpfe der Romantik, macht überdeutlich, welche Seite im Recht ist.
Typisch für Märchen ist zudem, dass das Gute sich seinen Sieg erkämpfen muss, es ist anfangs im Nachteil, der Held ist oft schwach, jung, arm oder krank und muss sich gegen das starke Böse behaupten, befindet sich am Ende aber selbst in einer starken Position. Dabei ist der Held meistens isoliert und hat nur wenige Helfer, das Böse aber zeigt sich häufig in der Form von bösen Königinnen oder Herrschern, also in Staatsoberhäuptern, somit ist die ganze Gesellschaft im Griff des Bösen. Daher kann man auch vom Gegensatz zwischen dem Ich (Held) und der Welt („das Böse“) sprechen. Auch das lässt sich auf Klein Zaches übertragen: Balthasar ist bereits anfangs teilweise isoliert, denn er steht als Romantiker einer Gesellschaft gegenüber, der die Aufklärung verordnet wurde. Er und die Gesellschaft sind also wesensverschieden. Terpin ist der beliebteste Professor, seine Experimente und Versuche, die Natur durch einfache, rationale Regeln zu erklären, finden Beachtung. Balthasar jedoch lehnt dieses Vorgehen nicht nur ab, es widert ihn an, da das Wesen der Natur für ihn unerklärlich, mystisch und geheimnisvoll ist, die Naturwissenschaft der Aufklärung hält er für eine Entweihung der Natur. Er steht mit seiner Meinung weitgehend alleine da, ist zwar kein Ausgestoßener (schließlich genießt er bei Terpin selbst einiges Ansehen, wo er doch zum Teezirkel eingeladen wird), aber ein Außenseiter. Er genießt es, alleine im Wald herumzuwandeln. Dieses Verhalten bezeichnet sogar sein Freund Fabian als unheimlich (vgl. S. 25).
Abb. 1: Prosper fliegt auf seiner Libelle, Kupferstich von Carl Friedrich Thiele (1819/1820).
Abb. 1: Prosper fliegt auf seiner Libelle, Kupferstich von Carl Friedrich Thiele (1819/1820).
Dem innigen Gefühl Balthasars steht eine Gesellschaft gegenüber, die alles anhand seiner Nützlichkeit bewertet (wobei hier die Begeisterung, die man Balthasars Gedicht entgegenbringt, zumindest für eine kunstverständige Gesellschaft spricht). Das traditionelle Märchenelement der Hilfe des Helden durch seine Freunde und Personen, die er erst kennenlernt, findet sich auch hier. Ein Sieg Balthasars über Zaches wäre ohne die Hilfe Pulchers (der entdeckte, dass Zaches jeden neuten Morgen von einer Fee gekämmt wird), Prosper Alpanus' (der Balthasar den Weg zeigt und die Mittel gibt, um den Zauber zu brechen) und Fabian (der ihn emotional unterstützt) undenkbar.
Dieses Bild vom guten Ich und der bösen Welt lässt sich aber nicht aufrechterhalten, wenn man sich Klein Zaches genauer ansieht. Balthasar, der Vertreter der Romantik, ist auch ein Opfer von E. T. A. Hoffmanns Humor. Sein überspitzt träumerisches Verliebtsein wird von Fabian belächelt, Balthasar muss selbst zugeben, sich wie ein Narr zu verhalten. Seine Prinzipientreue wird dadurch abgeschwächt, dass er trotz seiner Abneigung gegenüber Terpins Methoden dessen Vorlesungen besucht, weil er Candida liebt. So ernst und düster, wie er sich zuerst vor Fabian präsentieren möchte (S. 28) ist er nicht, stattdessen ist er einfach nur sehr verliebt.
Diese Ironie stellt Balthasar zwar moralisch nicht infrage, betont aber den unernsten Charakter des Märchens – konsequenterweise bleibt auch das Böse vom Humor Hoffmanns nicht verschont. Ganz im Gegensatz zu den oft grausamen und fürchterlichen Bösewichten in Märchen (ein Wolf, eine kinderfressende Hexe o. ä.) ist Zaches grotesk, also bis zur Absurdität verunstaltet, kaum ernst zu nehmen, allen Gesetzen der Schönheit widersprechend. Ein Wurzelmann, der sich kaum auf den eigenen Beinen halten kann und sich so ungehobelt und ungezogen benimmt, wie es nur geht, erzeugt eher Gelächter als Furcht. Vor allem, dass Zaches als missgestalteter und untalentierter Mann zum allseits geliebten und hochgeehrten Minister Zinnober wird, der am Hofe (dem Ort der Bildung, des Anscheins, der guten Manieren) nicht auffällt, ist nicht gruselig, sondern widerspricht dermaßen aller Logik, dass einem nur das Lächeln übrigbleibt. Zaches ist kein übermächtiger, grausamer Bösewicht, sondern ein schwacher, der nur durch den Zauber einer mitleidigen guten Fee bestehen kann. Einzelne Szenen wie der Selbstmordversuch Pulchers oder Zaches' Tod im Nachttopf sind zwar drastisch und können erschrecken, aber werden durch direkt danach wieder einsetzenden Humor abgeschwächt – zudem ist Zaches' Tod an sich schon komisch, da Hoffmann hier ein Wortspiel verarbeitet: Zaches sei im Humor ertrunken (Humor heißt im ursprünglichen Sinne Körperflüssigkeit). Das Böse ist also nicht ernstzunehmen und verliert dadurch seinen Schrecken.
Das Böse wird im Weiteren dadurch gemildert, dass Zaches anfangs selbst ein Opfer ist. Als missgestaltetem Kind einer armen Bäuerin hat er keine rosigen Zukunftsaussichten. Das bereits erwähnte Mitleid einer guten Fee hilft ihm, es ist also kein prinzipiell böser Zauber und soll Zaches sogar erziehen, wie Rosabelverde später bezeugt (S. 106). Die Welt, gegen die Balthasar bestehen muss, ist überdies Opfer durch Zaches' Zauber – und ebenso überspitzt und nicht ernstzunehmen, wie er selbst. Fürst Barsanuph und seine Beamten sind keine Menschen, die es grundsätzlich böse meinen, es sind lediglich in einer höfischen, lebensfernen Scheinwelt lebende, sich selbst unglaublich wichtig nehmende Mitglieder einer Elite, die im Wesentlichen aus Nichtskönnern besteht (Terpins Naturwissenschaft ist sehr fragwürdig; der Außenminister behauptet, seine Reden selbst zu schreiben, obwohl das einer seiner Angestellten tut usw.). Das ist ein typisches Komödienelement: Menschen nehmen sich trotz ihrer offensichtlichen Schwächen so ernst, dass man darüber lachen muss. Das Böse ist in Klein Zaches nicht das verhängnisvolle aus den Märchen, sondern lächerlich.
Während im Märchen der Held und das Gute im Vordergrund stehen, stehen hier Gut und Böse fast gleichberechtigt nebeneinander: Im Märchen wird lediglich beschrieben, welche Auswirkungen das Böse auf den Helden hat, unabhängig vom Helden ist es nicht zu denken, denn alles dreht sich um den Helden selbst. In Klein Zaches jedoch wird „das Böse“ auch unabhängig von seiner Auswirkung auf den Helden beschrieben, so ist die Information, dass Zaches den Orden des grüngefleckten Tigers erhält und ein Expertenteam eine Woche darüber grübelt, vollkommen unwichtig für Balthasar. Solche Ausschmückungen dienen nicht dem Märchencharakter, sondern der humoristischen Seite des Werkes. Dass neben dem Sieg des Guten auch der Aufstieg von Zaches geschildert wird, ist auch als Abkehr von der traditionellen Märchenform zu bewerten.
Doch die Trennlinie von Held und ihm gegenüberstehender Gesellschaft wird auch durch Balthasar selbst überschritten: Sein Freund Fabian ist ganz und gar kein Romantiker und macht sich über Balthasar lustig; er besucht die Vorlesungen Terpins, dem er am Ende sogar ein Geschenk macht; Balthasar siegt nicht über die Gesellschaft, sondern über Zaches und duldet es, dass dieser auch nach seinem Tod noch als Zinnober gefeiert wird, anstatt der Gesellschaft vorzuhalten, wie einfach sie sich hat täuschen lassen. Balthasar kommt mit der Gesellschaft überein, ohne sie wirklich zu verändern, er wird in sie eingegliedert (auch wenn ihm sein Wohnort einige Freiheiten lässt). Die größtmögliche Vermischung von Gut und Böse geschieht jedoch durch Rosabelverde: Die gute Fee richtet mit einem gut gemeinten Zauber einigen Schaden an und begünstigt das Entstehen einer Tyrannei. Letztlich dient die Überschreitung der Trennlinie zwischen Gut und Böse der humoristischen Seite des Märchens.

Das Wunderbare

Klein Zaches ist voll vom Zauber- und Wunderhaften des Märchens. Die Welt ist bevölkert vom Zauberern Prosper Alpanus und der Fee Rosabelverde, die aus dem sagenhaften Land Dschinnistan stammen. Hier werden die Einflüsse aus der Geschichtensammlung Tausendundeiner Nacht offenbar, die Hoffmann über französische Feenmärchen kennenlernte. Der Bruch eines bösen Zaubers (der hier gut gemeint war) durch den Helden ist ebenfalls typisch für Märchen; dabei erfährt Balthasar Hilfe durch den Zauberer Prosper Alpanus, ein Beispiel für den väterlichen, weisen Magier. In dieser Welt gibt es Einhörner, Gestaltwandler, zahlreiche kleine Zauber. Doch eben hier liegt auch der Unterschied zu dem selbstverständlichen Hinnehmen von Zauberei in Märchen, denn die Magie ist im offiziell aufklärerischen Fürstentum strikt verboten und existiert eigentlich auch gar nicht (sofern man den Beamten glaubt). Einerseits findet das Märchenhafte Einzug im Alltag, so durch Rosabelverdes Zauber, dem die ganze Gesellschaft zum Opfer fällt und den doch kaum jemand bemerkt. Andererseits wird die Märchenwelt aber auch vermenschlicht: Prosper Alpanus spricht von seiner Studienzeit in Dschinnistan, als er „Kollegia bei dem Professor Zoroaster, einem alten Knasterbart“ hörte (S. 78). Typisch menschliche Institutionen wie Universitäten gibt es also auch in einem Lande voller magischer Wesen. Und auch dort können sich junge Studenten langweilen.
Hoffmann macht die Natur des Wunderhaften selbst zum Thema, sein Kunstmärchen, das voll von absurden Fantasieprodukten ist (man denke nur an das Zauberduell zwischen Alpanus und Rosabelverde), bezieht sich ganz märchenuntypisch auch auf die damalige Gesellschaft, ist also nicht der Realität gänzlich entrückt, sondern zudem eine satirische Zeitkritik.

Die Intention

Von Märchen sagt man oft, dass sie eine bestimmte Intention oder ein Motto hätten, das sie dem Leser vermitteln wollen – einerseits stimmt das nicht für alle Volksmärchen, andererseits würde sich bei Klein Zaches die Frage stellen, ob eine tatsächliche ernste Intention überhaupt möglich ist. Aufgrund von Hoffmanns Humor, dem das Gute wie das Böse ausgesetzt ist, werden beide relativiert. Man kann keine Person rundum ernst nehmen. Die zahlreichen formalen und inhaltlichen Brüche, die durch die romantische Ironie entstehen (s. u.), lassen keinen deutlichen moralischen Fingerzeig zu. Hoffmann möchte niemanden belehren, am besten nimmt man den Erzähler am Ende des letzten Kapitels beim Wort und nutzt das Märchen zur Unterhaltung, nicht zur moralischen Erziehung.
Bildnachweise [nach oben]
[1]
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