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Bundesland, Schulart & Klasse
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Gymnasium
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Inhaltsverzeichnis
Lernbereich Lektürehilfen
Übersicht
Agnes
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Romanstruktur
Intertextualität
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2-8
Kapitel 9 - 17
Kapitel 18 - 23
Kapitel 24 - 29
Kapitel 30 - 35
Kapitel 36 Schluss
Charaktere
Agnes
Erzähler
Louise
Themen und Orte
Fiktion und Wirklichk...
Bildnis und Identität...
Isolation und Anonymi...
Motive und Symbole
Punkte und Glück
Kälte
Tod
Wärme
Spuren
Schöpfung
Erzählweise
Prüfungsaufgaben zur ...
Corpus Delicti
Übersicht
Handlung
Kap. 1 - 10
Kap. 11 - 16
Kap. 17 - 22
Kap. 23 - 33
Kap. 34 - 40
Kap. 41 - 50
Aufbau
Charakterisierung
Mia Holl
Moritz Holl
Heinrich Kramer
Die ideale Geliebte
Anwalt Rosentreter
Richterin Sophie
Richter Hutschneider
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Moderne
Zukunftsliteratur
Persönliche Einflüsse
Rezeption
Interpretation
Diktatur - Die Method...
Körper höchstes Gut
Gericht ohne Recht
Totale Überwachung
Kampf um Freiheit
Science Fiction oder ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Dantons Tod
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Personen
Figurenkonstellation
Danton
Die Dantonisten
Robespierre und der W...
Interpretation
Der politische Aspekt
Der weltanschauliche ...
Fazit
Realismus in Dantons ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Fräulein von Scud...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Die Geheimnisse der M...
Paris, die Stadt des ...
Die Herkunft des Käst...
Ein weiterer Mord
Oliviers Erzählung
Tugend siegt am Ende ...
Charaktere
Magdaleine von Scuder...
René Cardillac
Das Paar Olivier Brus...
Der Hofstaat - Ludwig...
Das Gesetz - la Regni...
Themen
Der Mensch - zum Gute...
Schuld, Unschuld und ...
Illusion und Wirklich...
Motive und Symbole
Tag und Nacht, Himmel...
Der Schmuck und die J...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Parfum
Handlung
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Vierter Teil
Formaler Aufbau
Charakterisierungen
Grenouille
Pater Terrier
Madame Gaillard
Grimal
Baldini
Marquise
Antoine Richis
Laure Richis
Druot
Stil
Erzählperspektive
Sprache
Rhetorische Mittel
Kontext
Epoche
Parfüm-Geschichte
Interpretation
Grenouille als Monste...
Genie-Gedanke
Innere Duftwelt
Duft als Macht
Bildungsroman
Schauerroman
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Besuch der alten ...
Kontext und Einordnun...
Handlung
Charaktere
Claire Zachanassian
Alfred Ill
Der Lehrer
Der Pfarrer
Der Polizist
Familie Ill
Die Güllener
Interpretation
Themen
Symbole
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Bürgermeister
Der goldne Topf
Handlung
1. Vigilie
2. Vigilie
3. Vigilie
4. Vigilie
5. Vigilie
6. Vigilie
7. Vigilie
8. Vigilie
9. Vigilie
10. Vigilie
11. Vigilie
12. Vigilie
Kontext
Epoche
Entstehung und Rezept...
Modernes Märchen
Personen
Aufbau
Antithetik
Erzähltechnik
Stil und Sprache
Sprache
Mythen
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Proceß
Entstehung und Einord...
Inhalt
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Figuren
Josef K.
Onkel K.
Advokat Huld
Kaufmann Block
Gerichtsmaler Titorel...
Die Frauenfiguren
Einführung
Fräulein Bürstner
Frau des Gerichtsdien...
Leni
Struktur
Sprache und Stil
Erzählperspektive
Interpretation
Einführung
Das Gericht
Die Türhüterparabel
Verschiedene Interpre...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Sandmann
Handlung
Personen
Kontext und Einordnun...
Motive
Doppelgängermotiv
Augenmotiv
Sprache
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Steppenwolf
Handlung
Zusammenfassung
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Harry Hallers Aufzeic...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Charaktere
Hauptperson
Kontrast- und Spiegel...
Hermine
Pablo
Maria
Nebenfiguren
Die Bürger
Die unsterblichen Kün...
Stil und Sprache
Vorwort des fiktiven ...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Motive, Symbole und B...
Der Steppenwolf
Der Spiegel
Die Ewigkeit und der ...
Die Unsterblichen
Die Musik
Der Tanz
Der Humor
Die Bedeutung des Mag...
Interpretation
Zeit- und Kulturkriti...
Entwicklung der Persö...
Parallelen zu Goethes...
Autobiographische Sel...
Die Marquise von O...
Übersicht
Handlung
Abschnitt 1
Abschnitt 2
Abschnitt 3
Abschnitt 4
Abschnitt 5
Aufbau
Charakterisierung
Die Marquise von O...
Herr von G...
Frau von G...
Graf F...
Stil
Erzählperspektive
Stilmittel
Kontext
Zeitgeschichte
Das Frauenbild um 180...
Interpretation
Gesellschaftskritik
Emanzipation
Tiefenpsychologie
Die Verwandlung
Kontext und Einordnun...
Inhalt
1. Teil
2. Teil
3. Teil
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Der Vater
Die Mutter
Die Schwester
Gregor
Interpretation
Die biographische Int...
Die psychoanalytische...
Die sozialkritische I...
Motive
Welche Verwandlung?
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Faust I
Kontext und Einordnun...
Autor
Epocheneinordnung
Inhalt der Vorspiele
Inhalt der Gelehrten-...
Nacht
Vor dem Tor
Studierzimmer (I)
Studierzimmer (II)
Brückenszenen
Auerbachs Keller in L...
Hexenküche
Inhalt der Gretchen T...
Straße I
Abend
Spaziergang
Der Nachbarin Haus
Straße II
Garten
Ein Gartenhäuschen
Wald und Höhle
Gretchens Stube
Marthens Garten
Am Brunnen
Zwinger
Nacht
Dom
Walpurgisnacht
Walpurgisnachtstraum
Trüber Tag, Feld
Nacht, offen Feld
Kerker
Figuren
Figurenübersicht
Faust
Gretchen
Mephisto
Nebencharaktere
Struktur
Sprache und Stil
Interpretation
Faust und die Konzept...
Faust und Gretchen
Der Pakt mit dem Teuf...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Hamlet
Übersicht
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Akt 5
Aufbau
Charakterisierung
Hamlet
Gertrude
Claudius
Polonius
Ophelia
Laertes
Horatio
Geist
Figurenkonstellation
Stil
Sprache
Stilmittel
Monologe
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Schein
Wahnsinn
Rache
Machtgier
Mutter-Problematik
Liebe
Krimi
Homo Faber
Kontext und Einordnun...
Gliederung
Erste Station
Zweite Station
Handlung
Erste Station
Zweite Station
Figuren
Walter Faber
Hanna Piper
Elisabeth Piper
Ivy
Formales und sprachli...
Ein Bericht? Formaler...
Sprechende Namen
Sprache und Stil
Interpretation
Themen
Orte
Motive und Symbole
Frischs Kritik am Typ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Irrungen, Wirrungen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1 - 15
Kapitel 16 - 26
Aufbau
Charakterisierung
Lene Nimptsch
Botho von Rienäcker
Frau Nimptsch
Frau Dörr
Käthe von Sellenthin
Gideon Franke
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Entwicklungsroman
Gesellschaftskritik
Zeitroman
Psychologischer Roman
Kabale und Liebe
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Auf einen Blick
Akt I
Akt II
Akt III
Akt IV
Akt V
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Auf einen Blick
Miller
Millers Frau
Luise
Sekretär Wurm
Ferdinand von Walter
Präsident von Walter
Hofmarschall von Kalb
Lady Milford
Interpretation
Auf einen Blick
Sozialkritik in Kabal...
Elemente des Sturm un...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Klein Zaches genannt ...
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Figuren
Allgemeines
Balthasar
Zaches
Struktur
Interpretation
Klein Zaches und das ...
Klein Zaches - eine S...
Fazit
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Lenz
Übersicht
Handlung
Gebirgswanderung
Leben im Pfarrhaus
Treffen mit Kaufmann
Oberlins Abwesenheit
Selbstmordversuche
Aufbau
Charakterisierung
Lenz
Oberlin
Kaufmann
Stil
Sprache
Erzählperspektive
Interpretation
Motive
Lenz' Weltanschauung
Prüfungsaufgaben zur ...
Maria Stuart
Handlung
1. Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug
4. Aufzug
5. Aufzug
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Personen
Charakterisierungen
Personenkonstellation
Aufbau des Dramas
Stil und Sprache
Stilmittel
Metrum und Reim
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Medea
Übersicht
Handlung
Prolog
Einzugslied
1. Aufzug
1. Standlied
2. Aufzug
2. Standlied
3. Aufzug
3. Standlied
4. Aufzug
4. Standlied
5. Aufzug
5. Standlied
Auszug
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Amme
Kreon
Aigeus
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Figurenrede
Kontext
Euripides' Werk
Mythos Medea
Interpretation
Rachsucht aus Liebe
Patriarchale Welt
Vergleich mit Medea. ...
Medea. Stimmen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Leukon
Akamas
Agameda
Presbon
Glauke
Kreon
Lyssa
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Zeitgeschichtlicher H...
Mythos Medea
Interpretation
Autobiografisch
Sündenbock-Thematik
Feminismus
Vergleich mit Euripid...
Woyzeck
Handlung
Zusammenfassung
Szene 1 - 2
Szene 3 - 7
Szene 8 - 10
Szene 11 - 15
Szene 16 - 21
Szene 22 - 26
Szene 27
Aufbau des Dramas
Charakterisierungen
Franz Woyzeck
Marie Zickwolf
Nebenfiguren
Stil und Sprache
Kontext
Epoche
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Woyzecks Motive
Armut und Arbeit
Das Erbsenexperiment
Zurechnungsfähigkeit

Josef K.

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Josef K.

Josef K. ist der Protagonist (= Hauptfigur) des Romans. Alles, was geschieht, erlebt der Leser zudem aus seiner Perspektive (vgl. Erzählweise). Trotz dieser Konstellation können wir K. „von außen“ einschätzen und Widersprüche, Unglaubwürdiges sowie Fehleinschätzungen K.s aufdecken.
K. ist beruflich sehr erfolgreich. Obwohl erst dreißig Jahre alt, arbeitet er als Prokurist in einer Bank und ist nur dem Direktor und dessen Stellvertreter untergeordnet. Auch gesellschaftlich scheint K. eine hohe Stellung einzunehmen – immerhin zählt Staatsanwalt Hasterer zu seinen guten Freunden (vgl. S. 21).
Sein Tagesablauf ist streng geregelt: K. arbeitet lange (bis 21 Uhr), unternimmt anschießend einen Spaziergang – entweder allein oder mit nicht näher genannten Bekannten – und trifft sich danach bis 23 Uhr mit überwiegend älteren Herren beim Stammtisch. Seltene Ausnahmen davon gibt es, wenn K. vom Bankdirektor zum Abendessen oder zu einer Autofahrt eingeladen wird. Demnach pflegt er mit dem Direktor ein gutes Verhältnis. Außerdem besucht K. wöchentlich Elsa, eine Prostituierte, die tagsüber „nur vom Bett aus Besuche empfing.“ (Vorstehendes nach S. 25 f.)
Diese Regelmäßigkeit wird durch K.s Verhaftung durchbrochen. K. vermutet sofort Verleumdung oder gar einen Spaß seiner Kollegen als Grund, beruhigt sich aber: Schließlich lebe er in einem Rechtsstaat (vgl. S. 12). Als er seine Legitimationspapiere aus seinem ordentlich aufgeräumten Schreibtisch zieht und damit auf die Wächter zugeht, wird deutlich, dass K. an Recht und Ordnung glaubt – generell ist K. jemand, der streng auf Ordnung achtet. So empfindet er Widerwillen beim unaufgeräumten Zustand der Wohnung des Malers Titorelli und beschwert sich bei Frau Grubach über Fräulein Montag, die gerade Sonntags zu Fräulein Bürstner umzieht und K.s Ruhe stört (S. 85). K., der es als Ärgernis empfindet, wenn Menschen seinen Plänen zuwider handeln oder ihn zu etwas nötigen (wie zum Beispiel sein Onkel), nimmt auf die Pläne anderer Menschen keine Rücksicht: Er lässt Kunden vor seinem Geschäftszimmer warten, weil er über die Verteidigung in seinem Prozess nachdenkt (S. 140).
Man könnte nun denken, dass K. ein sehr selbstsicherer Mann ist, der seinen Willen konsequent durchsetzt – dies gelingt ihm auch auf der Arbeit, doch der Prozess offenbart Brüche in K.s Charakter. Der sonst so zielstrebige Mann handelt bereits ab seiner Verhaftung oft widersprüchlich bzw. seinen vorigen Absichten entgegen:
  • K. will unangezogen vor den Aufseher treten
  • Er lässt sich Vorschriften machen, was er anziehen soll
  • Er will den befreundeten Staatsanwalt anrufen
  • K. lässt sich von den Wächtern davon abbringen
  • Anschließend rationalisiert K. sein Verhalten, um es sich selbst verständlich zu machen: „Wenn ich dadurch die Sache beschleunige, soll es mir recht sein“ (S. 18).
    K. mangelt es an Ernsthaftigkeit und Aufmerksamkeit. Was als optimistische Lebenshaltung gelten könnte („alles möglichst leicht zu nehmen, das Schlimmste erst beim Eintritt des Schlimmsten zu glauben“ (S. 12)), muss durch den Zusatz als Leichtsinn gedeutet werden: K. neigt dazu, „keine Vorsorge für die Zukunft zu treffen, selbst wenn alles drohte.“ (ebd.) Außerdem ist es nicht K.s Gewohnheit, „aus Erfahrungen zu lernen“ (S. 12) oder sich mit „Äußerlichkeiten genauer“ zu befassen (S. 43 f.). K. achtet nicht auf seine Umwelt.
    Diese für den Leser vage bleibende Selbsterkenntnis K.s bleibt jedoch ohne Folgen, denn K. unterschätzt auch die Gefahr, die vom Gericht für ihn ausgeht. Seinem Prozess steht er zunächst vollkommen gleichgültig gegenüber und das Verhaftetsein empfindet er als „nicht sehr schlimm“ (S. 23). K. entgeht viel, weil seine Gedanken immer wieder abschweifen. Er gibt sich endlosen Reflexionen hin, ohne zu einer Lösung zu gelangen. Sein Bewusstseinsstrom ist dabei oft eine Aneinanderreihung von Fragen. Außerdem ist K.s Konzentrationsschwäche in solchen Situationen auffällig, in denen er eigentlich Geistesgegenwart zeigen sollte:
    • In Gegenwart der Wächter Franz und Willem kann K. „nicht einmal nachdenken“ statt Klarheit über seine Situation zu schaffen, fragt er sich in Gedanken „Was waren denn das für Menschen? Wovon sprachen sie? Welcher Behörde gehörten sie an?“ (S. 12)
    • Als der Kanzleidirektor, Advokat © SchulLV 2015Huld und sein Onkel über K.s Fall beratschlagen, kann K. sich nicht konzentrieren – er weiß kaum, wovon die Herren sprechen, und seine Gedanken gleiten zu Leni ab und zu seiner Vorladung, wo er glaubt, den Kanzleidirektor schon einmal gesehen zu haben (S. 116); anschließend lässt er sich von Lenis Lärm im Nebenzimmer ablenken, obwohl das Gespräch sehr wichtig für ihn sein könnte
    • Der Beschluss, seinen Prozess in die eigene Hand zu nehmen, treibt K. erneut in ausufernde Überlegungen, wie das zu bewerkstelligen sei, da er die Zeit für die Arbeit bräuchte, wo er sich ohnehin nur notdürftig konzentrieren kann: „Und jetzt sollte er für die Bank arbeiten? […] Jetzt sollte er Parteien vorlassen und mit ihnen verhandeln? Während sein Proceß weiterrollte, während oben auf dem Dachboden die Gerichtsbeamten über den Schriften dieses Processes saßen, sollte er die Geschäfte der Bank besorgen? “ (S. 145)
    K. ist Junggeselle und lebt für seine Arbeit. Zu anderen Menschen pflegt er außerhalb der Bank nur wenige Beziehungen. Der Leser erfährt lediglich von regelmäßigen Besuchen des Onkels, K.s Stammtischrunde und seiner wöchentlichen Visite bei Elsa. Im Übrigen hat K. Umgang mit Personen, die mit der Gerichtswelt zu tun haben. K.s Nützlichkeitsdenken aus seiner Arbeit (instrumentelle Vernunft) überträgt sich auf seine Beziehung zu seinen Bekanntschaften. Andere Personen behandelt K. mit Kalkül: Ihren Wert veranschlagt er umso höher, je mehr Hilfe er sich von ihnen für seinen Prozess erhofft. So schätzt er den Kaufmann Block anfangs sehr gering und wähnt sich ihm überlegen. Als er sich von ihm jedoch nützliche Informationen über die Gerichtswelt verspricht, steigt Block in seiner Achtung (vgl. S. 194). K. denkt stark hierarchisch, dies offenbart sich schon in seinem Verhältnis zum Direktor-Stellvertreter, zu dem er in Konkurrenz steht. Die Sicherheit, die ihm das rationale Denken im Beruf gibt, versucht K. so auf seinen Prozess zu übertragen – hier steht K. aber einer Welt gegenüber, die nicht den Regeln der Vernunft gehorcht. K. sucht sich also Hilfe, da er allein dem Gericht nicht gewachsen ist.
    Dieses von Kalkül geprägte Verhalten geht mit einem ÜberlegenheitsGefühl K.s gegenüber anderen einher. Er wähnt sich seinen Wächtern, anderen Angeklagten wie dem Kaufmann Block, aber auch dem Prügler oder Fräulein Bürstner überlegen. So versucht er den Prügler zu bestechen und die Szene in der Rumpelkammer damit zu kontrollieren. Er über Frau Bürstner als „ein kleines Schreibmaschinenfräulein […], das ihm nicht lange Widerstand leisten sollte.“ (S. 91) Allerdings ist K. diesen Personen nur scheinbar überlegen, denn es gelingt ihm nie, seine Absichten in die Tat umzusetzen. Z. B. kann er den Prügler nicht vom Prügeln abhalten und Fräulein Bürstner lässt sich nicht weiter mit ihm ein.
    Frauen versucht K. als Helferinnen in seinem Prozess anzuwerben (S. 35, 60, 119 f.). Sein Verhältnis zu ihnen ist darüber hinaus sexuell geprägt, was ihn wiederum davon abhält, wirksame Hilfe in seinem Prozess zu erhalten. Ohne sich auf diese Frauen als Personen einzulassen, begehrt K. sie vielmehr. Wirklich tiefgründig ist K.s Beziehung weder zu Elsa noch zu Fräulein Bürstner, zur Wäscherin oder zu Leni: K. versammelt zwar Menschen um sich, doch ist dies eine Klientelpolitik, K. hat keinen engen Vertrauten, keine enge Bindung zu anderen Menschen, sondern nur oberflächliche, für ihn nützliche Bekanntschaften. Der fleißige, strebsame, ganz und gar nicht mitfühlende K. ist ein Einzelgänger, sehr ernst und nicht humorvoll – zwar kann er sein Auftreten kontrollieren und dadurch andere Menschen für sich gewinnen (so in seiner Rede während der ersten Untersuchung), doch ist dies ein manipulatives Verhalten, kein geselliges.
    K. zeigt eine gewisse Doppelmoral, wenn er einerseits sexuellen Verführungen nachgibt, andererseits jedoch von der sexuellen Zurschaustellung der Waschfrau angeekelt ist und sich erbost, dass eine verheiratete Frau eine Affäre hat (vgl. S. 59). Die gleiche Frau will er sogar selbst besitzen und er wird eifersüchtig, als sie vom Studenten weggetragen wird. Auch gegenüber Leni, die mit Vorliebe ein Verhältnis mit Angeklagten eingeht, zeigt K. seine Eifersucht (S. 183 f.). Dem Leser drängt sich der Eindruck auf, dass K. seine sexuellen Phantasien sich selbst nicht eingestehen will und verdrängt. Dies wird z. B. klar, als K. voller Ungeduld auf Fräulein Bürstner wartet, sich selbst sagt, kein großes Verlangen nach ihr zu haben, in ihrer Anwesenheit dann aufgeregt ist und zudringlich wird. Symbolisch für K.s Verdrängung der Sexualität steht darüber hinaus die Szene in der Rumpelkammer, die an „unanständige“ SM-Praktiken erinnert.
    Generell hat K. nur sehr lose Moralvorstellungen. Er ist ein Pragmatiker, tut also in erster Linie das, was ihm nützlich und gefällig ist, denkt dabei kaum über Anstand und Sitte nach – er stellt diese hinten an, wenn sie für ihn Nachteile bedeuten. So lässt er seine Wächter in der Rumpelkammer zurück, weil er fürchtet, dass man sie zusammen sehen könnte, was K. in Erklärungsnot brächte.
    Die Einstellung K.s zu seinem Prozess wandelt sich mit der Zeit. Ist sie anfangs von Gleichgültigkeit und Widerwillen geprägt, kann der Leser im Romanverlauf eine zunehmende Fixierung K.s auf das Gericht feststellen (der Wendepunkt ist sein Entschluss, die Eingabe selbst zu verfassen (vgl. S. 137)) – er beginnt, Verantwortung zu übernehmen, da er nicht „allein in der Welt“ ist (ebd.). Hier rückt K. vom Egoismus ab, er fühlt sich verantwortlich, was am Ende zu seinem Schuldbewusstsein führt. Diese Fixierung auf den Prozess macht es ihm zunehmend schwer, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Sein „Widersacher“ in der Bank, der Direktor-Stellvertreter, scheint ihm gegenüber Oberwasser zu gewinnen. Trotz K.s anfänglicher Ablehnung und seiner Nichtanerkennung des Verfahrens gegen ihn fügt er sich dem Gericht. Der Widerspruch zwischen Ks. Absichten und Äußerungen auf der einen sowie seinen Handlungen auf der anderen Seite wurde bereits angesprochen. Dieser Widerspruch setzt sich im Laufe der Handlung fort:
  • K. will sich den Regeln des Gerichts eigentlich nicht beugen und zeigt kein Interesse daran, pünktlich zu erscheinen
  • Er hastet ohne genaue Zeitangabe zur Untersuchung
  • Auf dem Weg zur ersten Vorladung nimmt er kein Taxi, weil er auf jegliche fremde Hilfe in seinem Fall verzichten möchte
  • Er sammelt eine Helferschar um sich
  • Diese Liste ließe sich fast endlos weiterführen – offensichtlich verdrängt K. die Bedeutung, die er seinem Prozess in Wahrheit beimisst. Mit der Zeit schwindet aber K.s Gleichgültigkeit, statt den Prozess zu ignorieren, will er ihn bestreiten und gewinnen. Mit der Folge, dass er sich auf ihn einlässt, angesichts des unübersichtlichen Gerichtswesens aber auch seine Zuversicht verliert. Er gerät immer tiefer in seinen Prozess, ohne eigentlich zu wissen, weshalb. Damit einher geht ein lähmendes Gefühl der Ohnmacht – K. sieht sich einem allmächtigen und allgegenwärtigen Gericht ausgeliefert. Am Ende hat K. schlichtweg aufgegeben. Er verschmilzt mit seinen Henkern zu einer Einheit, in der er führt, und lässt sich ohne Widerstand schlachten.
    Die Frage nach dem Grund für (und dem Wesen von) K.s Prozess bleibt unbeantwortet. K. erkennt lediglich eine universelle menschliche Schuld an (S. 227), sein persönliches Geständnis bleibt vage (S.241).
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