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Der Gärtner

Der Gärtner (R 134–136)

Der Gärtner als Außenseiter im Dorf

  • In diesem Kapitel wird deutlich, dass der Gärtner von den Dorfbewohnern zunehmend als merkwürdig und geistig verwirrt wahrgenommen wird. Über ihn kursieren zahlreiche Gerüchte. So erzählt man sich etwa, dass er sich seit dem Abriss des Bienenhauses die Fußnägel nicht mehr geschnitten habe.
  • Angeblich seien sie bereits so lang gewachsen, dass sie über die Hacken hinausragen (R 134.25 ff.). Sein eigenartiger, schleppender Gang gilt im Dorf als Beweis für seine „Verrücktheit“. Diese Fremdzuschreibungen machen ihn zu einer isolierten Figur, die von der Dorfgemeinschaft nicht mehr als gleichwertig wahrgenommen wird.

Die Gerüchteküche des Dorfes

  • Neben dem ungewöhnlichen Verhalten des Gärtners ist auch sein Einfluss auf andere Gegenstand des dörflichen Tratsches. So heißt es, er habe die Enkelin der Schriftstellerin angestiftet, das neue Haus des Nachbarn – vermutlich eines Arztes aus Berlin – mit Dreck zu bewerfen. Auch der Tod eines weiteren Nachbarn wird ihm indirekt angelastet, weil dieser angeblich gestorben sei, nachdem der Zugang zum See durch den Gärtner vergrößert worden sei.
  • Zusätzlich wird ihm nachgesagt, dass er oder seine Frau ein Mädchen auf dem Steg nach einem Dorffest betrogen hätten. Es handelt sich um eine Ansammlung diffuser Anschuldigungen, die das gesellschaftliche Klima im Dorf widerspiegeln: Der Gärtner wird zur Projektionsfläche kollektiver Ängste und Fantasien.

Erzählerische Distanz als Kritik

  • Formal auffällig ist die durchgängige Verwendung der indirekten Rede, besonders in der wiederholten Formel „Im Dorf wird erzählt“ (R 134.25). Dadurch entsteht eine kritische Distanz zwischen dem Erzähler und den kursierenden Gerüchten.
  • Der Text macht auf diese Weise transparent, dass die kolportierten Geschichten nicht als objektive Wahrheiten gelten sollen, sondern Ausdruck von Vorurteilen und Ausgrenzungsmechanismen sind. Die Haltung des Erzählers ist deutlich distanziert – er übernimmt nicht die Perspektive des Dorfes, sondern legt durch seine Sprache eine kritische Bewertung nahe.

Strukturwandel des Grundstücks

  • Nach dem Tod des alten Hausherrn wird das Grundstück erneut verpachtet: Der Sohn und dessen Frau übergeben es an ein Ehepaar aus der Kreisstadt. Diese übernehmen nun die Gartenarbeit, die zuvor Aufgabe des Gärtners war.
  • Der Gärtner selbst, der mittlerweile in einem anderen Raum des Hauses lebt (nicht mehr im Schleuderraum, sondern in der Gästeküche), ist damit endgültig an den Rand gedrängt – räumlich wie sozial. Er scheint nur noch eine Randfigur im einst von ihm gepflegten Kosmos zu sein.

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