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Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
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Inhaltsverzeichnis
Lernbereich Lektürehilfen
Übersicht
Agnes
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Romanstruktur
Intertextualität
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2-8
Kapitel 9 - 17
Kapitel 18 - 23
Kapitel 24 - 29
Kapitel 30 - 35
Kapitel 36 Schluss
Charaktere
Agnes
Erzähler
Louise
Themen und Orte
Fiktion und Wirklichk...
Bildnis und Identität...
Isolation und Anonymi...
Motive und Symbole
Punkte und Glück
Kälte
Tod
Wärme
Spuren
Schöpfung
Erzählweise
Prüfungsaufgaben zur ...
Corpus Delicti
Übersicht
Handlung
Kap. 1 - 10
Kap. 11 - 16
Kap. 17 - 22
Kap. 23 - 33
Kap. 34 - 40
Kap. 41 - 50
Aufbau
Charakterisierung
Mia Holl
Moritz Holl
Heinrich Kramer
Die ideale Geliebte
Anwalt Rosentreter
Richterin Sophie
Richter Hutschneider
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Moderne
Zukunftsliteratur
Persönliche Einflüsse
Rezeption
Interpretation
Diktatur - Die Method...
Körper höchstes Gut
Gericht ohne Recht
Totale Überwachung
Kampf um Freiheit
Science Fiction oder ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Dantons Tod
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Personen
Figurenkonstellation
Danton
Die Dantonisten
Robespierre und der W...
Interpretation
Der politische Aspekt
Der weltanschauliche ...
Fazit
Realismus in Dantons ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Fräulein von Scud...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Handlung
Die Geheimnisse der M...
Paris, die Stadt des ...
Die Herkunft des Käst...
Ein weiterer Mord
Oliviers Erzählung
Tugend siegt am Ende ...
Charaktere
Magdaleine von Scuder...
René Cardillac
Das Paar Olivier Brus...
Der Hofstaat - Ludwig...
Das Gesetz - la Regni...
Themen
Der Mensch - zum Gute...
Schuld, Unschuld und ...
Illusion und Wirklich...
Motive und Symbole
Tag und Nacht, Himmel...
Der Schmuck und die J...
Prüfungsaufgaben zur ...
Das Parfum
Handlung
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Vierter Teil
Formaler Aufbau
Charakterisierungen
Grenouille
Pater Terrier
Madame Gaillard
Grimal
Baldini
Marquise
Antoine Richis
Laure Richis
Druot
Stil
Erzählperspektive
Sprache
Rhetorische Mittel
Kontext
Epoche
Parfüm-Geschichte
Interpretation
Grenouille als Monste...
Genie-Gedanke
Innere Duftwelt
Duft als Macht
Bildungsroman
Schauerroman
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Besuch der alten ...
Kontext und Einordnun...
Handlung
Charaktere
Claire Zachanassian
Alfred Ill
Der Lehrer
Der Pfarrer
Der Polizist
Familie Ill
Die Güllener
Interpretation
Themen
Symbole
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Bürgermeister
Der goldne Topf
Handlung
1. Vigilie
2. Vigilie
3. Vigilie
4. Vigilie
5. Vigilie
6. Vigilie
7. Vigilie
8. Vigilie
9. Vigilie
10. Vigilie
11. Vigilie
12. Vigilie
Kontext
Epoche
Entstehung und Rezept...
Modernes Märchen
Personen
Aufbau
Antithetik
Erzähltechnik
Stil und Sprache
Sprache
Mythen
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Proceß
Entstehung und Einord...
Inhalt
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Figuren
Josef K.
Onkel K.
Advokat Huld
Kaufmann Block
Gerichtsmaler Titorel...
Die Frauenfiguren
Einführung
Fräulein Bürstner
Frau des Gerichtsdien...
Leni
Struktur
Sprache und Stil
Erzählperspektive
Interpretation
Einführung
Das Gericht
Die Türhüterparabel
Verschiedene Interpre...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Sandmann
Handlung
Personen
Kontext und Einordnun...
Motive
Doppelgängermotiv
Augenmotiv
Sprache
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Der Steppenwolf
Handlung
Zusammenfassung
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Harry Hallers Aufzeic...
Kontext und Einordnun...
Formaler Aufbau
Vorwort des Herausgeb...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Charaktere
Hauptperson
Kontrast- und Spiegel...
Hermine
Pablo
Maria
Nebenfiguren
Die Bürger
Die unsterblichen Kün...
Stil und Sprache
Vorwort des fiktiven ...
Harry Hallers Aufzeic...
Tractat vom Steppenwo...
Motive, Symbole und B...
Der Steppenwolf
Der Spiegel
Die Ewigkeit und der ...
Die Unsterblichen
Die Musik
Der Tanz
Der Humor
Die Bedeutung des Mag...
Interpretation
Zeit- und Kulturkriti...
Entwicklung der Persö...
Parallelen zu Goethes...
Autobiographische Sel...
Die Marquise von O...
Übersicht
Handlung
Abschnitt 1
Abschnitt 2
Abschnitt 3
Abschnitt 4
Abschnitt 5
Aufbau
Charakterisierung
Die Marquise von O...
Herr von G...
Frau von G...
Graf F...
Stil
Erzählperspektive
Stilmittel
Kontext
Zeitgeschichte
Das Frauenbild um 180...
Interpretation
Gesellschaftskritik
Emanzipation
Tiefenpsychologie
Die Verwandlung
Kontext und Einordnun...
Inhalt
1. Teil
2. Teil
3. Teil
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Der Vater
Die Mutter
Die Schwester
Gregor
Interpretation
Die biographische Int...
Die psychoanalytische...
Die sozialkritische I...
Motive
Welche Verwandlung?
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Faust I
Kontext und Einordnun...
Autor
Epocheneinordnung
Inhalt der Vorspiele
Inhalt der Gelehrten-...
Nacht
Vor dem Tor
Studierzimmer (I)
Studierzimmer (II)
Brückenszenen
Auerbachs Keller in L...
Hexenküche
Inhalt der Gretchen T...
Straße I
Abend
Spaziergang
Der Nachbarin Haus
Straße II
Garten
Ein Gartenhäuschen
Wald und Höhle
Gretchens Stube
Marthens Garten
Am Brunnen
Zwinger
Nacht
Dom
Walpurgisnacht
Walpurgisnachtstraum
Trüber Tag, Feld
Nacht, offen Feld
Kerker
Figuren
Figurenübersicht
Faust
Gretchen
Mephisto
Nebencharaktere
Struktur
Sprache und Stil
Interpretation
Faust und die Konzept...
Faust und Gretchen
Der Pakt mit dem Teuf...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Hamlet
Übersicht
Handlung
Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt 4
Akt 5
Aufbau
Charakterisierung
Hamlet
Gertrude
Claudius
Polonius
Ophelia
Laertes
Horatio
Geist
Figurenkonstellation
Stil
Sprache
Stilmittel
Monologe
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Schein
Wahnsinn
Rache
Machtgier
Mutter-Problematik
Liebe
Krimi
Homo Faber
Kontext und Einordnun...
Gliederung
Erste Station
Zweite Station
Handlung
Erste Station
Zweite Station
Figuren
Walter Faber
Hanna Piper
Elisabeth Piper
Ivy
Formales und sprachli...
Ein Bericht? Formaler...
Sprechende Namen
Sprache und Stil
Interpretation
Themen
Orte
Motive und Symbole
Frischs Kritik am Typ...
Prüfungsaufgaben zur ...
Irrungen, Wirrungen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1 - 15
Kapitel 16 - 26
Aufbau
Charakterisierung
Lene Nimptsch
Botho von Rienäcker
Frau Nimptsch
Frau Dörr
Käthe von Sellenthin
Gideon Franke
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Motive
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Entwicklungsroman
Gesellschaftskritik
Zeitroman
Psychologischer Roman
Kabale und Liebe
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Auf einen Blick
Akt I
Akt II
Akt III
Akt IV
Akt V
Struktur
Sprache und Stil
Figuren
Auf einen Blick
Miller
Millers Frau
Luise
Sekretär Wurm
Ferdinand von Walter
Präsident von Walter
Hofmarschall von Kalb
Lady Milford
Interpretation
Auf einen Blick
Sozialkritik in Kabal...
Elemente des Sturm un...
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Klein Zaches genannt ...
Kontext und Einordnun...
Inhalt
Figuren
Allgemeines
Balthasar
Zaches
Struktur
Interpretation
Klein Zaches und das ...
Klein Zaches - eine S...
Fazit
Rezeption
Prüfungsaufgaben zur ...
Landnahme
Übersicht
Handlung
Prolog
Thomas Nicolas
Marion Demutz
Peter Koller
Katharina Hollenbach
Sigurd Kitzerow
Epilog
Aufbau
Charakterisierung
Bernhard Haber
Thomas Nicolas
Marion Demutz
Peter Koller
Katharina Hollenbach
Sigurd Kitzerow
Stil
Erzählperspektive
Stilmittel
Kontext
Geschichtlicher Hinte...
Rezeption
Interpretation
Heimat
Fremdenfeindlichkeit
Gesellschaftskritik
Lenz
Übersicht
Handlung
Gebirgswanderung
Leben im Pfarrhaus
Treffen mit Kaufmann
Oberlins Abwesenheit
Selbstmordversuche
Aufbau
Charakterisierung
Lenz
Oberlin
Kaufmann
Stil
Sprache
Erzählperspektive
Interpretation
Motive
Lenz' Weltanschauung
Prüfungsaufgaben zur ...
Maria Stuart
Handlung
1. Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug
4. Aufzug
5. Aufzug
Kontext
Epoche
Rezeption
Geschichtlicher Hinte...
Personen
Charakterisierungen
Personenkonstellation
Aufbau des Dramas
Stil und Sprache
Stilmittel
Metrum und Reim
Interpretation
Prüfungsaufgaben zur ...
Medea
Übersicht
Handlung
Prolog
Einzugslied
1. Aufzug
1. Standlied
2. Aufzug
2. Standlied
3. Aufzug
3. Standlied
4. Aufzug
4. Standlied
5. Aufzug
5. Standlied
Auszug
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Amme
Kreon
Aigeus
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Figurenrede
Kontext
Euripides' Werk
Mythos Medea
Interpretation
Rachsucht aus Liebe
Patriarchale Welt
Vergleich mit Medea. ...
Medea. Stimmen
Übersicht
Handlung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Aufbau
Charakterisierung
Medea
Jason
Leukon
Akamas
Agameda
Presbon
Glauke
Kreon
Lyssa
Figurenkonstellation
Stil
Stilmittel
Erzählperspektive
Kontext
Zeitgeschichtlicher H...
Mythos Medea
Interpretation
Autobiografisch
Sündenbock-Thematik
Feminismus
Vergleich mit Euripid...
Woyzeck
Handlung
Zusammenfassung
Szene 1 - 2
Szene 3 - 7
Szene 8 - 10
Szene 11 - 15
Szene 16 - 21
Szene 22 - 26
Szene 27
Aufbau des Dramas
Charakterisierungen
Franz Woyzeck
Marie Zickwolf
Nebenfiguren
Stil und Sprache
Kontext
Epoche
Geschichtlicher Hinte...
Interpretation
Woyzecks Motive
Armut und Arbeit
Das Erbsenexperiment
Zurechnungsfähigkeit

Themen

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Bildnis und Identitätsproblematik

Unter einem „Bildnis“ versteht Frisch eine vorgefertigte Auffassung von sich oder anderen, die das wirkliche, authentische Leben verhindert. Ausgehend vom alttestamentarischen Bildnisverbot („Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen“) wendet Frisch dieses auf die Menschen: Sünde ist, sich von seinen Mitmenschen ein Bildnis zu machen.
Erst die Liebe befreie aus dem Bildnis, denn sie erlaube, den geliebten Menschen in seiner widersprüchlichen Komplexität wahrzunehmen, ohne ihn auf ein starres Bild festzulegen.
$\blacktriangleright$ Walter Faber
In Homo faber kritisiert Frisch das Rollenbild des Menschen von sich selbst. So verbirgt sich Fabers wahre Identität hinter der Rolle als Techniker. Als Rollenwesen führt er ein verfehltes Leben und besitzt nur eine Scheinidentität. Erst mit dem herannahenden Tod erkennt Faber, dass er eigentlich an sich vorbeigelebt hat.
Noch als er die erste Station schreibt, identifiziert Faber sich mit dem Bild des Technikers. Gemäß Selbstbild ist der Techniker an Tatsachen interessiert. Es ist ein männlicher Beruf, wenn nicht „der einzigmännliche überhaupt“ (S. 83). Selbstbild und Wirklichkeit klaffen im Laufe der Handlung jedoch immer weiter auseinander. So meint Faber von sich, völlig rational zu sein und die Dinge so zu sehen, wie sie sind. In Wahrheit handelt er aber häufig irrational, ohne dass er sich erklären kann, weshalb. Außerdem täuscht er sich oftmals, so z. B. bei seinem Ausbruchsversuch in Houston beim Abflug seiner Maschine. Sein folgenreichster Irrtum aber führt zum Tod seiner Tochter, die nicht am Schlangenbiss, sondern wegen ihres Sturzes auf den Hinterkopf stirbt.
Dass sich Faber irrational verhält, verunsichert ihn. Er weiß selbst nicht, was mit ihm los ist und kann sich nicht erklären, weshalb er so handelt, wie er handelt. Teilweise weiß er nicht einmal, was er denken soll. Alle Versuche, sein Verhalten zu rationalisieren, müssen scheitern (Vorstehendes nach S. 11, S. 14, S. 36f., S. 46, S. 144). Bezeichnend ist, dass Faber sich seinen Aufgaben nach dem Tod seiner Tochter nicht mehr gewachsen fühlt (S. 176f.). Obwohl das Irrationale, Schicksalhafte in sein Leben tritt, glaubt Faber auch nach Sabeths Tod an Statistik und versucht sich mit Zahlen zu beruhigen: Die an ihm nötige OP gelinge in 94,6 von 100 Fällen. Wie bei der Mortalität bei Schlangenbissen führt die Statistik hier in die Irre.
Erst am Ende befreit sich Faber vom Selbstbildnis, mit dem er sich selbst sein Leben lang gefangen hielt. Er weist an, alle seine Aufzeichnungen zu vernichten, es stimme nichts. Leben heiße „standhalten dem Licht der Freude im Wissen, daß ich erlösche“ (S. 216), d. h. im Wissen um die eigene Vergänglichkeit und die allen Lebens.
Allerdings ist nicht nur Walters Selbstbild schief, auch sein Frauen- und Weltbild ist von einer Schwarz-Weiß-Sicht gekennzeichnet. Den Unterschied zwischen dem primitiven und dem modernen Menschen bringt er auf die Formel „Technik statt Mystik“ (S. 84). In seinem Denken gehören die Begriffspaare Mann und Technik sowie Frau und Mystik zusammen.
Die Technik erhebt Faber dabei zu einem Ideal, mit dem er auch über ethische Probleme hinweggeht. So sieht er den Streit um Abtreibung nicht als moralische oder gar religiöse, sondern als technische Frage. Seine instrumentelle Vernunft fragt nicht, was gut und richtig, sondern allein, was machbar ist. Zwischen Moral und Technik lässt er keine Überschneidungen zu – entweder lösen wir alles technisch oder „los in den Dschungel“ (S. 116).
Daraus geht hervor, dass sein Denken antithetisch geprägt wird. Konkret bedeutet dies, dass Faber in Gegensätzen denkt. Selbst als sich sein Weltbild auf Kuba ändert, bleibt er blind und jagt Klischees nach. Nun schlägt sein Denken ins Gegenteil um, ohne sich deshalb differenziert mit den weiterhin bestehenden Gegensätzen auseinanderzusetzen. Was vorher weiß war, ist nun schwarz und umgekehrt – Grautöne gibt es nicht. Sein Zorn auf die USA und sich selbst äußert sich in aneinandergereihten Amerikaklischees (S. 190-192), die noch heute Allgemeinplätze des Antiamerikanismus sind. Seine lapidare Äußerung, Marcel habe recht, verweist auf die undifferenzierte Meinung des Maya-Forschers zur modernen Welt.
Auch die Selbsterkenntnis Fabers befreit ihn nicht aus seinen Klischees. Zwar wird ihm klar, dass er an sich vorbei gelebt hat und er spürt die Sehnsucht nach dem, was er das wirkliche Leben nennt. Er will jetzt erleben und und verbringt auf Kuba vier Tage mit „nichts als Schauen.“ Er blendet aber die soziale Wirklichkeit auf der Insel aus, ignoriert Armut und Prostitution. Nach einer Interpretation geriert sich Faber hier als „sentimentaler Herrenmensch“: Er sieht sich von „lauter wunderbaren Menschen“ umgeben, ist offenkundig fasziniert vom Exotischen und kommt „aus dem Gaffen“ nicht heraus. In den Kubanern sieht er etwas Animalisch-Wildes, wozu passt, dass er das Haar eines Jungen anfasst, wie wenn man einen geschorenen Pudel greift. Der Bezug zum Animalisch-Wilden muss nicht erst durch den Interpreten hergestellt werden, sondern findet sich wörtlich. Faber ist in den Bann gezogen von den „Tier-Augen. Überhaupt ihr Fleisch!“ Er bemerkt „lauter schöne Menschen, ich bewundere sie wie fremde Tiere.“. Tatsächlich passt also die Deutung des Ingenieurs als Herrenmensch. Dass er darüber hinaus sentimental geworden ist, beweist der Wunsch: „Wenn man nochmals leben könnte.“ (Vorstehendes nach S. 187-198)
Jedenfalls beginnt Faber auf Kuba, zu sich selbst zu finden. Er zeigt nun Gefühle, schaukelt und lacht, singt und weint. All dies kann durch seine Todesahnung erklärt werden sowie durch die Erkenntnis, nicht richtig gelebt zu haben. Er zeigt nun Neugier für andere Ansichten über die Welt, fragt etwa Juana, eine Prostituierte, nach der Todsünde, nach Göttern und ob Schlangen von Göttern oder Dämonen gesteuert werden. Auf ihre Gegenfrage, was er denke, bleibt er die Antwort schuldig. Zur Mystik scheint er freilich nicht zu tendieren, da er seine geschriebenen Briefe an Dick und Marcel zerreißt, weil sie unsachlich seien.
$\blacktriangleright$ Hanna Piper
Hanna ist gewissermaßen das Gegenklischee zu Walter. Bereits als Kind schwört sie sich, nie einen Mann zu lieben, weil sie ihre körperliche Unterlegenheit ihrem jüngeren Bruder gegenüber als Demütigung empfindet (S. 198). Später errichtet sie ihr Matriarchat und wacht über ihre Tochter „wie eine Henne“ (Faber). Bezeichnerderweise erzählt sie Walters Mutter von Elisabeth und verrät seinem Vater nichts.
Hanna versteht Männer nicht und will von ihnen nicht (mehr) verstanden werden, womit sie zeigt, dass sie die Kommunikation zwischen den Geschlechtern für unnütz hält. Ihre Ansichten fließen in einem Brachialfeminismus zusammen: Der Mann höre nur sich selbst, deshalb könne das Leben einer Frau, die vom Mann verstanden werden wolle, nur verpfuscht sein, so wie ihr eigenes Leben. Sie bereue nur die Dummheit, dass sie ihre einzelnen Männer für eine Ausnahme hielt (Vorstehendes S. 151f.).
Hannas scheinbarer Selbstvorwurf ist in Wahrheit eine verallgemeinernde Anklage gegen die Männerwelt. Für sie gibt es eigentlich keine einzelnen Männer, genau wie es für Faber keine einzelnen Frauen gibt – es gibt nur den Mann und die Frau: Der Mann sieht sich als Herr der Welt, die Frau nur als seinen Spiegel usw. (= Hanna); alle Frauen haben einen Hang zum Aberglauben (= Walter). Damit sind beide in einem Bildnis gefangen und deshalb ist ihr Leben auch verpfuscht.
Übrigens äußert Hanna mit der Behauptung, die Sprache gebe der Frau immer unrecht, einen Allgemeinplatz der damals aufkommenden feministischen Sprachtheorie. Für Hanna ist die Frau der „Proletarier der Schöpfung“ (S. 152).
Letztlich haben Hannas Narzissmus und ihr Ressentiment gegen Männer ebenfalls Anteil an Elisabeths Tod und an ihrem eigenen verpfuschten Leben. Hätte sie Walter von ihrem gemeinsamen Kind erzählt, wäre es nicht zum tragischen Unglück gekommen. Und hätte sie sich nicht wie eine Henne verhalten, wäre ihre Ehe mit Joachim möglicherweise nicht gescheitert.

Natur und Technik

$\blacktriangleright$ Natur
  • negativ bis feindlich besetzt für Faber
    • „Die feuchte Luft –
      Die schleimige Sonne“ (S. 45)
    • Verbindung mit Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und Tod
    • „Brunst oder Todesangst, man weiß es nicht. -“ (S. 45)
    • Fahrt auf die Plantage:
      „überhaupt diese Fortpflanzerei überall, es stinkt nach Fruchtbarkeit, nach blühender Verwesung.
      Wo man hinspuckt, keimt es!“ (S. 54f.)
  • Sieg der Natur, Versagen der Technik
    • Flug von New York hat 3 Stunden Verspätung wegen Schneestürmen (S. 7)
    • Notlandung in der Wüste (S. 22)
$\blacktriangleright$ Technik
  • Maschine laut Faber besser als Mensch, Roboter erkennt genauer, weiß mehr von der Zukunft, irrt nicht (S. 80f.)
  • Diskussion über Technik mit Hanna (S. 184f.)
    • Technik nach Hanna ein „Kniff, die Welt so einzurichten, daß wir sie nicht erleben müssen.“
    • Faber behauptet, nicht zu wissen, was Hanna meine, doch ahnt er es
    • Techniker würden versuchen, ohne den Tod zu leben; weil Faber sich als Techniker betrachte, sei auch seine Beziehung zu Sabeth so deuten, einer 30 J. jüngeren Frau (Altersunterschied als Verdrängung der eigenen Vergänglichkeit); deshalb spricht Hanna von einem Irrtum, der zu Faber gehöre wie sein Beruf uns sein Leben
    • Faber behandle das „Leben nicht als Gestalt, sondern als bloße Addition, daher kein Verhältnis zur Zeit, weil kein Verhältnis zum Tod. Leben sei Gestalt in der Zeit.“
  • Ablehnung der Technik durch Zivilisationskritiker Marcel

Schuld, Schicksal, Fügung

Der Witz in Homo faber ist laut Frisch, „dass ein Mensch, der in seinem Denken die Zufälligkeit postuliert, eine Schicksalsgeschichte erlebt.“ Reflexionen über Zufall und Wahrscheinlichkeit sowie über Schicksal und Fügung finden sich im Roman zuhauf (erstmals auf S. 23f.).
Der Gedanke, dass es sich bei den Geschehnissen um Fügung handelt, drängt sich Faber förmlich auf: Er ist es, der diese Möglichkeit ausspricht, auch wenn er sie explizit ablehnt (S. 78). Doch handelt es sich bei allem wirklich nur um Zufälle? Aufschlussreich ist hierbei, um welche Zufälle es sich handelt und was Faber aus ihnen macht.
Zufall Fabers Reaktion
  • F. sitzt im Flugzeug neben Herbert Hencke, dem Bruder seines Jugendfreundes Joachim; es kommt zur Notlandung
  • Schiffsreise kommt nur zustande, weil F. seinen Rasierapparat repariert
  • F. und Herbert kommen ins Gespräch; die Vergangenheit holt F. ein; er beschließt, Joachim aufzusuchen
  • auf dem Schiff kommt Faber mit dem Mädchen ins Gespräch, das ihn an Hanna erinnert; in Paris geht F. sicher nicht zufällig in den Louvre, sondern mit dem Ziel, Sabeth wiederzusehen
Faber zieht sich hinter den Begriff des Zufalls zurück. Er bemerkt, wie sehr Sabeth seiner Jugendliebe Hanna ähnelt und spätestens als er erfährt, dass Hanna tatsächlich Sabeths Mutter ist, hätte er seine Beziehung zu seiner „zufälligen Reisebekanntschaft“ hinterfragen müssen. Er verdrängt jedoch seine Ahnungen und will sich einreden, dass es Joachims Kind sei: „Ich rechnete im stillen […] pausenlos, bis die Rechnung aufging, wie ich sie wollte: Sie konnte nur das Kind von Joachim sein! […] ich legte mir die Daten zurecht, bis die Rechnung wirklich stimmte […].“ (S. 132)
Die Ahnung, dass Sabeth sein Kind sein könnte, verdichtet sich später zur Gewissheit. Als Hanna ihn am Unglückort mit der Tatsache konfrontiert, ist sie für ihn keine Neuheit:

„Du weißt, […] daß es dein Kind ist?“
Ich wußte es. (S. 171)
Dennoch versucht Faber, sich rein zu schreiben und ist bemüht, die sexuelle Initiative Sabeth zuzuschieben: „Jedenfalls war es das Mächen, das in jener Nacht […] in mein Zimmer kam -“ (S. 135). Selbst wenn wir dem Bericht hier folgen, ist es unbestreitbar Faber, der sie in Pais sucht, der sich ihretwegen Urlaub nimmt und das Auto von Williams organisiert.
Ist schließlich Sabeths Tod ein Zufall? Zumindest berichtet Faber den Unfallhergang falsch und auch der Sturz, der zu ihrer tödlichen Verletzung führt, hat einen Grund. So hängt Sabeths Tod mit dem Inzestfall zusammen, denn sie stirbt, als sie vor dem nackten Faber zurückweicht und über die Böschung auf ihren Hinterkopf stürzt.
Fabers konkrete Schuld aber besteht in der geplatzten Heirat mit Hanna und darin, dass er sich selbst belügt. Er ahnt, dass Sabeth seine Tochter sein könnte, verdrängt es aber. Trotzdem wächst seine Ahnung: Obwohl Faber bei Hanna bereits ein Bad genommen hat, wäscht er sich erneut und versucht auch, sein schmutziges Hemd zu säubern – der Versuch, sich reinzuwaschen (S. 160f.). Seine Schuld sich selbst gegenüber ist, dass er seine Existenz verfehlt.
Weil Hanna verschweigt, dass sie von ein Kind von Walter hat, trägt sie eine Mitschuld am Inzest und letztlich an Sabeths Tod. Ihre Schuld sich selbst gegenüber besteht darin, dass sie ein gestörtes Verhältnis zu Männern hat.
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