Der Gärtner
Der Gärtner (R 119–121)
Körperlicher Verfall und Rückzug aus dem Garten
- Im Zentrum des Kapitels steht der körperliche Verfall des Gärtners, der sich nach einem Sturz von der Leiter nicht mehr vollständig erholt. Seine Bewegungsfähigkeit ist eingeschränkt, und in der Folge muss er viele seiner Aufgaben abgeben. Dieser körperliche Rückzug markiert zugleich ein symbolisches Ende seiner jahrzehntelangen Tätigkeit auf dem Grundstück. Während sein körperlicher Zustand sich verschlechtert, nimmt auch seine Rolle im Geschehen zunehmend ab.
Kontinuität der Gartenarbeit durch die nächste Generation
- Der Sohn des Schriftstellerehepaars, der mit seiner Familie dauerhaft ins Haus gezogen ist, übernimmt nun viele der gärtnerischen Arbeiten. Er beobachtet den Zustand des Gartens und setzt Ausbesserungen und Pflege fort, etwa das Reparieren des Stegs oder das Entfernen beschädigter Pflanzen.
- Diese Aufgaben werden mit Routine, aber auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit ausgeführt – als hätte sich die Fürsorge des alten Gärtners auf die nächste Generation übertragen.
Letzte Zeichen der Natur und Abschied vom Zyklus
- Im Kapitel wird auch geschildert, wie sich die Natur im Garten verändert. Von Pilzbefall befallene Apfel- und Kirschbäume werden entfernt, Bienenstöcke abgebaut, Bienenvölker verschwinden.
- Diese Beobachtungen werden mit einem melancholischen Ton geschildert und können als Anzeichen für das Ende eines Lebensabschnitts gelesen werden – nicht nur im biologischen Sinn, sondern auch bezogen auf die Lebenszeit des alten Gärtners.
Die Figur des Gärtners im Dorfalltag und autobiografischer Bezug
- Im Dorf kursieren Geschichten über den Gärtner, etwa dass er einst auf das Badehaus aufpassen sollte, damit sich der Sohn der Schriftstellerin nicht heimlich hinausschleiche. Damit wird die Figur noch einmal als vertraute, zugleich auch unauffällig präsente Instanz dargestellt.
- Auch hier zeigt sich ein möglicher autobiografischer Bezug: Der Gärtner könnte auf Jenny Erpenbecks Großvater mütterlicherseits verweisen, sodass sich die Perspektive der Tochter – als Erzählinstanz – mit der realen Biografie der Autorin verschränkt.