Die beiden Vertrauten Hettore und Marinelli beobachten vom Fenster aus Emilias Vater, der unruhig draußen auf dem Hof auf und abgeht
Dass weder der Prinz noch sein Kammerherr wissen, welche Absichten Odoardo nun besitzt, versetzt die Herren ebenso in Unruhe wie den Wartenden. Durch Battista haben sie bereits erfahren, dass Emilias Mutter in einer Kutsche fortgefahren ist
Marinelli geht davon aus, Odoardo werde Emilia zwar mit zu sich nach Hause nehmen, jedoch dem Prinzen dankbar für dessen Fürsorge gegenüber seiner Tochter sein wird
Indes ist Hettore selbst weniger zuversichtlich: Er vermutet, dass Odoardo in unbändigem Zorn Emilia möglichst weit weg von seinem Herrschaftsgebiet schicken wird. Sollte dieser Fall eintreten, befürchtet der Prinz, seine geliebte Emilia nie wieder sehen zu können
ist
Der Kammerherr unternimmt Versuche, seinen Herrn zu beruhigen, indem er andeutet, dass er schon einen nächsten Plan darüber, wie sie im Folgenden vorgehen werden, überlegt habe
Bevor die Herren bemerken, dass sich Odoardo ihnen nähert, merkt der Prinz noch an, dass der nächste Einfall Marinellis keineswegs so brutal wie der Vergangene sein sollte
2. Auftritt
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Zeile: 2-15
Ort: „Auf dem Lustschlosse des Prinzen“ (Aufz. 3, Auft. 1, Z. 2) in Dosalo
Zeit: Abends
Personen: Odoardo Galotti
Inhalt
In diesem Auftritt hält Odoardo einen Monolog und man merkt ihm an, dass seine anfängliche Wut gegenüber dem Prinzen verflogen ist. Für ihn ergibt es inzwischen mehr Sinn, Hettore nicht anzurühren, da er keinen Rächer für die Gräfin Orsina darstellen möchte
Stattdessen sieht es Emilias Vater als seine einzige und wichtigste Aufgabe an, „die gekränkte Tugend“ (Aufz. 5, Auft. 2, Z. 6) seiner Tochter zu „retten“ (Aufz. 5, Auft. 2, Z. 7)
Die wesentliche Intention hinter Odoardos Plan, seine Tochter zu opfern, liegt für ihn darin, dem Prinzen einen lebenslangen Schmerz aufzubürden, den dieser niemals vergessen wird. Außerdem überträgt Odoardo dem Prinzen so die Verantwortung es sinnlosen Mordes an Graf Appiani und Hettore wird niemals mit der Liebe seines Lebens zusammen sein können
3. Auftritt
Infos
Zeile: 2-65
Ort: „Auf dem Lustschlosse des Prinzen“ (Aufz. 3, Auft. 1, Z. 2) in Dosalo
Inzwischen begegnet Odoardo Marinelli, welcher vorgibt, die Gräfin nach draußen begleitet zu haben
Emilias Vater unterbreitet dem Kammerherrn des Prinzen seinen Plan, seine Tochter auf dem schnellsten Wege aus der Stadt wegzubringen und sie mit auf sein Gut aufs Land zu führen
Marinelli argumentiert dagegen, dass das letzte Wort der Prinz als Oberhaupt habe und kündigt an, diesen zum Gespräch hinzuzuziehen
4. Auftritt
Infos
Zeile: 2-15
Ort: „Auf dem Lustschlosse des Prinzen“ (Aufz. 3, Auft. 1, Z. 2) in Dosalo
Zeit: Abends
Personen: Odoardo Galotti
Inhalt
Als der alte Galotti alleine auf den Prinzen und Marinelli wartet, echauffiert sich Emilias Vater über die Ignoranz des Prinzen, mit welcher dieser sich die Entscheidungsmacht über jegliche Beschlüsse gibt
Der Zorn Odoardos verleitet ihn dazu, abermals eine Ermordung Hettores in Erwägung zu ziehen, er ermahnt sich jedoch in letztem Augenblick noch einmal und versucht, einen kühlen Kopf zu bewahren
Außerdem bereut Emilias Vater es, Marinelli während ihres Gesprächs unterbrochen zu haben. Nun ist es ihm nämlich unmöglich, sich eventuelle Einwände gegen die Argumentation des Prinzen und Marinellis einfallen zu lassen
5. Auftritt
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Zeile: 2-213
Ort: „Auf dem Lustschlosse des Prinzen“ (Aufz. 3, Auft. 1, Z. 2) in Dosalo
Hettore begrüßt Odoardo, wobei in seinen Worten ein vorwurfsvoller Unterton mitschwingt, der bedauert, dass Galotti seine Tochter mit aufs Land zu nehmen gedenkt
Emilias Vater gibt dem Verehrer seines Kindes unmissverständlich zu verstehen, dass der Entschluss, die junge Frau aus der Stadt fortzubringen, feststeht und fügt hinzu, dass er als zukünftigen Wohnort ein Kloster für sie im Sinn habe
Fürs Erste sieht der Prinz sich gezwungen, sich dem Willen des Vaters zu beugen
Marinelli hingegen verfolgt bereits einen neuen Plan: Er wendet ein, dass Appianis Mörder nicht eindeutig als die am Überfall beteiligten Räuber identifiziert wurden. Vielmehr existiert der Glaube, dass es sich bei dem Schützen um einen weiteren Verehrer Emilias handeln würde. Um dem Verbrechen auf den Grund gehen zu können, müsste man Befragungen aller Beteiligten durchführen und eine solche Konsultation sei nur in der Stadt möglich. Des Weiteren erwähnt Marinelli erneut, dass er der engste Vertraute Appianis gewesen sei und er höchstpersönlich zur Klärung der Todesursache beitragen wollte
Odoardo jedoch lässt sich von den waghalsigen Argumenten der beiden Herren nichts hinters Licht führen: Er durchschaut das Manöver Hettores und Marinellis. Als der Kammerherr anmerkt, dass für eine Befragung alle Familienmitglieder separat verhört und außerdem auch gegebenenfalls hingerichtet werden müssten, reißt Odoardos Geduldfaden. Er beruhigt sich jedoch soweit wieder, dass er keinen der beiden Männer mit dem Dolch ersticht
Der Prinz übergeht den ursprünglichen Wunsch des Vaters, seine Tochter sprechen zu wollen und versichert ihm, dass er sich gut um Emilia sorgt, solange sie bei ihm im Schloss wohnt. Die abermalige Bitte Odoardos nun endlich seine Tochter sehen zu können, wird von Hettore ignoriert. Stattdessen stellt er dem Vater die Frage, ob dieser vorhabe, in die Stadt oder auf sein Anwesen auf dem Land zurückzukehren
Der alte Galotti ersucht ein letztes Mal, vor seiner Abfahrt Emilia zu sprechen und dieses Mal wird ihm sein Wille gewährt
6. Auftritt
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Zeile: 2-12
Ort: „Auf dem Lustschlosse des Prinzen“ (Aufz. 3, Auft. 1, Z. 2) in Dosalo
Zeit: Abends
Personen: Odoardo Galotti
Inhalt
Erneut alleine scheint Odoardo nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein. Darin, dass er sein eigenes Lachen nicht mehr erkennt, lassen sich paranoide Züge feststellen
Emilias Vater sieht keinen anderen Ausweg, als die Ehre seiner Tochter zu retten, indem er ihr das Leben nimmt
Inzwischen überkommt ihn jedoch bei dem Gedanken an den Mord an seiner Emilia ein solcher Argwohn, dass er erwägt, sie doch am Leben zu lassen und auf schnellstem Wege das Schloss zu verlassen
Im Augenblick seiner Zweifel erscheint jedoch bereits sein Kind und Odoardo sieht in ihrem Eintreffen ein höheres Zeichen
7. Auftritt
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Zeile: 2-126
Ort: „Auf dem Lustschlosse des Prinzen“ (Aufz. 3, Auft. 1, Z. 2) in Dosalo
Zeit: Abends
Personen: Emilia Galotti, Odoardo Galotti
Inhalt
Zunächst noch unwissend über das volle Ausmaß der inszenierten Entführung, verhält sich Emilia erst einmal ruhig gegenüber ihrem Vater
Als ihr Odoardo jedoch die Erzählungen ihrer Mutter über die Ermordung Appianis bestätigt, möchte die junge Frau auf direktem Wege aus dem Schloss fliehen
Der alte Galotti wendet ein, dass Hettore sie finden wird, unabhängig davon, wohin sie flüchtet und erwähnt auch die geplanten Befragungen Marinellis und des Prinzen. Emilia gibt zu, dass sie möglicherweise den Verführungen, vor die sie der Prinz stellen wird, nicht länger standzuhalten vermag und bittet ihren Vater, sie zu töten. Für die junge Frau ist die Wahrung ihrer Unschuld und ihrer Religiosität wichtiger als ihr irdisches Dasein
Odoardo, der es trotz seines Plans nicht übers Herz bringt, seinem eigenen Kind das Leben zu nehmen, zögert, Emilia zu erstechen
Die Protagonistin allerdings drängt ihren Vater dazu, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Schließlich ersticht Odoardo Emilia und in ihren letzten Atemzügen stellt sich die junge Frau mit einer Rose auf eine Stufe, die „gebrochen“ (Aufz. 5, Auft. 7, Z. 125) worden war, „ehe der Sturm sie entblättert“ (Aufz. 5, Auft. 7, Z. 125)
8. Auftritt
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Zeile: 2-42
Ort: „Auf dem Lustschlosse des Prinzen“ (Aufz. 3, Auft. 1, Z. 2) in Dosalo
Nachdem Marinelli und der Prinz zur Tochter und dem Vater Galotti hinzugekommen sind, erkennt Hettore, dass Emilia durch die Hand ihres Vaters im Sterben liegt und nennt Odoardo einen „grausamen Vater“ (S. 87, Z. 4)
Emilia, immer noch bei Bewusstsein, wendet ein, sie habe sich selbst das Leben genommen. Allerdings nimmt ihr Vater die Schuld auf sich und kurz darauf stirbt seine Tochter in seinen Armen
Odoardo kündigt dem Prinzen an, dass er vor Gericht die gerechte Strafe für seine Tat annehmen wird und deutet an, dass auch Hettore vor den Geschworenen sowie Gott selbst Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss
Voller „Entsetzen und Verzweiflung“ (Aufz. 5, Auft. 8, Z. 36) reagiert Hettore auf die Worte Odoardos und den leblosen Leib seiner geliebten Emilia. Daraufhin erhebt der Prinz den Dolch gegen Marinelli und weist diesem die Schuld am Tod seiner Angebeteten zu. Ferner entlässt er Marinelli aus dessen Dienst und befiehlt seinem Kammerherren, sich „auf ewig [vor ihm] zu verbergen“ (Aufz. 5, Auft. 8, Z. 39)